Sonntag, 29. November 2020
20.05.2020 18:02
Umfrage

Pflanzen statt Tiere fördern?

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Nationalrat Jürg Grossen (GLP, BE) möchte Bundesgeld von der tierischen Produktion in die pflanzliche umverteilen. In erster Linie möchte der GLP-Präsident den Pflanzenbau im Talgebiet forcieren. Was denken Sie über den Vorschlag? Können Sie diesem Positives abgewinnen? Oder lehnen Sie den Vorschlag ab? Abstimmen und mitdiskutieren

Jürg Grossen als Mitglied der Wirtschaftskommission (WAK) des Nationalrats zielt in einer Interpellation auf die Versorgungssicherheitsbeiträge, die an einen Mindesttierbesatz gekoppelt sind.

Er fragt den Bundesrat, inwiefern eine stärkere oder vollständige Ausrichtung der Versorgungssicherheitsbeiträge auf pflanzliche Produktion «unseren Klimazielen zuträglich wäre, den Bodenverbrauch und die Überdüngung reduzieren könnte, positiven Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung und die Gesundheitskosten hätte und dem Ziel einer langfristig besseren Versorgungssicherheit stärker entgegenkommen würde». 

Geht um Dauergrünland

Jetzt ist es aber so, dass es nur für Versorgungssicherheitsbeiträge auf dem Dauergrünland einen Mindesttierbesatz gibt, und das Dauergrünland ist vorwiegend im Hügel- und Berggebiet, wo der Ackerbau geringere Erträge hat oder unmöglich wird. Und das Dauergrünland kann nur mit Raufutterverzehrern (Kühen, Schafe, Ziegen, Pferde) für die menschliche Ernährung genutzt werden. Der Mensch kann Gras nicht verdauen.

Wenn Kühe auf Dauergrünland Gras fressen, ist das für das Klima kein Problem. Zudem ist es so, dass sich der von Grossen angesprochene Mindesttierbesatz laut Direktzahlungsverordnung ausdrücklich auf Raufutterverzehrer bezieht, die Schweine- und die Geflügelhaltung etwa sind davon völlig unberührt. Und der Mindesttierbesatz stellt sicher, dass das Futter auch eingebracht und für die menschliche Ernährung genutzt wird und die Flächen nicht nur gemulcht werden. Der Mindesttierbesatz ist recht tief angesetzt, tiefer als vom Bundesrat im Zuge der Abschaffung der Tierbeiträge zuerst gewollt, nachdem die Vereinigung der Bio-Weide-Beef-Halter gewarnt hatte, dass diese Bauern die Hürde sonst nicht schaffen.

«Fragen, keine Lösungen»

Was sagt Grossen zu all diesen Einwänden? «Mir geht es darum, dass sich die Schweizer Landwirtschaft, die hohe staatliche Unterstützung erhält, in eine Richtung entwickelt, die den Ressourcen Sorge trägt, das Klima schützt und die menschliche Gesundheit fördert. Dazu stelle ich in einer Interpellation Fragen, ich schlage keine fertigen Lösungen vor», so Grossen. Pflanzliche Fleischersatzprodukte könnten einen zentralen Beitrag zu einer umweltfreundlichen Ernährung und nachhaltigen Versorgung leisten. 

Deshalb möchte Grossen prüfen lassen, wie ein stärkerer Fokus der Politik auf die pflanzliche Produktion möglich wäre. Die Produktion hochwertiger Milch- und Fleischprodukte im Berggebiet will Grossen nicht infrage stellen. Aber auch da gebe es vielleicht noch unausgenutzte Chancen im  Pflanzenbau, etwa Bergkartoffeln oder Bergerdbeeren als Spezialität für die lokale Gastronomie. In erster Linie zielt Grossen aber auf das Talgebiet, wie er sagt, wo in seinen Augen sehr viele, ja zu viele Nutztiere gehalten werden und wo man mit dem Pflanzenbau mehr menschlich nutzbare Kalorien pro Hektare produzieren könnte.

Zur Erhaltung einer sicheren Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln werden Versorgungssicherheitsbeiträge ausgerichtet. Der Basisbeitrag stellt eine Grundproduktion sicher. Mit dem Beitrag für die offene Ackerfläche und für Dauerkulturen wird die Stützung dieser Flächen gegenüber dem Grünland erhöht. Die erschwerten Produktionsbedingungen in der Berg- und Hügelregion werden durch den Produktionserschwernisbeitrag ausgeglichen.

Damit Beiträge auf den Dauergrünflächen bezahlt werden, muss ein Mindesttierbesatz erreicht werden. Erreicht ein Betrieb den Mindesttierbesatz nicht, werden die Beiträge anteilsmässig für diejenigen Flächen ausgerichtet, auf denen der Mindesttierbesatz erfüllt wird. BLW

«Verbote liegen mir fern»

Auf den Einwand, dass sozusagen alles Fleisch, das hierzulande produziert wird, auch von hiesigen Konsumenten gegessen wird, und zwar völlig freiwillig, dass die hohen Mengen an importiertem Fleisch zeigen, dass die Nachfrage nach Fleisch das Angebot an Schweizer Fleisch noch bei Weitem übersteigt und er deshalb eigentlich direkt in den Konsum eingreifen, das heisst den Speiseplan diktieren müsste, sagt Grossen: «Verbote liegen mir fern. Es ist aber zu prüfen, wie man mit intelligenten Lösungen wie einer Lenkungsabgabe die Ernährungsmuster in Richtung mehr Nachhaltigkeit verschieben könnte. Das könnte heissen, dass Fleisch teurer wird.» 

Bei den Versorgungssicherheitsbeiträgen geht es um viel Geld. Von den rund 2,8 Milliarden Direktzahlungen pro Jahr entfallen knapp 1,1 Milliarden Franken auf diese Beiträge. 2018 wurde deer grösste Teil als Basisbeitrag ausgerichtet (75 %). Der Rest verteilt sich auf den Produktionserschwernisbeitrag (15 %) und den Beitrag für offene Ackerfläche und Dauerkulturen (10 %). 

Der Schweizer Bauernverband (SBV) kann sich mit dem Vorschlag von Grossen nicht anfreunden. Die Beiträge zur Versorgungssicherheit seien flächengebunden und würden heute schon vor allem dem Pflanzenbau zugutekommen, sagte SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein gegenüber den TX-Medien. 

Nun sind Sie an der Reihe, liebe Leserinnen und Leser. Was halten Sie vom Vorschlag von Jürg Grossen? Abstimmen und mitdiskutieren

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