27.05.2018 19:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/jgr
Wallis
Melkroboter: SP-Bodenmann schiesst scharf
Alt-SP-Präsident Peter Bodenmann greift CVP-Nationalrat Thomas Egger als Präsidenten der Sortenvereinigung Walliser Raclette frontal an. Jetzt müssten Coop und Migros der notleidenden Familie Raphaela und Herbert Bregy aus Turtmann VS zu Hilfe eilen

Egger weist darauf hin, dass gar kein absolutes Melkroboterverbot beschlossen worden ist, sondern Vorgaben. 

Thomas Egger aus Visp VS, seit längerer Zeit Direktor der Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) ist seit kurzem zum Nationalrat aufgestiegen und zum Strategen der Oberwalliser CVP geworden.

Diesen gestiegenen Einfluss bekommt er jetzt in einer persönlich gehaltenen Kolumne von Peter Bodenmann in der «Weltwoche» zu spüren. Der Alt-SP-Parteipräsident aus Brig VS bezeichnet ihn dort schon im Titel als «Anti-Roboter-Egger». 

Gegen technischen Fortschritt

Bodenmann sagt, Egger sei ein notorischer Feind des technischen Fortschritts.  Als SAB-Direktor hätte er längt das flächendeckende 5G-Netz durchsetzen müssen. «Es fehlt dem Egger in Sachen technischem Fortschritt der digitale Druck auf der Leitung», schreibt Bodenmann.

Egger sei auch Präsident der Walliser Rohmilch-Raclette-Produzenten. «Diese verbieten den Einsatz von Melkrobotern, weil die nachweislich besser kontrollierte und hygienischere Milch der Familie Bregy nicht ins Weltbild der Ewiggestrigen passt.»

Bodenmann bezieht sich auf die Familie Raphaela und Herbert Bregy aus Turtmann VS. Diese hätte für 250000 Franken einen «Super-Melkroboter» angeschafft, damit die Produktion ihrer 1000 Liter Biomilch am Tag noch hygienischer werde und sie mehr Zeit für ihre sechs Kinder hätten.

Nun müssten Coop und Migros der Familie Bregy demonstrativ zu Hilfe eilen, schreibt Bodenmann. Sie müssten die Biomilch der Familie zu dem Preis abnehmen, den diese bisher von der Käserei in Turtmann erhalten hat. 

Eine Fehlmeldungen

Der angeschossene Egger schrieb auf Twitter, es seien in einzelnen Medien Fehlinformationen verbreitet worden über das angebliche Verbot von Melkrobotern für die Raclette-Herstellung.

Melkroboter – für das Tierwohl

Herbert Bregy aus Turtmann hat sich den Melkroboter im letzten Oktober angeschafft. Kostenpunkt: eine Viertelmillion Franken. Der Bio-Landwirt hat im Durchschnitt 40 Kühe eingestallt. «Ich setze den Melkroboter für das Wohl der Tiere ein.» Er habe in den letzten Monaten beobachten können, wie zufrieden die Tiere seien. «Gerade Erstmelken gehen meist dreimal pro Tag zum Roboter.» Und genau das ist der Knackpunkt: Die Sortenorganisation Walliser Raclette hat in ihrem Pflichtenheft festgehalten, dass der Einsatz von Melkrobotern für ein kontinuierliches Melken verboten ist. Dies, weil bei Studien festgestellt worden ist, dass bei Milch, die von Melkrobotern gemolken wird, der Anteil freier Fettsäuren erhöht und die Keimzahlen höher sind. Bregy hat vernommen, dass die Studien bereits vor etlichen Jahren gemacht wurden. Er kann nicht verstehen, wieso es eine Rolle spielt ob zwei-oder dreimal pro Tag gemolken wird, wenn die Qualität der Milch stimmt. Der Bio-Landwirt räumt ein, dass eine Umprogrammierung des Roboters möglich wäre - doch er verzichtet darauf. «Bei mir steht das Tierwohl an erster Stelle.» jgr

CVP-Nationalrat Thomas Egger verweist auf Twitter auf die Medienmitteilung der Sortenorganisation Walliser Raclette. 

Beschlossen worden sei:

Grundsatz: Der Einsatz von Melkrobotern für ein kontinuierliches Melken ist verboten (Technikstand 2017).

Vorgaben für den Einsatz von Melkrobotern bei nicht kontinuierlichem Melken:

  • Milch, welche über den Melkroboter gemolken wird und für die Herstellung von Walliser Raclette AOP vorgesehen ist, kann nur zu Walliser Raclette AOP verarbeitet werden, wenn die Melkanlage zeitlich limitiert, bzw. das kontinuierliche Melken unterbrochen wird. Die Unterbrechung der Melkanlage muss gewährleisten, dass maximal zwei Gemelke innert der Frist von 24 Stunden in der Käserei abgeliefert und verarbeitet werden.
  • Die Milch muss innert zwei Stunden nach dem Melken unter 8° C gekühlt werden.
  • Der Melkroboter muss ein plombiertes und von einer zertifizierten Stelle genehmigtes Temperaturaufzeichnungsgerät und ein Aufzeichnungsgerät für den Nachweis, dass jede Kuh nur zweimal innert 24 Stunden gemolken wird verfügen. Die Aufzeichnungen sind zu dokumentieren und müssen mindestens 4 Jahre archiviert werden. Die Aufzeichnungen müssen der Zertifizierungsstelle vorgelegt und kontrolliert werden.
  • Es muss gewährleistet werden, dass Kühe am Ende der Laktationsphase und mit wenig Milch zweimal pro Tag gemolken werden.
  • Der korrekte Einsatz eines Melkroboters muss von der Zertifizierungsstelle alle zwei Jahre kontrolliert werden.
  • Alle neuen Melktechnologien müssen der Sortenorganisation zur Genehmigung unterbreitet werden.

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