10.04.2016 07:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Freiburg
Mehr als für Butter und Pulver
Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses verteuerte Schweizer Käse im EU-Raum auf einen Schlag um 20 Prozent. Walo von Mühlenen exportiert aber immer noch im Hochpreis-Segment in ganz Europa.

«Die Lage auf den internationalen Märkten ist so chaotisch, dass ich noch einen Tag länger in Paris bleiben muss», schreibt Walo von Mühlenen vom Salon du Fromage aus, wo er nicht nur seine Kunden aus Frankreich, sondern auch noch aus Deutschland, Italien, England oder Schweden trifft.

Von Mühlenen ist in bereits fünfter Generation im Käsehandel tätig, aber fast ausschliesslich im Export.

Russland-Sanktionen

Hauptgründe für die chaotischen Märkte sieht Walo von Mühlenen drei: die Russland-Sanktionen, wodurch der EU ein wichtiger Markt verloren geht, die Aufhebung der Milchquoten in Europa mit damit verbundener Milch-Überproduktion und die generell schlechte wirtschaftliche Stimmung.

«Das alles drückt auf den Preis», so von Mühlenen, der sich mit seinem Schweizer Käse gegen europäische Käse behaupten muss, die schon für 1.50 Euro pro Kilo zu haben sind.

Dennoch zeigt sich von Mühlenen auch zuversichtlich. «In Frankreich ist eine Bewegung weg von grossen Supermärkten wieder hin zu kleineren Fachgeschäften spürbar.» In diesen Geschäften kämen auch kleine, gewerbliche Käsereien wieder etwas mehr zum Zug. So habe selbst die Aufhebung des Euro-Mindestkurses nicht so viel geschadet wie befürchtet.

Schlechte Bedingungen

Obschon Schweizer Käse mit einem Schlag um 20 Prozent teurer wurde, habe das Anbietern, die auf Qualität setzen, nicht geschadet. Trotzdem meint er: «Noch schlechtere Bedingungen wie jetzt kann ich mir nicht vorstellen.» 

Auch von Mühlenen konzentriert sich auf Spezialitäten im höheren Preissegment. «Ich verkaufe lang ausgereifte Käse aus Rohmilch», darunter Gruyère, der mindestens 14 Monate gereift ist, überwiegend aber Nicht-Sorten-Käse. Zu diesen zählt etwa der Rotwein-Bergler mit seiner schwarzen Kruste, weil der Hartkäse mit Rotwein geschmiert wurde. Auch Jura-Bergkäse oder Rohmilch-Raclette-Käse aus der Ostschweiz gehören in sein Sortiment.

Butter ist überall gleich

Von Mühlenen fliegt aber nicht nur um die Welt, um Swiss Cheese nach Amerika oder Raclette nach Japan zu verkaufen. Auch innerhalb der Schweiz ist der Wahl-Freiburger häufig unterwegs. Denn sein Käse reift in verschiedenen Käsekellern zwischen Genfer- und Bodensee.

Doch er übt auch Kritik an der Milchmengen-Steuerung in der Schweiz. Namentlich die Subventionen, die in die Verwertung von Milchpulver und Butter zu Weltmarktpreisen fliessen, würde man besser in Käse umlagern, was langfristig mehr nütze. Denn industriell hergestellte Butter ist überall gleich, und die Technik, Milchpulver herzustellen, lässt sich überall kaufen.

«Mit Schweizer Käse aber lässt sich Mehrwert schaffen», ist von Mühlenen überzeugt. Speziell aus gut gelagertem Rohmilch-Käse, es gebe aber auch für guten Silomilch-Käse eine Nachfrage. Denn «nicht alle Konsumenten wollen Käse, der selbst nach 5-jähriger Lagerung nicht schmeckt, und es gibt weltweit genügend Konsumenten, die bereit sind, mehr als  1.50 Euro zu bezahlen.»

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