18.07.2014 12:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gewässer
Kormoran-Konflikt: Bund will Vollzugshilfe zum Umgang ausarbeiten
Kormorane sind freche Vögel: Sie scheuen nicht davor zurück, Fische aus den Netzen von Berufsfischern zu stehlen. Weil die Kormorane zudem immer zahlreicher werden, soll nun eine Verordnungsänderung die Konflikte zwischen den Vögeln und den Fischern entschärfen.

Die Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate soll mit einem Kormoran-Artikel ergänzt werden, wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am Freitag mitteilte. Dieser sieht vor, dass das BAFU in Zusammenarbeit mit den Kantonen eine Vollzugshilfe zur Schadensverhütung, Schadenerhebung und zur Regulation der Kolonien in den Vogelreservaten ausarbeitet.

Das BAFU werde dabei auf klare Rahmenbedingungen in der Schadensprävention und der Einhaltung der Schutzgebietsziele setzen, heisst es im Communiqué. Eingriffe in die Kormorankolonien sollen erst dann erfolgen dürfen, wenn die möglichen und zumutbaren Massnahmen zur Verhütung von Schäden ausgeschöpft sind.

Kormorane gezielt verscheuchen

Das BAFU will zudem die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen fördern - denn diese sind für die Umsetzung zuständig. Mit einem koordinierten Vorgehen könnten die Kantone gemeinsam die Raumnutzung der Kormorane in eine gewünschte Richtung lenken, wie es im erläuternden Bericht des BAFU heisst: Auf Flussabschnitten mit besonders gefährdeten Fischen sollen die Kormorane «intensiv vergrämt» werden, während sie auf den grossen Seen mehrheitlich in Ruhe gelassen werden sollen.

5000 bis 6000 Kormorane verbringen den Winter jeweils in der Schweiz. Zusammen mit den wachsenden Brutkolonien lösten diese Vögel zunehmend Konflikte mit den Berufsfischern aus, heisst es im Bericht weiter. In gewissen Bächen und Flüssen könne der Kormoran auch den Bestand von gefährdeten Salmoniden - zum Beispiel Lachse und Forellen - dezimieren.

Höhe der Schäden umstritten

Wie gross die Schäden sind, welche die Kormorane den Fischern verursachen, ist umstritten. Eine Studie im Auftrag des BAFU kam Anfang Jahr zum Schluss, dass sich der Gesamtschaden, den Kormorane am Neuenburgersee am Wert des Gesamtfanges verursachten, auf 1,2 bis 3,9 Prozent beläuft.

Der Berufsfischerverband bestreitet diese Zahlen allerdings. Er verweist darauf, dass die Fischereibetriebe zum Schutz vor Kormoranen auch Mehrarbeit leisten müssten. Der Gesamtschaden erreiche deshalb auch am Neuenburgersee einen zweistelligen Prozentbereich, hiess es in einem Communiqué von Ende März.

Schutzgebiete vergrössert

Mit der Schaffung des Kormoran-Artikels kommt der Bund einer Forderung des Parlaments nach, das 2010 eine entsprechende Motion überwiesen hatte. Im Rahmen der Teilrevision der Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate sollen zudem die Schutzgebiete Kaltbrunner Riet und Alter Rhein im Kanton St. Gallen sowie Bolle di Magadino TI vergrössert werden.

Zudem sollen die Voraussetzungen und die Bewilligungspflicht für Regulierungseingriffe bei Konflikten mit jagdbaren Tierarten präzisiert werden. Dies betreffe insbesondere Wildschweine, die zunehmend Schäden in den landwirtschaftlichen Kulturen im Umfeld der Wasser- und Zugvogelreservate verursachten, schreibt das BAFU.

Bis zum 17. Oktober können sich Interessierte im Rahmen der Anhörung zur revidierten Verordnung äussern.

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