22.02.2018 18:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Verbände
Knall: VSGP tritt aus SBV aus
Der Verband der Gemüseproduzenten weigert sich, seinen Anteil entsprechend der Wertschöpfung an den Schweizer Bauernverband (SBV) zu bezahlen. Deshalb tritt er aus. Beim SBV ist das Unverständnis ist gross. Das sei unsolidarisch.

Mit Brief vom 5. Februar 2018 hat der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) dem Schweizer Bauernverband (SBV) die Mitgliedschaft rückwirkend per 1. Januar 2018 gekündigt. 

Höherer Beitrag verärgert

Die von 30’000 Franken auf 210'000 Franken gestiegene Beitragssumme stösst den Gemüseproduzenten sauer auf. Auch geht es um dem VSGP um die Vertretung in den Gremien (Vorstand und Landwirtschaftskammer). Der Vorstandssitz, der für sie bereits beschlossen ist (wenn sie die Summe bezahlen), reicht ihnen nicht. Der «Schweizer Bauer» weiss, dass die Gemüseproduzenten im Vorstand gleich zwei Sitze für sich beanspruchen, obwohl auch die Milchbranche als mit Abstand wichtigste Branche dort nur einen garantierten Sitz hat.  

Bedauern beim SBV

Der SBV bedauert den Austritt sehr, wie der stellvertretende Urs Schneider erklärt. Er holt aus: «Mit erdrückender Mehrheit hat die SBV-Delegierteversammlung  im November 2018 das neue Finanzierungsmodell genehmigt. Dieses sieht vor, dass die Summe der Produktebeiträge, welche zum SBV kommen, gleich hoch wie bisher bleibt: 2,27 Millionen Franken. Der Verteilungsschlüssel wird aber aktualisiert und an die seit den 1990er Jahre veränderten Anteile der einzelnen Produktionsrichtungen am Gesamtproduktionswert der Schweizer Landwirtschaft angepasst.» 

Diese hätten sich markant verschoben, zum Beispiel hätten die Milchproduzenten mehr als die Hälfte der Produktebeiträge bezahlt, obwohl ihr Anteil am Produktionswert nur noch rund 25% ausmache. Weil der Gemüsebau in den letzten zwanzig Jahren bei vergleichsweise stabilen Preisen stark ausgedehnt worden sei, erhöhe sich der Beitrag, den die Gemüseproduzenten nach dem neuen Schema bezahlen müssten, markant: Von 30'000 Franken auf 210'000 Franken. 

Beschluss der DV 

Deshalb habe man mit dem VSGP seit drei Jahren in Gesprächen gestanden. Zuletzt hätten am 3. Januar Gespräche auf höchster Stufe stattgefunden. Die Führung des SBV müsse die Beschlüsse der DV umsetzen, die ja gleichzeitig ausdrücklich eine gewisse Flexibilität in Form einer Übergangslösung offen gelassen habe.  

Man habe den SGPV in den Verhandlungen auch Unterstützung bei der Umsetzung und in der Kommunikation angeboten. Er hält auch fest, dass die Gemüseproduzenten einen Sitz im Vorstand bekämen und der SBV war bereit eine spezifische Fachkommission für die Spezialkulturen einzusetzen, wenn sie den vollen neuen Beitrag überweisen.  

Verweis auf Pachtzinsen

Schneider relativiert die Höhe des neuen Beitrags für die Gemüseproduzenten. Die 210'000 Franken würden umgerechnet 17 Franken pro Hektare Gemüsebau bedeuten. Er ist überzeugt, dass dieser Betrag angesichts der Bruttowertschöpfung, die im Gemüsebau möglich sei, verkraftbar sei. An der Landwirtschaftskammer, welche diese Woche über den Entscheid informiert wurde, trat von allen anderen Produktionszweigen ein grosses Unverständnis für den Entscheid und gegenüber der fehlenden Bereitschaft des VSGP, die finanzielle Mitverantwortung zu tragen, zu Tage. Verwiesen wurde auch darauf, dass die fehlende Bereitschaft, den neuen Beitrag zu bezahlen in einem Missverhältnis zu den hohen Pachtzinsen, welche Gemüseproduzenten teilweise bezahlen, steht. 

Das Angebot des SBV

Urs Schneider hat 2017 persönlich im Vorstandsausschuss alle Erklärungen abgegeben. Markus Ritter war am 6. Juli 2017 Gast im Präsidium des VSGP und hat eine Stunde Auskunft gegeben. Am 8. November 2017 traf sich die Spitze des SBV mit der Spitze des VSGP.  Am 3. Januar 2018 traf sich die Spitze des SBV mit der Spitze des VSGP. Jedesmal war VSGP-Präsident Hannes Germann mit dabei. Der SBV sagt, er habe jedes Mal das folgende Angebote gemacht:
- Vorstand 1 Sitz
- LAKA 4 Sitze
- DV rund 20 Delegierte
- Eine separate Fachkommission neu nur für die Spezialkulturen

Grenzschutz und Pestizide

Wichtig ist Schneider auch das Argument der Solidarität innerhalb der Schweizer Landwirtschaft, die bei einem Dachverband spielen müsse. Mit einem geschlossenen Auftreten könne in der Politik und in der Öffentlichkeit viel erreicht werden. Er verweist dabei insbesondere auf zwei grosse Herausforderungen, denen sich die Schweizer Landwirtschaft gegenüber sieht. 

«Der Abbau des  Grenzschutzes, den der Bundesrat in seiner Gesamtschau vorsieht, würde die Gemüseproduzenten besonders stark treffen. Denn dort fallen die hohen Lohnkosten in der Schweiz besonders ins Gewicht.» Und auch auf Pflanzenschutzmittel, gegen welche die Trinkwasser-Initiative und die Anti-Pestizid-Initiativen Druck machten, sei der Gemüsebau viel stärker angewiesen als andere Produktionsrichtungen. Umso unverständlicher sei der Entscheid des VSGP, sagt Schneider. Der Vorstand des SBV werde sich nächste Woche mit der Sache befassen. Der SBV beabsichtige eine Wiedererwägung zu beantragen und auf jeden Fall wolle der SBV weitere Gespräche führen und die Türe bleibe offen.

Wer hat entschieden? 

Den Entscheid zum Austritt aus dem Schweizer Bauernverband fällte der Leitende Ausschuss des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP). Diesem gehören an: Hannes Germann, Opfertshofen SH (Präsident, Ständerat); Stefan Britschgi, Diepoldsau SG (Vizepräsident); Roland Stoll, Yverdon-les-Bains VD (Vizepräsident); Beat Bösiger, Niederbipp BE; Peter Kistler-Hinder, Reichenburg SZ; Thomas Wyssa, Galmiz BE; Davide Cattori, Giubiasco TI; Jean-Luc Pecorini, Troinex GE; Dieter Scheibler, Oftringen AG. sal

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE