8.12.2012 06:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Mehr Bio- als ÖLN-Butter an Lager
Mehr Bio- als ÖLN-Butter an LagerNachdem Anfang Jahr zu viel Butter an Lager war, wurde mit dem Fonds Marktentlastung sehr viel exportiert. Importiert muss aber trotz kleinem Lager nicht werden. Dafür hat es jetzt eher zu viel Bio-Butter an Lager.

Bis vor kurzem kämpfte die Milchbranche mit grossen Butterüberschüssen. Mit über 30 Millonen Franken entsorgte die Branchenorganisation Milch (BOM) über ihren Fonds Marktentlastung rund 10000 Tonnen Butter ausserhalb der EU. Die BOM zog dafür den Milchbauern 1 Rappen pro kg vom Milchgeld ab. Und jetzt plötzlich sind die Milcheinlieferungen im Vergleich zum Vorjahr niedrig und die Butterlager fast leer.

Viel Bio-Butter an Lager

2011 war viel zu viel konventionelle Butter an Lager, während die Bio-Butter Mangelware war und sogar importiert werden musste. Die Vorzeichen haben aber gegenüber letztem Jahr  gedreht. Ende letzter Woche lagerten  noch 1009 Tonnen  Butter in den Kühllagern, wovon  584 Tonnen Bio-Butter und 425 Tonnen konventionelle.    Nach jahrelangen Überschüssen bei der konventionellen Butter schien diese auf einmal knapp zu werden.

Und so rätselte man, ob man  den Butterberg zu rasant abgebaut habe und ob  jetzt gar Butterimporte drohen. Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation (BO) Butter, beteuert, dass trotz tiefen Lagerbeständen im Moment keine Importe notwendig seien.

Von grossem Interesse ist, wie sich die Milchproduktion nächstes Jahr entwickelt.  Produzieren die Milchbauern nächsten Frühling wieder grosse Überschüsse, die dem Butterberg zu Wachstum verhelfen? Oder bleibt die Butter knapp, auch wenn der Fonds Marktentlastung ausläuft?

Importiert wird doch

Die Prognosen gehen weit auseinander. Interessant in diesem Zusammenhang ist das Resultat der jeweils im November stattfindenden Versteigerung von Importkontingenten für Butter und Milchpulver im nächsten Jahr. Alljährlich versteigert der Bund Kontingente in der Höhe von  100 Tonnen Butter   und 100 Tonnen Milchpulver. Gemäss Jürg Jordi, Sprecher des Bundesamtes für Landwirtschaft, handelt es sich dabei um ein Zollkontingent, welches die Schweiz aufgrund von Vereinbarungen mit der Welthandelsorganisation WTO versteigern muss.

Kontingente sind teurer

Für das Jahr 2011 wurden Kontingente in der Höhe von 129 Tonnen Butter und gut 208 Tonnen Milchpulver nachgefragt, für 2012 waren es gut 182 Tonnen Butter und 256 Tonnen Milchpulver, und für 2013 waren es fast 172 Tonnen Butter und gut 176 Tonnen Milchpulver. Obschon die Nachfrage also leicht rückläufig ist, sind die potenziellen Importeure aber bereit, immer mehr für die Kontingente zu bezahlen. Während sie 2011 durchschnittlich 19 Rappen je Kilo Butter und 79 Rappen je Kilo Milchpulver dem Staat abdrücken mussten, waren sie 2012 bereits bereit, durchschnittlich 49 Rappen je Kilo Butter und 1,02 Franken je Kilo Milchpulver zu bezahlen. Und nächstes Jahr scheint man an Importware noch mehr zu verdienen. Der durchschnittliche Zuschlagspreis liegt jetzt gar  bei 1,08 Franken je Kilo Importbutter und 1,27 Franken je Kilo importiertes Milchpulver.

Die sinkende Nachfrage nach Importkontingenten lässt darauf schliessen, dass die Importeure  mit einem genügend hohen Angebot an Schweizer Milch rechnen. Dass sie aber bereit sind, immer mehr für Importkontingente bezahlen wollen, zeugt wiederum von der Erwartung einer beachtlichen Preisdifferenz zum Ausland.

Es sind fast jedes Jahr die gleichen Käufer, welche die Importkontingente ersteigern. Beim Milchpulver sicherte sich die Hochdorf Nutritec AG gar 92% der Kontingente. Weitere Milchpulverkontingente ersteigert haben die Nestlé aus Vevey VD, die Morga AG, Ebnat-Kappel, und die Sesael Sagl, Mendrisio TI.

Bei der Butter sind es die Firmenich S.A. aus Meyrin GE oder die Guggenloch Feinbäckerei aus Au SG. Das grösste Kontingent sicherte sich aber die BO Butter, welche für nächstes Jahr 79 der 100 Tonnen Butter ersteigerte.

Werden sie gebraucht?

Ob die BO Butter das Kontingent im nächsten Jahr überhaupt braucht, das könne er jetzt noch nicht sagen, erklärt BO-Butter-Geschäftsführer Ryser:  «Wir ersteigern das Kontingent, damit wir im Notfall, wie zum Beispiel letztes Jahr, als es keine Bio-Butter mehr hatte, importieren können.»

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