26.06.2017 07:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Energie
Minergiestandard für Ställe
Die Energiestrategie 2050 wirft ihre Schatten voraus. Ein Bericht des Bundesrates zeigt auf, wohin die Reise geht. Neben sparsameren Traktoren und weniger Kraftfutter ist ein Minergiestandard für Ställe in der Pipeline.

Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizer Bauernverbandes (SBV) und Nationalrat (FDP, FR), verlangte im Postulat «Die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen verringern», dass der Bundesrat Wege zur Verringerung des Einsatzes von fossiler Energie in der Landwirtschaft aufzeigt. «Die Landwirtschaft kann einen Beitrag zur Energiewende leisten», lautete seine Begründung. Jetzt liegt die Antwort, um nicht zu sagen, die Quittung, vor.

Nur 20% erneuerbar

Zwar legen Erzeugung und auch Nutzung von erneuerbarer Energie in der Landwirtschaft zu, der Anteil am Verbrauch liegt aber immer noch unter 20 Prozent. Und der Bundesrat sagt im Bericht klar, dass er den «Verbrauch insbesondere der nicht erneuerbaren Energieträger» reduzieren will. Er will bei den Bauern den Hebel vor allem in zwei Bereichen ansetzen:

1. Treibstoffsenkung durch Optimierung des Traktoreinsatzes (Eco-Drive): Dazu gehören Aspekte wie Drehzahlbereich, Getriebeabstufung, Reifendruck, Ballastierung, Bearbeitungstiefe, Arbeitsgänge, Trennung von Feldarbeit und Transporten usw.
2. Energieeffizienz von Ökonomiegebäuden verbessern mit gedämmten Gebäudehüllen von Ställen samt Klimatisierung und Wärmerückgewinnung etwa bei der Milchkühlung. Bei der Stallbelüftung bestehe ebenfalls ein grosses Optimierungspotenzial.

Minergie für Ställe

Deshalb will nun der Bundesrat die kantonalen Energiedirektoren in die Pflicht nehmen. Diese sollen die neuen Anforderungen für landwirtschaftliche  Stallgebäude in die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) aufnehmen. «Darauf aufbauend könnte analog zu Minergie ein Standard entwickelt werden, welcher das ganze Gebäude als integrales System betrachtet und bei dem die gesetzlich notwendigen Energienachweise als Systemnachweise geführt werden können», fordert der Bundesrat.

Nur 2% durch Bauern

Landwirtschaftliche Gebäuden und Maschinen brauchen jährlich rund 16'300 Terrajoule (TJ). Dieser Wert entspricht weniger als 2% des Endenergieverbrauchs in der Schweiz gemäss Gesamtenergiestatistik des Bundesamts für Energie. Die wichtigsten Positionen sind Treibstoffe (insbesondere Diesel für Traktoren und Erntemaschinen), Brennstoffe (Heizöl und Gas zur Beheizung von Gewächshäusern und Ställen für die Schweine- und Geflügelhaltung) und Elektrizität (vor allem für Heutrocknung, Heisswasseraufbereitung, Stallbelüftung und -klimatisierung, Melkanlage und Milchkühlung).

Intensive Poulets

Auch im importierten Kraftfutter steckt viel Energie. 2013 wurde in der Schweiz eine gesamte Futtermittelmenge von 8,46 Millionen Tonnen Trockensubstanz (TS) verwendet, wovon knapp 15 Prozent aus Importen stammten (SBV, 2015). Kraftfutter wurden im Umfang von 1,49 Millionen Tonnen TS eingesetzt, wovon 0,97 Millionen Tonnen TS beziehungsweise gut 65 Prozent aus Importen kamen. Nach Tierkategorien betrachtet lagen die Importanteile des Futters beim Rindvieh bei 8 Prozent, bei Schweinen bei 52 Prozent und beim Geflügel bei 79 Prozent.

Intensive Mutterkühe

Eine wesentliche Rolle beim Energieverbrauch spielt die Wahl der Produktionsausrichtung beziehungsweise der Anteil an offener Ackerfläche innerhalb der verschiedenen Betriebstypen: Während die Typen «Ackerbau» und «Kombiniert Verkehrsmilch/Ackerbau» mehr Nahrungsenergie erzeugen als sie an nicht erneuerbarer Energie einsetzen, benötigen die Typen «Mutterkuh» und «Anderes Rindvieh» mehr als doppelt so viel nicht erneuerbare Energie, wie sie an verdaulicher Energie produzieren. Die übrigen Betriebstypen liegen mit 1 bis 2 MJ pro MJ verdauliche Energie im Mittelfeld.

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