12.10.2020 15:58
Quelle: schweizerbauer.ch - rup
Volksinitiative
«Mit Pestizidverbot fällt Selbstversorgungsgrad»
Die Auswirkungen einer Annahme der Initiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide" wären enorm. Das zeigt eine unabhängige Studie der Universität St. Gallen unter der Leitung von Charles Gottlieb, die von fünf Organisationen der Nahrungsmittelbranche in Auftrag gegeben wurde.

Die Initiative sieht vor, den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Bioziden im Inland wie auch für importierte Lebensmittel zu verbieten. Gemäss der Studie würde das zu einer Reduktion der Schweizer Lebensmittelproduktion, höheren Produktionskosten sowie höheren Gesundheits- und Hygienerisiken führen, so die Fial, die SALS, die AgorA, die IG Zukunft Pflanzenschutz und der Schweizer Bauernverband (SBV) in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

"Sinkender Selbstversorgungsgrad"

Die fünf Auftraggeber der Studie ziehen ein niederschmetterndes Fazit: "Die Initiative würde zu einer Reduktion der Schweizer Lebensmittelproduktion, höheren Produktionskosten sowie höheren Gesundheits- und Hygienerisiken führen. Zudem würde die Pestizidverbots-Initiative enormen Druck auf den Agrar- und Lebensmittelsektor ausüben." Laut der Studie würde der Selbstversorgungsgrad von 58 auf 42 Prozent sinken.

Zu erwarten wären ausserdem grosse Veränderungen im Sortiment von in der Schweiz produzierten Agrarprodukten. Insbesondere wäre das inländische Angebot an Zucker, Früchten, Gemüsen, Kartoffeln und Fleisch – vor allem Schweine- und Geflügelfleisch – stark beeinträchtigt.

"Lebensmittelqualität gefährdet"

In der Medienmitteilung wird zudem darauf hingewiesen, dass die öffentliche und politische Debatte auf die Pflanzenschutzmittel fokussiere und dabei einen weiteren Bereich vergesse. Denn: "Die Studie weist auf die Wichtigkeit von Bioziden in der Lebensmittelverarbeitung hin."

Industrievertreter machten darauf aufmerksam, dass diese kaum durch nicht-synthetische Produkte ersetzbar sind, was die Gewährleistung einer einwandfreien Lebensmittelqualität gefährdet. Auch wäre die Lagerung von Lebensmitteln und Rohstoffen betroffen.

Probleme bei Kaffee und Kakao erwartet

Weiter wird in der Studie auf die importierten Rohstoffe wie Kaffee oder Kakao hingewiesen. "Um den Bedarf der Industrie bei der Annahme der Initiative zu decken, würden 21 Prozent der weltweiten Bio-Kaffeeproduktion und 50 Prozent der weltweiten Bio-Kakaoproduktion benötigt."

Die auferlegten Importbeschränkungen könnten Lebensmittelhersteller dazu veranlassen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Im Bereich der internationalen Logistik werfe die Initiative zudem erhebliche praktische Probleme auf. "Alle erwähnten Faktoren hätten zudem Auswirkungen auf die Konsumentenpreise, was den Einkaufstourismus anheizen würde", so die Mitteilenden.

 

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