14.07.2020 11:07
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
St. Gallen
Landwirtschaft: Kanton soll nachbessern
Die Kommission des St. Galler Kantonsrat ist mit einem Bericht der Regierung über die Perspektiven der Landwirtschaft nicht zufrieden. Sie verlangt weitere Abklärungen. Die Kommission sieht vor allem Bedarf, wie sich die Landwirtschaft im Kanton konkret weiterentwickeln soll.

Auslöser des Berichts sei das «politischen Bedürfnis nach einem strategischen Planungsinstrument für die Landwirtschaft», gewesen, teilte die Staatskanzlei am Montag mit. Im Februar 2018 wurde die Regierung in einem Postulat beauftragt, eine Standortbestimmung zu erarbeiten und die Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung aufzuzeigen.

Auf Ergebnis eintreten

Die Regierung erachtete eine entsprechende Analyse mit Blick auf die Agrarpolitik des Bundes ab dem Jahr 2022 (AP 22+) als angezeigt, um Handlungsbedarf und Massnahmen zu erörtern.

Auf das Ergebnis will die vorberatende Kommission zwar eintreten. Es handle sich um eine umfassende Auslegeordnung und eine Analyse der aktuellen Situation der Landwirtschaft, heisst es in der Mitteilung. Ihr fehlten jedoch Entwicklungsmöglichkeiten und Massnahmen für die Nutzung vorhandener Potentiale.

Innovationen fehlen

Vermisst werden aber Aussagen über Innovationen in der St. Galler Landwirtschaft. Die Kommission verlangt deshalb einen weiteren Bericht. Darin soll aufgezeigt werden, wie mit der Unterstützung von Hochschulen eine Innovationsplattform aufgebaut könnte und wie alternative und innovative Einkommensmöglichkeiten auf Landwirtschaftsbetrieben gefördert werden sollen. Weiter müssten neue Trends wie Urban Farming oder Permakultur berücksichtigt werden. Die Kommission fordert hier eine Zusammenarbeit mit Hochschulen.

Der Kommission fehlt auch «eine konsequente Umsetzung des Grundsatzes «Flächenqualität vor -quantität», der in der Biodiversitätsstrategie festgehalten sei. Auch die Neophytenstrategie solle überarbeitet werden und es müssten Projekte geförderte werden, um die Wertschöpfung von auf Alp- und Bergbetrieben produzierter Milch zu erhöhen. Hier gibt es aus Sicht der Kommission noch Bedarf. Denn mit der Abfuhr von Milch aus den Alpen geht Wetschöpfung verloren.

Digitalisierung vorantreiben

Bezüglich des Klimawandels sollen neue Sorten oder die Zusammensetzung von Wiesen getestet werden, wie sie vielleicht in 30 Jahren aussehen werden. «Dabei gilt es auch die Vielfalt der St.Galler Landwirtschaft zu berücksichtigen: Was für das Rheintal gilt, funktioniert noch lange nicht im Obertoggenburg», sagt Barbara Dürr, Kantonsrätin, Kommissionspräsidentin und Bäuerin aus Gams, zum «St. Galler Tagblatt».

Zudem soll die Regierung die Zukunft der kantonseigenen Landwirtschaftsbetriebe klären. Das Landwirtschaftliche Zentrum soll ausserdem verstärkt auf die Herausforderungen der neuen Agrarpolitik, der Digitalisierung, des Klimawandels, der Umwelt sowie auf die ressourcenschonende Lebensmittelproduktion ausgerichtet werden. Die Bewirtschaftung eines Ackers könne digital oder mit neuen ressourcenschonenden Methoden bewirtschaftet werden. «Dies kann nicht jeder Landwirt selber auf dem eigenen Betrieb, wenn es noch keinen Ertrag abwirft», erklärt die Bäuerin. 

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