1.05.2017 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Waadt
Landwirt Nicolet tritt nochmals an
Drei FDP- und zwei SP-Regierungsmitglieder haben am Sonntag die Wiederwahl in den Waadtländer Staatsrat im ersten Anlauf geschafft. Béatrice Métraux (Grüne, bisher) und Cesla Amarelle (SP, neu) verfehlten das absolute Mehr, platzierten sich aber vor Jacques Nicolet (SVP). Ob die Regierung künftig in links-grüner Hand bleibt, wird sich nach der zweiten Runde am 21. Mai zeigen.

Das beste Resultat machte - nach einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Staatsratspräsident Pierre-Yves Maillard (SP) - Finanzdirektor Pascal Broulis (FDP). Er erzielte 100'051 Stimmen (60,42 Prozent), bei einem absoluten Mehr von 82'804 Stimmen. Dicht hinter ihm folgt mit 59,90 Prozent Sozial- und Gesundheitsdirektor Maillard. Das starke Regierungsduo Broulis und Maillard hatten bereits bei den letzten Wahlen im Jahr 2012 am besten abgeschnitten, damals allerdings in umgekehrter Reihenfolge.

Innenministerin muss in 2. Wahlgang

Die Vorsteherin des Raumplanungs- und Umweltdepartementes Jacqueline de Quattro (FDP) schaffte es mit 56,39 Prozent auf Platz drei. Hinter ihr erreichte Wirtschaftsminister Philippe Leuba (FDP) mit 55,67 Prozent den vierten Platz. Die bisherige Infrastrukturministerin Nuria Gorrite (SP), die ebenfalls noch über dem absoluten Mehr lag, wurde mit 55,43 Prozent als Fünfte im Amt bestätigt. Die bisherige Innenministerin Béatrice Métraux von den Grünen verpasste als einzige der Bisherigen das absolute Mehr. Sie kam auf 48,08 Prozent und muss in den zweiten Wahlgang.

Dasselbe gilt für die neu kandidierende SP-Frau Cesla Amarelle. Sie kommt mit 43,56 Prozent vorläufig auf den siebten und letzten Platz in der siebenköpfigen Regierung zu liegen und liess damit den neu kandidierenden Jacques Nicolet von der SVP hinter sich. Dieser erreichte 40,34 Prozent.

Nicolet will noch einmal antreten

SP-Nationalrätin Amarelle will den Sitz ihrer Parteikollegin und nicht mehr angetretenen Bildungsdirektorin Anne-Catherine Lyon erben. Sie bezeichnete ihr Resultat als «recht gut», räumte aber ein ein, dass ihr SVP-Mitstreiter um das vakante Amt von Lyon nicht so weit hinter ihr liege wie prognostiziert. Nicolet habe aber von einem speziellen Listeneffekt profitiert, betonte Amarelle.

Nicolet, der auf der Liste der FDP kandidierte, zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden mit seinem Resultat. Er kündigte an, dass er im zweiten Wahlgang noch einmal antreten werde und bereit sei, über alle Themen zu diskutieren, sei es über soziale oder finanzpolitische. Die Umfragen hätten ihm nur 34 Prozent Wähleranteil vorausgesagt, nun habe er 40 Prozent erreicht, sagte Nicolet mit «grosser Genugtuung» und bedankte sich beim Waadtländer Volk.

Die Wahlbeteiligung betrug 40,13 Prozent und war damit tiefer als 2012 (41,79 Prozent). Im zweiten Wahlgang am 21. Mai wird sich zeigen, ob die Regierung links-grün dominiert bleibt oder die Mehrheit an die Bürgerlichen zurückgeht. Seit der Ersatzwahl für den 2011 im Amt verstorbenen SVP-Regierungsrat Jean-Claude Mermoud ist die Mehrheit im Waadtländer Regierungsrat in links-grüner Hand - und sieht sich einem bürgerlich dominierten Parlament gegenüber.

Kantonsparlament bleibt bürgerlich

Der 150-köpfige Waadtländer Grosse Rat bleibt auch nach diesen Wahlen in bürgerlicher Hand. Die SVP und FDP gewannen am Sonntag zusammen gleich viele Sitze wie bei den kantonalen Wahlen vor fünf Jahren. Sie stellen weiterhin 74 der 150 Abgeordneten.

Die FDP konnte sogar zulegen und kommt neu auf insgesamt 49 Sitze. 2012 hatte die Partei 47 Mandate vereint. Sie bildet damit nach wie vor die stärkste Kraft im Parlament. Die SVP holte dafür zwei Sitze weniger als 2012 und kommt damit neu auf 25 Sitze. Der Ausgang der Wahlen wurde im Vorfeld unter anderem als weiterer Test für die SVP gesehen, die in der Westschweiz zuletzt herbe Verluste einfuhr. Auch wenn der grosse Aderlass ausgeblieben ist, hat sich zumindest der Negativtrend bestätigt.

Als noch grössere Verliererin geht allerdings die SP aus dem Rennen. Die Partei holte nur noch 37 Sitze und damit vier weniger als noch vor fünf Jahren. Dafür konnten die Grünen zwei Sitze zulegen und halten neu 21 Mandate. Die Linksaussenparteien schliesslich erzielten fünf Sitze. Damit verloren die Linksparteien unter dem Strich einen Sitz und stellen künftig noch insgesamt 63 Sitze im Parlament.

Die übrigen Sitze konnte die sogenannte Mitte-Allianz auf sich vereinigen, die neu über ein Mandat mehr und damit insgesamt 13 Sitze verfügt. Zu dieser Allianz gehören auch die Grünliberalen.

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