Dienstag, 3. August 2021
25.06.2020 16:50
Luzern

Neue Massnahmen für Landwirtschaft

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Von: sda

Zu viel Ammoniak in der Luft und zu viel Phosphor in den Seen: Der Kanton Luzern will die umweltschädlichen Auswirkungen der Landwirtschaft in den Griff bekommen. Die Regierung hat Massnahmen und Reduktionsziele definiert, die sie am Donnerstag vorstellte.

Das erste Ziel aus dem Jahre 2007 war offenbar zu ambitioniert: Mit Massnahmen wollte der Kanton damals die Emission von Ammoniak, der grösstenteils aus der Tierhaltung stammt, um 30 Prozent reduzieren bis 2030. Ammoniak führt zur Stickstoffbelastung von Böden und Grundwasser. Wegen der vielen Nutztiere im Kanton Luzern wird der maximal zulässige Stickstoffeintrag deutlich überschritten.

20 statt 30 Prozent

Die zwischen 2009 und 2014 effektiv erzielte Reduktion betrug lediglich 4,5 Prozent. Ursachen für die grosse Ziellücke sind gemäss Kanton einerseits die von der Gesellschaft erwünschten Verbesserungen im Bereich Tierwohl, was zu erhöhten Emissionen führt, da Ammoniak aus den Ausscheidungen auf den Flächen im Freien in die Luft gelangt. Andererseits wurden Massnahmen ergriffen, deren Wirkung zu optimistisch eingestuft wurde.  

Man habe nun die Massnahmen überprüft und ein neues Reduktionsziel definiert: Im Vergleich zu 2014 soll die Ammoniakemission um 20 Prozent oder 984 Tonnen reduziert werden bis 2030. Gelingen soll dies dank neun Massnahmen.

Weniger Eiweiss für Schweine

Dazu zählen etwa die Abdeckung offener Güllelager, die Ammoniakreduktion bei Stallbauten oder Techniken beim Gülleausbringen wie Schleppschläuche, durch die weniger Ammoniak in die Luft gelangt. Auch eine eiweissreduzierte Fütterung von Schweinen und mehr Weidegang für Milchkühe soll zur Stickstoffreduktion beitragen.

Die Massnahmen sind insbesondere für die Betriebe mit Kosten verbunden. So rechnet der Kanton etwa alleine für Massnahmen im Güllebereich mit bis zu 90 Millionen Franken. Der neue Teilplan Ammoniak tritt am 1. Juli in Kraft.

Ammoniak und Stickstoff sind allerdings nicht die einzigen Sorgenkinder im Kanton Luzern. Auch Phosphor, der zur Düngung eingesetzt wird, belastet insbesondere die Mittellandseen. Dort führt er zu übermässigem Algenwachstum und fehlendem Sauerstoff. Die Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft sind ebenfalls zu hoch.

Ammoniak

Ammoniak stammt zu über 90 Prozent aus der tierhaltenden Landwirtschaft. Die Freisetzung von Ammoniak in die Luft hat zur Folge, dass Wälder, Moore und andere extensive Ökosysteme mit Stickstoff belastet werden. Eine übermässige Stickstoffbelastung vermindert die Artenvielfalt, führt zu Bodenversauerung und gefährdet langfristig die Grundwasserqualität. Die maximal zulässigen Stickstoffeinträge werden durch die Emissionen der vielen Nutztiere im Kanton Luzern deutlich überschritten. Kanton Luzern

Gülleverträge

Um Gegensteuer zu geben, startet der Kanton 2021 mit der dritten Phase des 1999 lancierten Phosphorprojekts, an dem Landwirtschaftsbetriebe freiwillig teilnehmen können. Es wurde um ein Jahr verschoben. Betroffene Landwirte hatten interveniert, weil sie Kündigungsfristen für Gülleverträge nicht einhalten konnten.

Zusätzlich passt der Kanton die Verordnung zur Verminderung der Phosphorbelastung an. Sie beinhaltet Anforderung, die alle Betriebe einhalten müssen, die sich in den Zuströmbereichen der Seen befinden. Ziel ist hier eine Reduktion um 20 Prozent bis 2025. Neu ist für die betroffenen Betriebe etwa kein Einsatz von mineralischem Phosphor-Dünger mehr erlaubt. Auch gilt ein Aufstockungsverbot. Der Nährstoffgehalt der Hofdünger wird betriebsspezifisch berechnet.

«Umweltziel nicht erreicht»

Umweltverbände reagierten ablehnend auf die vorgestellten Pläne der Regierung. Mit den vorgesehenen Reduktionen würden nicht einmal die vom Bund gesetzten Umweltziele erreicht. Der Kanton handle damit im Widerspruch zum Umweltgesetz und zur Luftreinhalteverordnung. Die Regierung selber hält fest, dass beim Ammoniak das aus ökologischer Sicht notwendige Ziel einer Reduktion um bis 70 Prozent nicht erreicht werden könne.

Im Kanton Luzern sind sechs Prozent der Beschäftigten im Landwirtschaftssektor tätig, der Schweizer Mittelwert liegt bei drei Prozent.

Phosphor

Phosphor ist ein zentraler Nährstoff für die pflanzliche wie auch tierische Ernährung. Für optimale Erträge in der Landwirtschaft wird er als Düngemittel in Form von Mist oder Gülle oder als Handelsdünger den Pflanzen zugeführt. Gelangt durch Überdüngung zu viel Phosphor in stehende Gewässer, führt dies zu übermässigem Algenwachstum. Der für die Zersetzung der abgestorbenen Pflanzen notwendige Sauerstoff wird dem See entzogen. Er verliert somit seine Funktion als Lebensraum für andere Lebewesen. Die Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft in die Luzerner Mittellandseen sind nach wie vor zu hoch.

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