8.06.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Rudolf Haudenschild
Pflanzenschutz
Moderne Landwirtschaft näherbringen
Die Interessengemeinschaft BauernUnternehmen kämpft für eine produzierende, nachhaltige, moderne Landwirtschaft, welche regionale Lebensmittel hoher Qualität erzeugt. Das wollen sie mit Plakaten erklären.

«Ohne modernen und massvollen Pflanzenschutz könnte das heutige Nahrungsmittelangebot mit gesunden, hochwertigen und regionalen Produkten nicht mehr gewährleistet werden», erklärt Luca Costa. Der Geschäftsführer der letztes Jahr gegründeten Interessengemeinschaft  BauernUnternehmen ist überzeugt, dass es an der Zeit ist, die Konsumenten vor Ort in den Kulturen über massvollen und sorgfältigen Pflanzenschutz aktiv aufzuklären. Dies mache die Vereinigung unabhängig von den  beiden hängigen Initiativen gegen den konventionellen Pflanzenschutz.

«Schweiz als Vorbild»

Werner Rüttimann aus Hohenrain LU, doppelt als Produzent und Bauer, Mitinitiant und Spezialist für Pflanzenschutz nach: «In kaum einem anderen Land als der Schweiz wird der Pflanzenschutz so massvoll und vorsichtig angewendet mit Schadschwellen und Investitionen in modernste, Mittel sparende Spritztechnik, die Abdrift verhindert, mit Kursen und Kontrollen.» Der Konsument könne heute frei unter verschiedensten Produktionsrichtungen auswählen und damit täglich im Laden sagen, was er unterstütze.

Gekauft werde aber in jedem Fall nur schönste Ware. Rüttimann ist überzeugt, «dass Pflanzen Schutz brauchen», sonst halbiere sich die Lebensmittelproduktion. Im Gegenzug würden nur die Importe steigen. Unter dem Strich fehle dieser Produktionsausfall irgendwo auf der Welt auf einem Tisch und lasse schliesslich hungernde Menschen zurück.

Ausfälle wären zu gross

«Alle reden heute über Food Waste und tun so, als ob vor allem die Bauern daran schuld seien», ärgert sich der Gemüseproduzent Dave Bigler aus Inwil LU. Diese kaum vermarktungsfähige Ware könne nie die Ausfallmengen bei einem Verzicht auf Pestizide je kompensieren, ist er überzeugt. «Wer den Einsatz von wirksamen synthetischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft und gesetzlich verbieten will, müsste in aller Konsequenz auch auf synthetische Kosmetika und Medizin verzichten und bei drohenden Krankheiten nur noch Naturprodukte einsetzen und bereit sein, gegen die Natur selber den Kürzeren zu ziehen», bringt Bigler die Logik auf den Punkt. Er wehrt sich gegen Vorschriften, die andere einem Beruf machen wollen, ohne bei sich selber konsequent zu sein. 

«Mit der Wahlfreiheit können wir lebensmittelproduzierende Bauern gut leben. Zu schaffen macht uns aber, wenn andere alles besser wissen und uns  zwingend allgemeinverbindliche Verbote auferlegen wollen», meint Werner Rüttimann mit Blick auf die Kondensstreifen der vielen Flugzeuge am Himmel über der Ritterkommende Hohenrain.

Bauern in die Offensive

Die Initianten sind überzeugt, dass es sich lohnt, mit offenem Visier zu kämpfen, hinzustehen und mit Information vor Ort aufzuklären: «Jeder produzierende Landwirt ist aufgerufen, selber etwas zu tun und nicht zu warten bis andere aktiv werden», erklärt Luca Costa.

Zum Bauernverband, der ebenfalls Feldrandplakate anbietet, sagt Werner Rüttimann: «Ein Vorstandsmitglied von uns war auch in der Arbeitsgruppe in Brugg dabei.» Man wolle jetzt aber eine eigene Aktion starten, weil man überzeugt sei, dass es sinnvoller sei, wenn auf verschiedenen Strassen gefahren werde. «Wir sind wohl auch etwas freier als der Bauernverband», sagt Rüttimann.

Gegen Klischees

«Leider setzt die Werbung der Grossverteiler im TV immer noch auf Klischees und Bilder einer Landwirtschaft vor mehr als 50 Jahren und nicht auf die im Eiltempo Einzug haltende digitale Landwirtschaft 4.0, welche allein aus Kostengründen alles daransetzt, Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel mit modernster Technik zu optimieren, um Qualität zu produzieren und die Umwelt gleichzeitig zu schonen», sagt Werner Rüttimann. Die Augen würden den Konsumenten wohl erst aufgehen, wenn diese unbehandelte Felder sehen und Nahrungsmittel knapper würden.

Slogan «Geschützt»

«Jeder Ackerbauer kann unter www.bauern-unternehmen.ch ab sofort ein oder lieber gleich mehrere unserer Plakate bestellen zu Getreide, Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben, Reben, Gemüse und Obst», erklärt Costa. Eine Anleitung zum Herstellen von Ständern werde mitgeliefert. Wichtig sei, dass diese am Ackerrand an viel begangenen Strassen und Flurwegen jetzt baldmöglichst aufgestellt würden, erklärt Costa die Aktion.

Der rote Faden heisse «Geschützt» und ziehe sich durch jedes Plakat. Da die Vereinigung kaum über genügend Geld aus Spenden verfüge, rufe die Vereinigung BauernUnternehmen alle produzierenden Bauern auf, Plakate anzufordern, aufzustellen und den direkten Kontakt mit Passanten und Bekannten zu suchen.

www.bauern-unternehmen.ch

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