19.06.2014 06:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Salzmann
Emmentaler
Migros will Preiserhöhung nicht umsetzen - Sortenorganisation hält dagegen
Im Juli und August für die Emmentaler-Produktion auf nur noch 50 Prozent gedrosselt. Franziska Borer, Direktorin von Emmentaler Switzerland, äussert sich zur tiefen Produktionsfreigabe von 50%.

«Schweizer Bauer»: Die Produktionsfreigabe beträgt für Juli und August  nur 50%. Wieso?
Franziska Borer: Die tiefe Produktionsfreigabe soll in erster Linie die Umsetzung der Richtpreiserhöhungen der letzten Monate (die letzte ab Produktion Januar auf 7.50 Fr./kg Käse ab Rampe Käserei, ohne Produktebeitrag und Mehrwertsteuer) ermöglichen. Wenn zu viel Käse auf dem Markt ist, sinkt der Preis. Ist der Käse knapp, wird der Richtpreis eingehalten.

Anscheinend will die Migros-Tochter Mifroma die Preiserhöhung nicht umsetzen. Wie wollen Sie diese umstimmen?
Es laufen Gespräche. Ein Argument ist sicher, dass der Schweizer Emmentaler AOP seinen Preis wert ist: Wie Le Gruyère AOP ist er ein Hartkäse aus Rohmilch. Es geht auch um die Solidarität, Verantwortung und Ethik gegenüber dem Schweizer Käsergewerbe und den Käsereimilchproduzenten. Wer einen Premiumkäse will, soll einen gerechten Preis dafür bezahlen. Sonst ist das auch eine Absage an die Schweizer Milch- und Käsewirtschaft. Die Milchlieferanten für Emmentaler AOP werden andernfalls Alternativen für die Milchverwertung prüfen müssen, erst recht, wenn der Rohstoff Milch gefragt ist.

Eben, am Donnerstag, wurde  Weltmeisterkäser Gérard Sinnesberger geehrt. Er macht aber  keinen Emmentaler AOP mehr, weil die Bauern mit dem Milchpreis unzufrieden waren… 
Die Details kenne ich nicht. Dieser Fall ist jedoch ein Spiegelbild der Gesamtsituation beim Emmentaler AOP. Für ein gutes Produkt muss ein angemessener Preis bezahlt werden, sonst orientieren sich die Milchproduzenten anders.

Kürzlich sprach ich mit einem  Milchlieferanten der Käserei Oberei in Süderen BE, welche   die goldene Käsereimarke erhalten hat.  Auch er  überlegt sich, auf Industriemilch umzustellen. Denn die hohe Qualität des Käses mache sich für ihn  nicht bezahlt. Sollten die Qualitätszuschläge nicht höher sein?
Das Reglement der aktuellen, allgemeinverbindlichen Mengensteuerung sieht bei guter Käsequalität einen Mengenbonus von 5 bis 10%  (und einen entsprechenden Malus) vor. Gegenüber der früheren privatrechtlichen Mengensteuerung stellt dies eine Verschärfung dar. Die Vorgaben einer Mengensteuerung müssen  immer auch mehrheitstauglich sein.

Oder ist man bei der ES sogar froh, wenn noch einige Käsereien schliessen?
Die Strukturbereinigung  ist immer ein Thema. Wer als Erster schliessen müsste und ob es wirklich die konkurrenzschwachen Betriebe sind,  bleiben offene Fragen.

Was unternimmt die ES, um den Verkauf anzukurbeln?
Der ES-Vorstand hat an seiner letzten Sitzung ein Extrabudget von 500000 Fr. fürBegleitmassnahmen der Preiserhöhungen im Ausland gesprochen.  Damit werden Aktivitäten am Verkaufspunkt lanciert – sie geben  den Konsumenten einen Zusatznutzen, sei es in Form eines Give-aways oder eines Wettbewerbs.

Und wird die Premiumstrategie auch im Inland beworben?
Mit den verschiedenen Detailhändlern der Schweiz sind – wie üblich –  auch für dieses Jahr wertige Promotionen geplant. Im Gegensatz zu anderen Sorten oder Marken verbilligen wir nicht das Produkt, sondern machen den Käse durch eine Zusatzleistung attraktiver. Bei der Migros etwa war in den letzten Wochen  auf jeder Portion Emmentaler AOP mild ein Wettbewerbstalon angebracht, mit welchem eine Teilnahme an der Bauernhofolympiade mit Matthias Sempach zu gewinnen war. Dies begleiteten wir mit Fernsehspots und Inseraten. Mit Coop zusammen lancieren wir wiederum den 1.-August-Emmentaler.

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