6.05.2018 07:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Künsch
Luzern
Pächter droht mit Baumfällung
In der Gemeinde Meggen LU wehrt sich ein auswärtiger Pächter gegen einen 20-jährigen Beschluss, der vorsieht, nur ortsansässigen Landwirten einen Gemeindebeitrag für Hochstammbäume zu entrichten. Der zuständige Gemeinderat Josef Scherer will sich nicht dazu äussern.

Erstaunte Gesichter kürzlich auf dem Panoramaweg rund um den Golfplatz in Meggen: mit gelbem Forstspray markierte Hochstammbäume, in schönster Frühlingsblütenpracht, und daneben Infotafeln mit dem Hinweis, dass diese Bäume ohne Pflegebeiträge gefällt würden, zuständig für das Debakel sei der Ressortleiter Landwirtschaft der Gemeinde Meggen, namentlich erwähnt.

Hintergrund dieser Aktion, welche notabene für einigen Wirbel sorgte, ist ein mehr als 20-jähriger Beschluss der Gemeinde Meggen, welcher zusätzlich zu den Bundesbeiträgen einen Unterstützungsbeitrag von 35 Franken pro Hochstammbaum aus der Gemeindekasse vorsieht. Aber, und dies ist der Stamm des Anstosses, nur für einheimische Bauern.

Veränderte Situation     

«Dieser Beschluss ist heute nicht mehr zeitgemäss. Die Situation hat sich in den letzten Jahren massgeblich verändert. Viele einheimische Landwirte wollen nicht mehr weitermachen und verpachten ihre Betriebe. Rund ein Drittel sind inzwischen auswärtige Bewirtschafter», begründet Paul Schuler, Initiant der Aktion, seinen Standpunkt. Entsprechende Anträge seien im Gemeinderat bereits mehrmals behandelt worden, immer mit abschlägigem Beschluss, letztmals nun im Januar dieses Jahres. 

Schuler bezeichnet das mangelnde Entgegenkommen der Gemeinde als Willkür und will sich zur Wehr setzen. «Es kann ja nur im Interesse des Gemeinderats sein, dass diese Bäume weiter gepflegt werden, ob von Einheimischen oder Auswärtigen, spielt doch keine Rolle», äussert Schuler sein Unverständnis und fügt hinzu: «In Meggen hat es in der Zwischenzeit gar nicht mehr genug Bauern, um alles zu bewirtschaften.» Nachdem dann die Polizei bei ihm vorstellig geworden sei, seien die Infotafeln entfernt worden. Klein beigeben will er indes nicht. «Jetzt muss endlich etwas passieren.»  

Eine Bereicherung

Obwohl die Golf Meggen AG laut Josef Schuler, stv. Geschäftsleiter, im Januar 2018 einen Antrag für Bewirtschaftungsbeiträge an nicht ortsansässige Bauern bei der Gemeinde einreichte, welcher abgelehnt wurde, wurden die Golfplatzverantwortlichen von der Markier- und Infotafel-Aktion genauso überrascht wie der Gemeinderat.

Die Meinung von Josef Schuler ist jedoch klar: «Die Hochstammbäume entlang dem neu erstellten Fussweg sind eine Bereicherung und werden entsprechend frequentiert, was für die vier Landwirte, welche 28 Hektaren von den insgesamt 52 Hektaren des Golfplatzes bewirtschaften, die Arbeit erschwert und mit Mehraufwand verbunden ist.» Beiträge auch an ortsfremde Bauern auszuzahlen, sei in seinen Augen durchaus berechtigt, da der Bundesbeitrag gerade mal 13.50 Franken pro Baum ausmache.  

Zuständiger Gemeinderat schweigt

Der zuständige Gemeinderat Josef Scherer, der beim Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband als stellvertretender Geschäftsführer arbeitet,  wollte sich zu den Vorgängen nicht äussern, sondern verwies an den Gesamtgemeinderat. Dieser zeigt sich auf Anfrage befremdet ob dieser Plakat-Aktion und verurteilt die explizite Schuldzuweisung an den Ressortverantwortlichen Josef Scherer.

Auf keinen Fall werde das Fällen der markierten Hochstammbäume, welche fast alle auf dem Areal des Golfplatzes stünden, zugelassen, denn dort müssten Auflagen zur Pflege und Erhaltung, die auf die Baubewilligung zurückgehen, eingehalten werden. Sollten die Hochstammbäume unrechtmässig gefällt werden, werde dies eine Prüfung von baupolizeilichen und rechtlichen Schritten nach sich ziehen.  

Ende ist offen

«Zusätzlich zu den Beiträgen vom Bund setzen wir uns explizit für den Erhalt von Hochstammbäumen ein und bezahlen freiwillig kommunale Beiträge», so Gemeindepräsident Urs Brücker. Rund zwei Millionen Franken seien seit 1996 in die Megger Landwirtschaft geflossen. Dies im Sinne von betriebsstrukturerhaltenden Massnahmen für einheimische Bauern einerseits, andererseits aber auch als Bremsfaktor für die zunehmende Verpachtung an auswärtige Bewirtschafter und dem miteinhergehenden Gülle- und Futtertourismus. Die Position des Gemeinderates: «Von diesen Steuergeldern sollen nur Landwirte in der eigenen Gemeinde profitieren.»

Wie sich die Situation weiter entwickeln wird, bleibt abzuwarten, zumal der Megger Gemeinderat laut einer Mitteilung wissen lässt, dass er weiterhin an den ergänzenden kommunalen Förderbeiträgen für Megger Bauern festzuhalten gedenkt.

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