19.05.2014 06:57
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Waadt
Lavaux: Kein absoluter Schutz
Das Weinbaugebiet Lavaux am Genfersee soll nicht unter absoluten Schutz gestellt werden - gewisse Bauprojekte sollen möglich bleiben. Das Waadtländer Stimmvolk lehnte die 3. Initiative zur Rettung des Lavaux von Umweltschützer Franz Weber wuchtig ab und hiess mit 68,47 Prozent Ja-Stimmen den Gegenvorschlag der Regierung gut.

Bei einer Stimmbeteiligung von 56,81 Prozent erteilten die Waadtländerinnen und Waadtländer der Initiative «Sauver Lavaux» des Umweltschützers Franz Weber mit 153'086 Nein- zu 64'268 Ja-Stimmen eine überraschend deutliche Abfuhr. Der Nein-Stimmenanteil betrug 68,09 Prozent. Der weniger weit gehende Gegenvorschlag der Regierung wurde mit 153'938 Ja- zu 56'181 Nein-Stimmen angenommen.

Sanfte Weiterentwicklung möglich

Das Resultat bedeutet, dass das seit 2007 im Unesco-Weltkulturerbe eingetragene Weinbaugebiet Lavaux keinem rigorosen Schutz unterstellt wird, wie dies die Initiative gefordert hatte. Diese hätte künftig keine Bautätigkeit mehr zugelassen, mit Ausnahme kleinerer Konstruktionen wie zum Beispiel einem Weinkeller.

Der siegreiche Gegenvorschlag der Regierung will die Weinbauterrassen, Dörfer und Landwirtschaftszonen ebenfalls vor dem Immobiliendruck schützen. Im Gegensatz zur Initiative soll aber in den gemischten Zonen, den Zonen von öffentlichem Interesse sowie den Agglomerationszonen eine sanfte Weiterentwicklung möglich bleiben.

Bauzonen werden halbiert

Die geschützte Fläche des Lavaux umfasst 898 Hektaren und wird von 14'000 Menschen besiedelt. Gemäss bisheriger Gesetzgebung hätte die Bevölkerungszahl noch um 3500 Personen wachsen können. Der Gegenvorschlag beschränkt diese Zunahme nun auf 1800 Personen, während die Initiative ein Nullwachstum verlangt hatte.

Die Bauzonen der Gemeinden werden jetzt von 40 auf 20 bis 25 Hektaren halbiert und nicht komplett eingeschränkt.
Den Winzern wurde der Gegenvorschlag unter anderem mit Beiträgen an die Erneuerung von Trockensteinmauern schmackhaft gemacht. Von den insgesamt rund 200 Weinproduzenten, die AOC-geschützte Lavaux-Weine wie den Dézaley, Epesses, Lutry oder St-Saphorin produzieren, haben sich nur zwei öffentlich für die Initiative ausgesprochen.

Der Gegenvorschlag war unter der Regie der Grünen Staatsrätin Béatrice Métraux ausgearbeitet worden. Er fand im Kantonsparlament mit 120 Ja gegen 9 Nein bei 3 Enthaltungen breite politische Zustimmung. Franz Weber wurde praktisch nur von WWF und Pro Natura unterstützt und stand im Abstimmungskampf ziemlich alleine da.

Weber spricht von Drei-Viertel-Erfolg

«Ich bin nicht enttäuscht», sagte Franz Weber am Sonntag trotz der deutlichen Niederlage der Nachrichtenagentur sda. «Ohne Initiative hätte es keinen Gegenvorschlag gegeben, wir haben das Wesentliche erreicht und zu drei Vierteln gewonnen.» «Das Wichtige ist, dass das Lavaux geschützt bleibt. Das hat mich immer beschäftigt. Das Lavaux ist der schönste Rebberg Europas und einer der grössten Kämpfe meines Lebens», fuhr der bald 87-Jährige fort. Zur Unterstützung hat er seine Frau Judith an der Seite.

Im Abstimmungskampf hatte sich Weber stark im Hintergrund gehalten, was seine Mitstreiter sehr bedauern. Sie glauben, dass ein junger, energischer Franz Weber einen anderen Effekt auf das Abstimmungsresultat gehabt hätte.

Regierung und Winzer erfreut und erleichtert

Webers Mitstreiter zeigten sich am Sonntag denn auch «enttäuscht» vom Resultat. Dieses gehe leider nicht in Richtung eines verstärkten Schutzes und lasse zu viel Platz zur Verbetonisierung der Landschaft. Eine vierte Initiative sei zurzeit nicht geplant, aber man bleibe wachsam, teilte die Weber-Stiftung «Helvetia Nostra» mit.

Erleichtert und erfreut über das klare Resultat zeigten sich auf der anderen Seite die Waadtländer Regierung und die Winzer. Der Schutz des Lavaux sei garantiert, ohne dass die Region ihre Dynamik verliere.

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