13.03.2015 17:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Detailhandel
Migros verspricht Bauernsohn Importe
Die Migros verspricht in einer Marketingkampagne einem Bauernsohn, dass ab 2020 importierte Lebensmittel nach Schweizer Tierwohlstandards produziert werden. Was das dem Bauernsohn bringen soll, bleibt unklar.

Die Migros will, dass importierte Tierprodukte gemäss  Schweizer Tierwohlstandards produziert werden. Bis 2020 müssen alle Lieferanten im Ausland die hohen Schweizer Tierwohl-Anforderungen in der Produktion umgesetzt haben. Ausgenommen sind Fremdmarken, die in der Schweiz auch von anderen Anbietern angeboten werden.

Diese Aufwertung von importierten tierischen Produkten wird wie ähnliche Bestrebungen der Migros im Rahmen der Kampagne «Generation M» einem jungen Menschen versprochen. «Wir versprechen Jay, bis 2020 die hohen Schweizer-Tierwohl-Standards auch bei all unseren Produkten aus dem Ausland einzuführen», heisst der Slogan.

Versprechen an Bauernsohn

Jay ist ein Bauernsohn, wie Migros-Sprecherin Christine Gaillet bestätigt: «Wir haben dieses stilistische Mittel gewählt, um den Kunden auf eine verständliche Weise unser Engagement fürs Tierwohl zu kommunizieren.»  Die Migros verspricht in diesem Sujet also dem Bauernsohn Jay, dass bis 2020 für Importprodukte die gleichen Tierwohlstandards gelten sollen wie sie die Schweizer Bauern einhalten sollen. Inwiefern soll dieses Versprechen für den zukünftigen Bauern Jay gut sein? Die Migros sei die grösste Abnehmerin der Schweizer Landwirtschaft und setze auf ein partnerschaftliches Verhältnis zu den inländischen Bauern, so Gaillet.

Gleichzeitig setze sich die Migros fürs Tierwohl im In- und Ausland ein und verspreche daher, auch bei den ausländischen Produzenten nicht wegzuschauen. «Das heisst aber nicht, dass wir künftig vermehrt im Ausland produzieren wollen. Ganz im Gegenteil: Beim Pouletfleisch kann die Inlandproduktion nur etwa die Hälfte des Bedarfs abdecken. Hier möchten wir den Inlandanteil sogar erhöhen», betont sie. 

Kein Nachteil für Jay?

Zur Frage, ob es nicht eher für den zukünftigen Bauern Jay ein Nachteil ist, wenn die Konkurrenz im Ausland auf gleichem Niveau punkto Tierwohl produziert wie er selber, meint Gaillet: «Das Tierwohl liegt uns am Herzen. Es ist für die Migros ein wichtiges Anliegen, das nicht an der Landesgrenze aufhört.»

Auch bei Coop

Nicht nur die Migros will  tierische Produkte im Ausland nach Schweizer Tierschutzvorschriften produzieren lassen. Coop fördert in einem Projekt «Baltic Grassland Beef» die Fleischrinderzucht in den baltischen Staaten. Die Betriebe dort müssen punkto Tierhaltung und Ökologie die gleichen strengen Kriterien einhalten wie die Schweizer Betriebe, deren Fleisch bei Coop unter dem Label Natura-Beef verkauft wird.

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