2.08.2019 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Milch für 40 Rappen pro Kilogramm
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) behalten die Migros-Molkerei Elsa im Visier. Sie soll die Preissenkung zurücknehmen. Kritisiert wird auch der tiefe B-Preis der Elsa. Die Elsa entgegnet, sie zahle den höchsten Mischpreis.

Die SMP, aber auch der Schweizer Bauernverband mit Präsident Markus Ritter, machen weiter Druck auf Detailhändlerin Migros, die sich gerne ihrer Partnerschaft mit der Schweizer Landwirtschaft rühmt. Nachdem letzte Woche ein Dutzend Basismilchbauern vor dem Migros-Einkaufszentrum Shoppyland in Schönbühl BE demonstriert haben, was in den Medien grosse Aufmerksamkeit fand, verbreiten die zwei Bauernverbände nun ein Communiqué in scharfem Ton.

«Sonst kein fairer Partner»

Für SMP und SBV ist eine Milchpreissenkung  – die Elsa ging per 1. Juli beim A-Preis um 3 Rp./kg herunter und korrigierte dann auf minus 2,5 Rp./kg – im heutigen Marktumfeld absolut nicht gerechtfertigt. «Die Argumentation des Migros-Verarbeitungsbetriebs Elsa entbehrt jeder Grundlage. Es wird immer klarer, dass es hier um eine direkte Margenverbesserung auf dem Buckel der Produzenten geht», schreiben die Verbände. Die Migros-Molkerei Elsa solle auf die Milchpreissenkung bei den Direktlieferanten verzichten. Diese sei einseitig durchgeboxt worden. In der Branche ist es  ein offenes Geheimnis, dass die grossen Verarbeiter aufgrund ihrer Marktmacht die Preise weitgehend diktieren, Ökonom Mathias Binswanger bestätigte dies kürzlich gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF. «Weiter müssen alle Milchvermarktungsorganisationen solidarisch konsequent bleiben und auch ihrerseits gegenüber der Elsa keine Preisnachlässe gewähren», heisst es weiter. Die schärfste Attacke kommt zum Schluss. Die Milchkäufer müssten ihren Teil zur Nachhaltigkeit beitragen, «ansonsten kann die Migros in ihrer Werbung nicht länger behaupten, ein nachhaltiger und fairer Partner zu sein.»

A nur «Mittelmass»

Pierre-André Pittet, Vizedirektor bei den SMP, hat  schon im Juni darauf hingewiesen, dass der Preis für A-Milch bei der Elsa zwar höher sei als der Durchschnitt, wenn auch nur «mittelmässig», da die Migros keine Schoggigesetz-Abzüge machen müsse. Der B-Preis hingegen sei alles andere als gut. «Im B-Segment liegt die Elsa mit einem Preis von 37,4 Rp. deutlich unter dem kalkulierten Schnitt von 41,4 Rp. und belegt nur den achten Platz in der Klassierung», so Pittet. Er bezog sich dabei auf den Zeitraum Januar 2018 bis und mit Januar 2019 und auf das eigene Milchpreismonitoring. Auch die jüngsten publizierten Daten für März zeigen, dass die Elsa beim B-Preis tief liegt (unter 40 Rp.), insbesondere tiefer als Konkurrentin Emmi (über 40 Rp.), die viele Milchprodukte an  Detailhändlerin Coop liefert.

«Elsa-Mischpreis höher»

Quark ist ein Produkt, das laut Branchenorganisation Milch (BOM) aus B-Milch hergestellt werden darf, da es keinen Grenzschutz geniesst. Wer also heute in einem der vielen Migros-Läden Quark kauft, den die Migros-Molkerei Elsa hergestellt hat, muss damit rechnen, dass die Bauern für die Milch nur mit rund 40 Rp./kg abgespiesen werden. Die Migros wehrt sich in Abwesenheit von Milcheinkäufer Lukas Barth. Kommunikationsspezialist Samuel Nanchen weist auf Anfrage darauf hin, dass die tatsächlich bezahlten Durchschnitts- oder A-Milch-Preise von Cremo und Emmi deutlich unter dem Richtpreis der BOM und dem bezahlten Preis der Elsa liegen.

«Zentral für die Milchlieferanten ist, wie viel sie Ende Monat tatsächlich im Portemonnaie haben. Die Elsa-Lieferanten erhalten gemäss dem SMP-Milchpreismonitoring  den besten Preis – und zwar beim Durchschnittspreis sowie beim A-Milchpreis», so Nanchen. Elsa habe ihren Milchlieferanten im März gemäss dem letzten publizierten SMP-Monitoring 5,9 Rp./kg mehr bezahlt als für ein Emmi-Produkt bzw. 11,5 Rp/kg  mehr als für ein Cremo-Produkt bezahlt werde. Nanchen sagt mit Blick auf einen Durchschnitts-B-Preis, den die SMP für März 2019 publiziert haben, dass, wer bei Coop, Aldi oder Lidl Quark kaufe, einen Milchpreis von durchschnittlich ca. 41Rp. auslöse. Wenn «der Schweizer Bauer» nicht auch diese Aussage mache, betreibe er eine Hexenjagd auf die Elsa. Trotzdem: Die verfügbaren Zahlen weisen darauf hin, dass Konsumenten, die den Bauern gut wollen, einen Schweizer Quark aus konventioneller Milch besser  im Coop kaufen als in der Migros – wenn es dieser oder jene sein muss. 

«Zuschlag» von 0,0 Rp.

Die Bauernverbände jedenfalls werden in der aktuellen Situation  nicht die Migros empfehlen. Sie stören sich auch daran, dass die Elsa per 1. Januar 2019 von den Bauern die Einhaltung neuer Nachhaltigkeitskriterien verlangte. Bauern, welche sie nicht erfüllten, erhielten auf diesen Tag hin 3 Rp./kg weniger für die Milch. Wer die Kriterien erfüllte, bekam gleich viel wie im Dezember. Das hindert die Elsa-Verantwortlichen nicht daran, von einem «Nachhaltigkeitszuschlag» zu sprechen. Sie meinen damit einen effektiven Zuschlag von 0,0 Rappen. 

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