2.07.2013 06:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Bodenschutz
Mit Aufwertungen Geschäft machen
Eigentlich sind der Boden und insbesondere die Fruchtfolgeflächen geschützt. Will man sie trotzdem verbauen, kann man sie über Kompensationsmassnahmen verlegen. Auch Freizeitanlässe schädigen den Boden.

In der Schweiz sind mindestens 438'560 Hektaren Fruchtfolgeflächen (FFF), gute Ackerböden also, zu erhalten. Das schreibt der Bund vor. Die Bautätigkeit, die mittlerweile 1,3 m2 Boden pro Sekunde wegfrisst, findet aber zu rund zwei Dritteln im Mittelland auf FFF statt. Dies führt dazu, dass viele Kantone die vom Bund vorgeschriebenen FFF-Kontingente nur noch knapp oder gar nicht mehr ausweisen können. Der Kanton Zürich etwa hat zu wenig FFF, der Kanton Luzern übertrifft das Kontingent nur noch mit rund 150 Hektaren.

Suche nach guten Böden

Damit sich das Siedlungsgebiet weiter auf FFF ausweiten kann, sind die Kantone bemüht, neue Flächen als FFF auszuscheiden. Dies kann einerseits durch Neubeurteilungen der Böden nach bestimmten Kriterien stattfinden, oder schlechte Ackerböden werden so aufgewertet, dass sie zu den guten Ackerböden zählen.

Die Idee: Das Aushubmaterial der FFF, welche überbaut wird, wird beispielsweise auf einem Moorboden zur Bodenverbesserung ausgebracht. Die aufgewertete Fläche kompensiert so den Verlust der verbauten FFF, sprich, die FFF wird örtlich verschoben. Es scheint, als könnte mit Kompensationsmassnahmen das grosse Geschäft gemacht werden. Während in den meisten Kantonen das Aufwerten noch in den Kinderschuhen steckt, kompensiert man im Kanton Zürich bereits auf Vorrat.

Das Geschäft mit FFF

Das Geschäftsmodell ist einfach. Eine Firma sucht sich eine noch nicht als FFF geltende Parzelle. Stimmt der Bauer zu, wertet sie diese auf. Ist sie aufgewertet und anerkennt sie der Kanton, gilt sie neu als FFF. Und ist sie anerkannt, kann die Firma die Aufwertung einem Bauherrn, welcher auf FFF bauen will, als Kompensationsmassnahme verkaufen. Eigentümer des Kulturlands bleibt dabei natürlich der Bauer.

Im Kanton Zürich sei sogar eine FFF-Börse absehbar, informierten Kantonsvertreter am Mittwoch an der Jahrestagung der Vereinigung für Umweltrecht (VUR) in Solothurn. Kontrovers wurde die Kompensationsmöglichkeit von FFF diskutiert. Die Juristen waren überzeugt, dass dazu eigentlich die rechtliche Grundlage fehle, Kulturlandschützer führten ins Feld, dass damit der Kulturlandverlust nicht gebremst wird, Vertreter der Bauwirtschaft und von Kantonen hingegen bezeichneten diese Möglichkeit als sinnvoll.

Bodenschutz verbessern

Einig war man sich an der Tagung, dass der Bodenschutz verstärkt werden muss. Das wolle auch die Bevölkerung, welche ein Unbehagen gegenüber der räumlichen Entwicklung der Schweiz habe. Dass dem so sei, zeigten die Abstimmungsresultate des neuen Raumplanungsgesetzes, der Zweitwohnungsinitiative oder der Kulturlandinitiative im Kanton Zürich.

Die Bevölkerung wolle die Zubetonierei und das Bevölkerungswachstum bremsen. Zudem zeuge insbesondere die Zürcher Kulturlandinitiative davon, dass die Stimmbürger den Behörden und den Politikern nicht zutrauten, das Problem in den Griff zu bekommen.

Auch qualitativ erhalten

An der VUR-Jahrestagung war nicht nur der quantitative, sondern auch der qualitative Bodenschutz Thema. Schliesslich schreibt das Gesetz klar vor, dass die Fruchtbarkeit der Kulturlandböden langfristig erhalten bleiben muss. Die Erosion etwa aber schwemmt in der Schweiz jährlich durchschnittlich doppelt so viel Erde weg, wie neu gebildet wird. Und die Verdichtungen bei der Bewirtschaftung nehmen zu.

Dem will das BLW mit der Erosionskarte (http://map.geo.admin.ch/?topic=blw) und entsprechenden Massnahmen Einhalt bieten. Zudem kann jeder Bauer unter http://www.bodenverdichtung.ch/ mittels weniger Angabe herausfinden, ob seine Böden aktuell befahrbar sind.

Problem Freizeitanlässe

Immer öfter muss der Boden auch für Freizeitaktivitäten hinhalten. Dabei entstehen nicht selten enorme Schäden. So etwa, wenn eine Motocrossveranstaltung, ein Tractor Pulling oder ein Open-Air-Festival stattfindet. Problemlos sind kleine Pfadi-Zeltlager.

Insbesondere aber bei grossen Veranstaltungen würden die Menschenmasse, die Auf- und Abbauarbeiten und die parkierten Autos den Boden langfristig schädigen. Und das oft alle Jahre wieder am selben Ort. Leider fehlt die gesetzliche Grundlage, solche Anlässe zu untersagen. An der Tagung wurde diskutiert, wie die entsprechenden Gesetzestexte ergänzt werden müssten.

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