27.01.2020 15:45
Quelle: schweizerbauer.ch - ats
Referendum
«Palmöl ist eine Katastrophe»
Unter der Leitung von Bio-Winzer Willy Cretegny aus Satigny GE wird ab sofort zum Referendum «Stop Palmöl» gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien aufgerufen. Bis am 9. April haben die Verantwortlichen Zeit, um die 50'000 Unterschriften zu sammeln und beglaubigen zu lassen.

«Es ist richtig und strategisch wichtig, jetzt das Referendum zu unterstützen, so Cretegny. «Damit setzten wir ein Zeichen für einen fairen und gerechten Welthandel», sagte der Genfer am Montag in Bern vor den Medien. 

Der Bundesbeschluss über die Genehmigung des Umfassenden Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Indonesien wurde am 20. Dezember 2019 festgelegt und am 31. Dezember 2019 im Bundesblatt veröffentlicht. 

Lokale Produktion gefährdet

«Ein Freihandelsabkommen bedeutet: Ausbreitung der Palmöl-Monokulturen, Zerstörung des Regenwaldes, Kinder- und Zwangsarbeit, Einsatz von hochgiftigen Pestiziden und Vertreibung von Kleinbauern und Indigenen», machte Cretegny deutlich. «Die Freihandelspolitik setzt die lokale Produktion einem unlauteren Wettbewerb aus», fuhr der Winzer.  

Palmöl werde gekauft, weil es billig ist und nicht, weil man es brauche. «Die globale Erwärmung verlangt, dass wir den Freihandel zugunsten einer Handelspolitik aufgeben, die lokale Produkte begünstigt», betonte er. 

«Wir sind verantwortlich»

Michelle Reichelt von Klimastreik Schweiz fügt an: «In der Schweiz sind wir von den Auswirkungen des Anbaus von Palmöl noch nicht direkt betroffen, was nicht heisst, dass wir nicht heiss, dass wir nicht verantwortlich sind für das Leiden der Bevölkerung in Indonesien und den Folgen dieses Raubbaus an der Natur.»

Der Bundesrat beteuere, dass der Vertrag auf Ansprüche der Nachhaltigkeit setzte, doch ein Freihandelsabkommen ohne klar geregelte, verbindliche Nachhaltigkeitsverordnungen sei nicht zeitgemäss, lautet die Botschaft an der Pressekonferenz. 

Schweizer Ölsaat unter Druck

Das Abkommen enthält eine Schutzklausel, die im Falle eines auf dem Markt entstandenen Ungleichgewichts aktiviert werden könnte. «Leider zeigen uns die Erfahrungen mit der Einfuhr von Brotgetreide und Wein, dass diese Schutzklauseln nie angewendet werden», sagt Rudi Berli, Gewerkschaftssekretär der Uniterre. 

Er ist überzeugt, dass das Abkommen die heimische Ölsaatenproduktion weiter gefährden wird. «Das Abkommen wird zusätzlichen Druck auf die Produzentenpreise ausüben», so Berli. Die Schweiz habe einen Selbstversorgungsgrad von 35 Prozent bei den Ölsaaten. Es sei ökologisch und ökonomisch sinnvoll, dieses Produktionsniveau beizubehalten. 

Fatale Folgen

Das Ziel der Lebensmittelindustrie sei es aber, die Rohstoffe frei zugänglich zu einem möglichst niedrigen Preis zu erhalten. «Das hat fatale Folgen für Mensch und Umwelt», sagt der Gemüsebauer aus Genf. 

Palmöl sei das am zweitmeisten importierte Öl. Dieses habe das Sonnenblumenöl in den vergangenen 20 Jahre immer mehr verdrängt, sagt Berli zu schweizerbauer.ch. «Palmöl ist ökologisch und sozial absolut eine Katastrophe», fährt er fort. Einerseits brennen die Urwälder, andererseits macht das billige Palmöl Druck auf die Preise der einheimischen Bauern, so Berli. 

Berli fordert vom Bundesart eine deutliche Verschärfung der Nachhaltigkeitskriterien. «Aber an und für sich sind wir gegen das Freihandelsabkommen. Denn wir brachen das nicht. Wir haben bereits Handelsbeziehungen zu Indonesien. Wir können die bilateral diese Nachhaltigkeitskriterien einfordern für Palmöl, dass wir unbedingt benötigen und nicht ersetzen können», sagt Berli zu schweizerbauer.ch

Nur Konzerne profitieren

«Der Freihandel wird weder in Indonesien noch in der Schweiz den Wohlstand und die Lebensqualität erhöhen. Es dient nur den Interessen der Aktionären der multinationalen Konzernen», äussert sich Amanda Ioset, Generalsekretärin der Organisation «Solidarité sans frontières».

«Wir sind nicht gegen Handel», sagt Initiator des Referendums Willy Cretegny, «aber wir wollen, dass beide Handelspartner, beide Seiten bei einem Handel Gewinner sind.» Das sei bei Freihandelsabkommen nicht der Fall. «Wir müssen jetzt schon -mit dem Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien- ein Signal setzten für die bevorstehenden Diskussionen zum Mercosour-Freihandelsabkommen.

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