14.04.2014 13:22
Quelle: schweizerbauer.ch - sam
Mindestlohn
Mindestlohninitiative: Gemüse würde 25 % teurer
Der Verband Schweizer Gemüseproduzenten VSGP und der Schweizer Bauernverband SBV wehren sich gegen die Mindestlohninitiative. Diese könnte die Arbeit in der Schweizso stark verteuern, dass viel zusätzliches Gemüse importiert werden müsste.

Ein Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde würde die saisonabhängige und personalintensive Gemüsebranche lahmlegen würde. Die zusätzlichen Lohnkosten wären für die Betriebe nicht tragbar und kämen nur ungelernten Mitarbeitenden zugute. Der Anreiz für eine qualifizierte Ausbildung würde geschwächt. Dies war das Fazit einer Pressekonferenz, welche die VSGP und der SBV am Montag in Bernzusammen durchführten.

Produktion stärken und nicht schwächen

SBV-Präsident Markus Ritter, dass der Schweizer Bauerverband als Dachorganisation der Landwirtschaft die Initiative geschlossen ablehne. Hauptbetroffene der Landwirtschaft seien die Betriebe mit Spezialkulturen, unter anderem die Gemüseproduzenten, als grösster Arbeitgeber in der Landwirtschaft. Ausserdem wolle der SBV mit der Initiative zur Ernährungssicherheit die inländische Produktion stärken und nicht weiter schwächen. Diese Gefahr würde eine Annahme der Initiative jedoch mit sich bringen.

Stefan Britschgi, Vizepräsident des VSGP und Gemüseproduzent aus dem St. Galler Rheintal, erklärte, dass die arbeitsintensive und saisonal sehr unterschiedliche Gemüsebranche eine mit dem Mindestlohn eintretende Erhöhung der Gesamtlohnsumme nicht verkraften könne, da im Gemüsebau Wertschöpfung und Nettomarge gering seien. Die Gemüseproduzenten möchten konkurrenzfähige Betriebe mit marktgerechten Löhnen und Preisen. Die Leidtragenden eines höheren Mindestlohns wären alleine die Gemüseproduzenten, und zahlreiche Betriebe müssten aufgeben. Anhand seines eigenen Betriebes und der Spargelernte zeigte er auf, dass bei einem Kilo Spargeln 55% des Preises Personalkosten (also den Lohn) ausmachen. Steigende Löhne müsste man also mit steigenden Preisen kompensieren.

Bis zu 260 saisonale Arbeiter

Im Frühling und Sommer, während der Spargelernte, habe er teilweise bis zu 260 saisonale Arbeiter, im Winter seien es nur 30 Festangestellte. Bei Britschgi arbeiten viele Grenzgänger und es sei kein Problem, Personal zu finden. Im gesamten EU-Raum seien es bei den jeweils nur wenige Monate dauernden Ernten (wie z.B. Spargeln, Erdbeeren) nie Landsleute, die auf den Feldern arbeiten. Auf seinem Betrieb hätten alle Angestellten einen Vertrag, egal ob aus dem In- oder Ausland, und dieser entspreche dem kantonalen Normalarbeitsvertrag. Während der Hochsaison müsse das Gemüse rund um die Uhr gepflegt und geerntet werden, sagte er weiter, von gelerntem wie auch ungelerntem Personal. Wichtig sind alle: wollen doch die Konsumenten tagtäglich frisches Gemüse im Laden kaufen. Und dieses Gemüse wird von Menschen geerntet und nicht von Maschinen.

Gemüsepreise würden um 25 % steigen

Nationalrätin Nadja Pieren, Präsidentin der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg betonte, dass ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn vom 22.- Franken in der Stunde zur Folge hätte, dass die Gemüsepreise unweigerlich um ca. 25% steigen würden. Sie fragt sich, ob die Konsumenten und auch Abnehmer bereit wären, dies zu bezahlen! Swissness sei genauso wichtig wie die Qualität. Mit der Annahme der Initiative hätte sie Angst, dass die Konsumenten nicht mehr Ja zu Schweizer Produkten sagen und dass der Import von ausländischem Gemüse aus Ländern mit schlechteren sozialen Bedingungen und tieferen Löhnen gefördert würde. Ausserdem würde damit der Grenztourismus gefördert. In der Landwirtschaft gäbe es zudem weniger Arbeitsplätze, insbesondere in ländlichen Regionen, und der Anreiz zur Ausbildung „Gemüsegärtner“ würde sinken.

Pascal Toffel, Direktor des VSGP, fasste zusammen, dass weder mit einem sehr hohen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde noch mit einem Gesamtarbeitsvertrag dem dynamischen und sehr saisonal abhängigen Gemüsebau geholfen wäre. Ihm ist es ein Anliegen, dass der Schweizer Gemüsebau gestärkt und nicht weiter geschwächt wird. Heute stamme nur 55 Prozent des konsumierten Gemüses aus inländischer Produktion, diese Zahl dürfe nicht weiter sinken. Der VSGP wünsche aber klar, dass für wertvolles Schweizer Gemüse höhere Preise bezahlt werden als für Importgemüse.

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