6.06.2014 09:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
«Namen müssen öffentlich bekannt werden»
Die Walliser Weinbranche ist unter Druck. Statt dass man am Image des Wallis als einer Topdestination der Welt arbeiten kann, erschüttert ein Skandal um Weinhändler Dominique Giroud den Kanton.

Der Steuerbetrug des Weinhändlers Dominique Giroud brachte im vergangenen Herbst bereits Maurice Tornay, Finanzdirektor des Kantons Wallis, in Bedrängnis. Vor seiner Wahl in die Walliser Regierung im Jahr 2009 war dessen Treuhandbüro für Giroud tätig. Dann wurde publik, dass Giroud im grossen Stil Wein gepanscht haben soll. Äusserungen Girouds, wonach das im Wallis üblich sein soll, schadeten dem Ruf der Walliser Weinbranche.

Zu Unregelmässigkeiten kam es bei Giroud, der sein Unternehmen innert weniger Jahre zu einer der grössten Weinhändler des Wallis ausgebaut hatte, schon wiederholt. Doch blieb es unter Bezugnahme auf Verhältnismässigkeit stets bei bescheidenen Bussen. Gegenüber dieser Zeitung war Giroud für keine Stellungnahme zu erreichen.

Fiktive Rechnungen

Das Fass endgültig zum Überlaufen brachten jedoch Berichte, wonach Giroud auch fiktive Rechnungen erstellt haben soll. Weinlieferanten hätten dazu Briefpapier zur Verfügung gestellt. In ungewöhnlich scharfen Worten fordert nun die Branchenorganisation Walliser Weine (Interprofession de la vigne et du vin IVV) völlige Transparenz ohne Tabu. Präsident Paul-André Roux sagt sogar: «Die Namen fehlbarer Kellereien oder Winzer müssen so rasch wie möglich öffentlich bekannt gegeben werden.»

Bei ohnehin schon angespannten Traubenpreisen dürften jedoch vor allem die einzelnen Weinbauern zu den Leidtragenden gehören. Konkret Stellung nehmen oder sich zu den Auswirkungen auf das  eigene Unternehmen und die Produzentenpreise äussern, mögen viele jedoch nicht. Selbst der grösste Weinproduzent des Wallis, Provins Valais, schweigt. Direktor Raphaël Garcia sagt nur: «Die IVV spricht für die ganze Weinbranche.»

Ehrliche Winzer schützen

Nur unter ausdrücklichem Wunsch, nicht namentlich genannt zu werden, erzählt aber ein Winzer und Weinhändler aus dem Oberwallis: «Ich habe vor etwa zwei Jahren Kunden an Giroud-Weine verloren, weil dessen Weine billiger waren. Vor Kurzem haben Berichte in den Schweizer Medien sie veranlasst, wieder zu mir zu kommen.» Wenn Grossverteiler Fendant für fünf Franken verkauften, liege es doch auf der Hand, dass hier etwas nicht stimmen könne, ergänzt er aber noch.

Auch Marek Moos, Marketingchef der Robert-Gilliard-Weine in Sitten, sieht die Affäre, wenn sie dereinst mal überstanden sein wird, als Chance. Er fordert, dass Verantwortliche vor Gericht und zur Rechenschaft gezogen werden, um die überwiegende Mehrheit der ehrlichen Winzer und Kellereien zu schützen. «Ein beschädigtes Image wieder aufzubessern, ist aber schwieriger, als ein gutes Image zu verspielen», gibt er zu bedenken. Direkte Auswirkungen auf die Produzentenpreise sieht er, zumindest für seine Lieferanten, nicht: «Wir bezahlen für Fendant 2.90 Franken, und wir wollen an diesem Preis auch festhalten», betont Marek Moos.

Kein Preiskampf

Ähnlich sieht dies Andy Varonier, Geschäftsführer der Kellerei C. Varonier & Söhne AG in Varen. Affären könnten zwar über Jahre ihre Schatten auf eine Branche werfen, zumal auch Erinnerungen an Skandale früherer Jahrzehnte wach werden. Anderseits glaubt Varonier: «Die Konsumenten differenzieren zwischen einem grossen Unternehmen und einem Familienbetrieb.» Doch auch er hat schon Kunden an günstigere Produzenten verloren und sieht den Skandal nun als Chance, solche Kunden zurückzugewinnen.

Festhalten will er auch an den Preisen, die er seinen 45 Traubenlieferanten bezahlt, die deutlich über dem Richtpreis, für Pinot-noir-Trauben etwa 3 Franken pro Kilo, liegen. Denn Varonier ist überzeugt: «Würden wir bei dem Preiskampf der Grossen mitmachen, würden sowohl die Weinbauern also auch wir Produzenten nur verlieren, denn die Wertschöpfung wäre nicht mehr ausreichend.»

An der IVV wird es nun aber liegen, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen – sowohl das der Konsumenten als auch das der Produzenten und der Weinbauern. Eine gewaltige Aufgabe, der sich Paul-André Roux stellen will. «Alle im IVV einsitzenden Personen, die direkt oder indirekt mit dieser Affäre zu tun haben, müssen unbedingt bis zur rechtlichen Klärung ihr Mandat niederlegen», verlangt er.

Arbeitsgruppe

Wie die Walliser Regierung bekannt gegeben hat, will auch der Kanton als Folge der Affäre eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe einsetzen. Der Walliser Staatsrat beabsichtigt, das Kontrollsystem der Weinbranche sowohl in den Produktionsbereichen – Anbau, Einkellerung und Abfüllung – als auch beim Verkauf unter die Lupe nehmen. Der Kanton, der seit Jahren zahlreiche Anstrengungen unternehme, die Qualität der Walliser Weine und deren Rückverfolgbarkeit zu verbessern, komme damit Forderungen der Schweizer Weinhandelskontrolle (SWK) als auch der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates nach, die beide eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen eidgenössischen, interkantonalen und kantonalen Kontrollinstanzen verlangten. czb

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