8.05.2014 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Solothurn
Komitee will die A1 «versenken»
Die A1 soll unter die Erde, zumindest für zwei Kilometer, im solothurnischen Gäu. Dafür macht sich nicht nur die hiesige classe politique stark, sondern auch Landwirtschaft und Naturschutz – Schulter an Schulter.

Das Gäu ist zerschnitten durch ein Band aus Asphalt, genannt A1. Nun soll dieses Band noch breiter werden. Vier Spuren sind es heute, sechs sollen es in ein paar Jahren sein. Und das verschlingt Boden, rund vier Hektaren allein im Solothurner Bezirk Gäu, zwischen Oberbuchsiten und Oensingen.

Tunnelvariante wird ausgearbeitet

Geht es allerdings nach den Plänen des Komitees für einen umweltschonenden A1-Ausbau im Gäu, ergibt die Erweiterung der Strecke keinen Landverlust, sondern einen Landgewinn. Das Komitee will die Autobahn nämlich über zwei Kilometer hinweg untertunneln. Es hat sich vergangene Woche konstituiert, schon bei der Gründung zählte es 128 Mitglieder.

Entsprechende Motionen, die die Prüfung einer Tunnelvariante forderten, hatten Solothurner Parlamentarier bereits in Bundesbern eingereicht, namentlich Landwirt und Nationalrat Urs Schläfli (CVP) und Ständerat Roberto Zanetti (SP). Nun sind sie die Zugpferde des Komitees, dem, bis auf einen, sämtliche Solothurner Bundesparlamentarier angehören. Ihre Eingaben führten dazu, dass die Tunnelvariante vom Bundesrat ernsthaft geprüft wurde und auf dessen Auftrag nun vom Astra, dem Bundesamt für Strassen, ausgearbeitet wird.

Wichtig für Landwirtschaft

Doch das reicht den Initianten nicht. Sie wollen diesen Tunnel. Etwa zur Erhaltung des nationalen Wildtierkorridors SO 09, der sich just hier befindet. Für seinen Erhalt entstünde eine 50 Meter breite Wildtierüberquerung. «Ein Eingriff, der das Landschaftsbild weiter beeinträchtigen würde», wie Roberto Zanetti sagte. Der Ständerat sprach von einer «massiven Aufwertung» der Region und bei einer Untertunnelung von einem grossen landschaftlichen Gewinn.

Doch der Tunnel brächte nicht nur «eine Erhöhung der Lebensqualität im Gäu», wie Nationalrat Urs Schläfli an der Medienorientierung von letzter Woche betonte. Vor allem geht es um den schonenden Umgang mit dem Boden. «Der Bund erlegt uns Bürgern auf, haushälterisch mit dem Boden umzugehen, verbraucht aber Kulturland für seine Infrastrukturprojekte, als wenn es ein vermehrbares Gut wäre», monierte der Nationalrat.

Starke Allianz zu erwarten

«Wir müssen alles unternehmen für den Tunnel. Im schlimmsten Fall droht nämlich der Wegzug der Nahrungsmittelproduktion aus der Region. Hier geht es also auch um die Existenzen zahlreicher Landwirte, es geht um die Nahrungsmittelsicherheit», erklärte Schläfli, der selbst aktiver Landwirt ist. Bei einem oberirdischen Ausbau der Autobahn sei ausserdem mit grossen ökologischen Ersatzmassnahmen zu rechnen, die Landwirtschaft würde also gar zweimal verlieren, ergänzte Schläfli.

Nicole Hirt, Präsidentin der Pro Natura Solothurn, legte ein weiteres Argument für den Tunnel dar: Lärmschutz. Wer das Gäu kennt, der weiss: Der Landstrich dröhnt, 90'000 Fahrzeuge passieren die Region täglich, bis 2030, schätzt man, sollen es 120'000 sein. Sie zeigte sich überrascht, auf welch positives Echo der Vorschlag einer Tunnelvariante stösst. Man darf davon ausgehen, dass sich innerhalb der Bevölkerung eine starke Allianz für den A1-Tunnel bilden wird.

Sechs Hektaren Kulturland zurück

Vier Hektaren, rechnen die Initianten der Tunnelvariante vor, verschlänge der oberirdische Ausbau der A1. Verliefe die Autobahn über die vorgeschlagenen zwei Kilometer unter Tage, gewänne man stattdessen sechs Hektaren an Kulturland zurück. Ein Revitalisierungskonzept dafür existiere bereits, sagte Peter Brügger, Sekretär des Solothurnischen Bauernverbandes (SOBV).

«Mit dem Komitee», sagte er, «wollen wir politischen Druck erzeugen. Wir glauben daran und sind zuversichtlich.» Denn der Leidensdruck der Bevölkerung aufgrund des massiven Verkehrsaufkommens sei enorm.

Schulter an Schulter

So kämpfen nun der Solothurner Bauernverband, die hiesigen Parlamentarier, die Naturschutzorganisation, die Pro Natura und eine wachsende Zahl von Bürgern Schulter an Schulter mit den anliegenden Gemeinden für eine Untertunnelung der A1. Für sie alle bleibt die Frage nach den Kosten. Offizielle Zahlen gibt es keine, weder zur einen, noch zur anderen Variante.

Andreas Vögtli, Präsident des SOBV, schätzt die Mehrkosten auf 80 bis 100 Millionen Franken. Aber auch er ist überzeugt: Die langfristigen Folgen des Landverlustes wögen schwerer als die einmaligen Mehrkosten. Und Urs Schläfli ergänzt: «Die Kosten dürfen nicht der Alleingrund gegen den Tunnel sein. Sie sind einmalig, der Nutzen hält über Jahrzehnte.» Sie sind sich einig: «Diesen Tunnel sind wir unseren Nachkommen schuldig.»

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