19.07.2016 16:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Kleinbauern
Konsument soll Betrieb finanzieren
Laut VKMB gibt es gerade für Kleinbetriebe genügend Interessenten. Für Hofnachfolger ausserhalb der Familie sind Betriebe aber teuer. Die VKMB prüft deshalb eine Finanzierung durch zinslose Kredite der Konsumenten.

Die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) machte es sich 2014 zur Aufgabe, Betriebe ausserhalb der bestehenden Betriebsleiterfamilie zu vermitteln. Gestern nun zog die Vereinigung Bilanz. «Grundsätzlich stellen wir keinen Mangel an Betriebsnachfolgern in der Landwirtschaft fest», erklärt Barbara Küttel, Geschäftsleiterin der VKMB.

«Es braucht Umdenken»

Es gebe sehr viele Personen, die einen Betrieb übernehmen wollten, nur seien dies oft keine Familienangehörigen. Diese zeigten aber gerade für Kleinbetriebe grosses Interesse. Das Problem aber dabei sei: «Hofübergaben ausserhalb der Familie werden durch diverse finanzielle, gesetzliche und soziale Hürden erschwert», resümiert Küttel.

Gerade aber in Anbetracht der Tatsache, dass in den nächsten 15 Jahren sehr viele Betriebsleiter pensioniert werden, böte eine ausserfamiliäre Betriebsnachfolge die Möglichkeit, diese Betriebe als eigene Existenzen zu erhalten. Aber: «Dazu braucht es ein Umdenken», fordert VKMB-Präsidentin Regina Fuhrer. So sei es selbstverständlich, dass der Sohn oder die Tochter die Betriebsnachfolge antrete.  Punkto ausserfamiliäre Übergabe müsste die Branche aber mehr sensibilisiert werden.

Knacknuss Finanzierung

Konkret ortet Geschäftsführerin Küttel unter anderem beim bäuerlichen Bodenrecht, welches eigentlich die bäuerlichen Strukturen schützen sollte, gewisse Defizite. So würden Ausnahmen bezüglich des Realteilungsverbots, welche Kantone erteilen können, teilweise grosszügig gewährt. Als grösste Knacknuss für die ausserfamiliäre Weitergabe erachtet die VKMB aber die Finanzierung.

«Während Betriebe innerhalb der Familie zum Ertragswert übergeben werden, gilt für sogenannte ‹Verkäufe an Dritte› der Verkehrswert, der je nach Region mindestens 2,5-mal höher liegt. Hinzu kommt, dass die Belehnungsgrenze bei Finanzinstituten in der Regel nur bei 135 Prozent des Ertragswertes liegt», so die Vereinigung, die deshalb einen Expertenbericht in Auftrag gegeben hat, der Lösungsansätze für eine tragbare Finanzierung aufzeigen sollte. Ein Vorschlag der Expertise sei eine zinslose Vermittlung von Direktkrediten seitens der Konsumenten. Die VKMB wird diese Idee in den kommenden Monaten prüfen.

Hälfte will biologisch produzieren

Die Kleinbauernvereinigung (VKMB) bringt ausgebildete Landwirte, die selber keinen Betrieb im Familienbesitz haben, mit bald pensionierten Betriebsleitern zusammen, die selbst keine Nachfolgelösung innerhalb der Familie haben. Derzeit seien bereits mehr als 60 Hofsuchende im Pool der Anlaufstelle. 43% der Suchenden seien für alle Zonen offen, 40% suchten bis Bergzone II und 17% nur im Berggebiet. Fast die Hälfte möchte ausschliesslich biologisch produzieren. Den Hofsuchenden stünden zehn Hofabgebende gegenüber, die ihren Betrieb als Ganzes ausserhalb der Familie verkaufen oder verpachten möchten. Die Anfragen von älteren Betriebsleitern, die noch nicht sofort abgeben, sich jedoch informieren möchten, liege deutlich höher.

Bisher ermöglichte die Vermittlung der Anlaufstelle einen Hofverkauf (ZH) und zwei Verpachtungen (JU). Eine weitere Verpachtung (BE) werde bald unterzeichnet und eine längerfristige Zusammenarbeit mit Aussicht auf Übernahme (GR) sei ebenfalls entstanden. rab

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