15.01.2020 15:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Ernährung
«Klimasteuer auf Fleisch und Milch»
Die Schweiz soll die Treibhausgasemissionen stark reduzieren. Das fordern Wissenschaftler, Bürger und Politiker. Der Ökonom Ernst Fehr von der Universität Zürich will Abgaben auf Lebensmitteln. Im Fokus hat er Fleisch und Milch.

Die Schweiz soll bis 2050 klimaneutral werden. Das Alpenland soll nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Dies ist das Ziel der Landesregierung. Auch die Landwirtschaft muss gemäss dem Bundesrat ihren Beitrag dazu leisten.

Fehr will Kostenwahrheit

Für den Schweizer Ökonomen Ernst Fehr reicht das nicht aus. Er fordert eine allgemeine Klimasteuer, die alle Produkte proportional zu den verursachten Treibhausgasemissionen besteuert.

In einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen fordert er auch eine Steuer auf Lebensmittel, die hohe Emissionen verursachen. Im Fokus hat der 63-Jährige insbesondere das Fleisch. Es brauche eine echte Kostenwahrheit. Und deshalb fordert einen Eingriff in die Ernährung durch den Staat.

«Die hohe Emissionen verursachende Fleischproduktion wurde sinken, weil Fleisch sich verteuern würde. Mit einer Klimasteuer würde der Markt die Treibhausgasemissionen stark reduzieren», sagt Fehr.

Steuer an Bevölkerung zurückgeben

Dem Vorwurf, dass sich damit nur noch Reiche Fleisch leisten könnten, begegnet der Professor für Mikroökonomik an der Universität Zürich wie folgt: «Die Einnahmen aus der Klimasteuer sollten der Bevölkerung zurückgegeben werden. Und zwar pro Kopf: so findet gleichzeitig eine sozial erwünschte Umverteilung statt.» 

Wenn reichere Personen mehr Fleisch essen, müssten sie einen grösseren Anteil an der Klimasteuer bezahlen, folgert er. «Sie erhielten aber gleich viel wie andere zurückerstattet. Eine solche Steuer wäre also nicht unsozial», fährt er fort. Die Steuer muss aus der Sicht des Wissenschaftlers so hoch, dass der Konsum «schädlicher» Produkte zurückgeht.

Direktzahlungen 

Fehr hat aber nicht nur das Fleisch, sondern auch die Milch im Visier. «Milch müsste natürlich wie alle anderen Produkte auch mit einer Klimasteuer belegt werden», fordert er. Den Bauern will er mit Direktzahlungen unter die Arme greifen. «Die haben den Vorteil, dass sie den Bauern helfen, ohne die Milchproduktion zu fördern», erklärt er. Vermutlich schwebt Fehr vor, heutige Direktzahlungen umzulenken.

Ein Intervention durch den Staat ist für Fehr unabdingbar. Der Markt würde zu spät für eine Kostenwahrheit sorgen. «Die Verhinderung der Klimaerwärmung ist geradezu ein Paradefall von legitimer Staatsintervention. Denn individuelle Akteure erzeugen negative externe Effekte. Da muss der Staat eingreifen, das ist Lehrbuchwissen», erklärt der Ökonom. 

Und untermauert seine Forderung mit folgender Aussage: «Die Verhinderung der Klimaerwärmung ist ein öffentliches Gut, eines der grössten und wichtigsten für die ganze Menschheit.»

Preis ist wichtiger Verkaufstreiber

Dass der Preis ein wichtiger Hebel beim Konsum ist, bestätigt Ernährungspsychologin Jsabella Zädow. Prinzipen würden sich vor dem Verkaufsregal rasch auflösen. Es müsse plötzlich rasch gehen. 

«Dann landet bei vielen das billigere Stück Fleisch im Einkaufskorb», sagt sie zu den Tamedia-Zeitungen. «Der Preis ist noch immer einer der wichtigste Kauftreiber», fährt sie fort.

Zahlen

Der Fleischkonsum ist seit Jahren rückläufig. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch in der Schweiz lag 2018 mit 52 Kilogramm. 82 Prozent des Fleischangebots stammte aus inländischer Produktion.  «Die Zeiten steigender Konsummengen sind vorbei, dafür steigen die Ansprüche an Qualität und an einen sorgsamen Umgang mit dem Tier und der Umwelt», hielt die Proviande im Frühling 2019 fest.

Mit 21,7 kg pro Kopf vergrösserte sich im Jahr 2018 der Konsum von Käse gegenüber dem Vorjahr um 1,5 %. Der Pro-Kopf-Konsum von Milchgetränken wuchs um 0,7 kg auf 8,2 kg, dafür verringerte sich der Verbrauch bei der Konsum- und Trinkmilch (ohne Milch für die Selbstversorgung auf Landwirtschaftsbetrieben) mit 51,2 kg pro Kopf um 1,1 %.

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