2.06.2016 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Hornkuh
Mutterkuh Schweiz gegen Hornkuhinitiative
Bergbauer Armin Capaul reichte im März seine Hornkuh-Initiative ein. Darin fordert, dass Haltern von Kühen und Ziegen mit Hörern unterstützt werden sollen. Der Vorstand von Mutterkuh Schweiz stellt sich gegen das Begehren. Freilaufhaltung sei das wichtigste für das Tierwohl, so die Organisation. Was halten Sie vom Entscheid? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Armin Capaul gelang der grosse Coup. Er schaffte mit seinen Mitstreitern, knapp 120‘000 gültige Unterschriften für sein Hornkuhinitiative zu sammeln. In der Bevölkerung dürfte die Initiative auf Sympathie treffen. Capaul rechnet sich gute Chancen aus, dass die Stimmberechtigten dem Begehren zustimmen werden.

Innerhalb der Landwirtschaft ist der Rückhalt für das Begehren weniger gross. Die Mehrheit der Bauern dürfte sich gegen die Initiative aussprechen. So auch Mutterkuh Schweiz.

"Freilaufhaltung am wichtigsten"

Die Initiative sei aus mehreren Gründen problematisch, so die Organisation.

- Die Initianten hätten deutlich gemacht, dass Beiträge auch für Tiere in Anbindehaltunng ausbezahlt werden solle, so Mutterkuh Schweiz. Somit würden auch Tiere in den Genuss der Beiträge kommen, die nach den Minimalvorschriften des Tierschutzgesetzes dauernd im Stall angebunden sind und nur 90 Mal pro Jahr Auslauf erhalten. „Freilaufställe und Auslauf sind wichtig für das Tierwohl“, heisst es im Communiqué. Das Kalb wächst bei der Kuh auf, die Tiere bewegen sich frei in Gruppen. Mutterkuh Schweiz lege aber Wert auf eine intakte Mensch-Tier-Beziehung. Bei behornten Tieren bestünde jedoch eine höhere Verletzungsgefahr für Tier und Mensch.

- Bedenken hegt die Organisation auch bei der Finanzierung des Hörnerbeitrages. Es bestünde die Gefahr, dass es bei anderen Tierwohlprogrammen zu Kürzungen komme. Für das Tierwohl sei Freilauf- und Auslaufhaltung wichtiger als Hörner.

- Ein finanzieller Mehraufwand für behornte Kühe im Anbindestall entsteht gemäss Mutterkuh Schweiz nicht. Dieser entstehe nur, wenn ein Auslauf oder Freilaufstall gebaut werde.

- Ein Hörnerbeitrag gehöre zudem nicht in die Verfassung, vor allem keine so detaillierten Bestimmungen wie bei dieser Initiative. Dies könne aus Gesetzes-oder Verordnungsstufe geregelt werden, betont Mutterkuh Schweiz.

Die Organisation ruft in Erinnerung, dass es von Natur aus Kühe mit und ohne Hörner gäbe. Natürliche Hornlosigkeit bei Mutterkühen sei weit verbreitet. „Die Tiere sind genauso gesund und vital wie behornte Tiere“, hebt Mutterkuh Schweiz hervor.

500 Franken pro Kuh und Jahr

Die Initiative fordert, dass der Bund «mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen» umwelt- und tierfreundliche Produktionsformen fördert. Insbesondere soll er dafür sorgen, dass Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, wenn die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

Capaul verlangt kein Enthornungsverbot, Halter von Kühen und Ziegen mit Hörnern sollen vom Bund unterstützt werden. Der Bergbauer aus dem Berner Jura nannte einen Richtwert von rund 500 Franken pro Kuh und Jahr. Bei den Ziegen schweben im rund 100 Franken vor. Mehrkosten entstünden nicht, betonen die Initianten. Man müsse das Geld im Landwirtschaftsbudget einfach anders verteilen.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
Art. 104 Abs. 3 Bst. b
3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:
b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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