7.05.2013 06:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Solothurn
Produktion muss Haupterwerb bleiben
Ein politisches Schwergewicht tritt von der Bühne ab: Christian Wanner, FDP, Finanzdirektor des Kantons Solothurn, war zuerst 12 Jahre im Nationalrat und nachher fast 18 Jahre im Solothurner Regierungsrat.

«Schweizer Bauer»: Wie kommt ein Landwirt dazu, Finanzspezialist zu werden?
Christian Wanner: Das ist eigentlich fürchterlich einfach: eins und eins ergibt zwei. Als Bauer muss man mit Geld umgehen können, will man erfolgreich sein.

Wurden Sie von Bankfachleuten immer akzeptiert?
Da hatte ich eigentlich nie Probleme damit. Ich habe in den 17 Jahren aber auch den Beweis erbracht. Als ich als Regierungsrat das Amt übernommen hatte, waren 1 Milliarde Franken Schulden da. Heute sind es 500 Mio. Eigenkapital.

In ihrer Partei, der FDP, hat es immer weniger Bauern. Warum?
Das stimmt. Als Bauer ist man schon bald ein Exot. Als ich im Nationalrat sass, waren es noch neun Bauern, heute noch etwa zwei. Ich weiss nicht wirklich, woran das liegt. Tatsache ist aber schon, dass SVP und BDP unter den Bauern grasen.

Welche Erfahrungen als Bauer konnten Sie als Regierungsrat einbringen?
Geduld und geerdet zu sein. Die Landwirtschaft ist entgegen dem heutigen Trend auf Langfristigkeit ausgerichtet. Dies kam mir immer wieder zugut.

Viele Bauern sind mit ihren Verbänden unzufrieden. Was sagen Sie diesen?
Verbände können immer daran gemessen werden, wie gut sie sich für ihre Mitglieder einsetzen. Doch an der Unzufriedenheit tragen nicht nur die Verbände alleine die Schuld. Die Bauern sollten besser zusammenhalten und Verantwortung übernehmen. Landwirte setzen sich auf politischer Ebene zu wenig ein, sei es nur im Gemeinderat, um ihre Interessen zu vertreten.

Weshalb ist der Schweizerische Bauernverband in wichtigen Fragen der AP 2017 im Parlament nicht erfolgreich?
Als Präsident der beratenden Kommission betrachte ich die Umlagerung der Tierbeiträge auf die Fläche als den wichtigsten Punkt. Die Bauern waren früher breiter vernetzt. Heute reden zu viele mit und betrachten sich als legitimiert, mitzureden. Seien dies Politiker, Funktionäre oder Konsumenten. So beeinflussen sie ganz direkt die Auswirkungen der Direktzahlungen.

Aber wie stehen Sie persönlich zur AP 2017?
Es ist ein politischer Kompromiss. Fragwürdig ist jedoch die vermehrte Ökologisierung bei gleichzeitig sinkendem Selbstversorgungsgrad der Schweiz. Trotzdem stehe ich dahinter. Sie ist nicht nur schlecht, und ich warne vor einem Referendum. Ich habe bisher noch keinen besseren Vorschlag gehört. Raumplanungsfragen und der Verbrauch von Kulturland sind eine ernste Bedrohung. Gut, dass die Lobag eine Initiative startet. Da müssen die Bauern Argumente liefern. Aber leider spielen zu viele Bauern auf zwei Klavieren, dem der Produktion und dem des Baulandverkäufers.

Umweltorganisationen, Tierschutz und Konsumenten üben Kritik an den Bauern. Was müssen diese dagegen tun?
Gute Nahrungsmittel produzieren. Die Lebensmittelproduktion muss klar der Haupterwerb der Landwirtschaft bleiben. Es darf nicht sein, dass nichts oder wenig arbeiten mehr bringt, als jeden Tag um halb sechs aufzustehen. Und eben noch einmal: Einfluss nehmen und Fakten und Argumente liefern, statt resignieren.

Was halten Sie von einem Freihandelsabkommen mit der EU?
Da bin ich dagegen. Auch wenn uns mit schlagenden Argumenten die Vorteile der gemachten Anstrengungen vor Augen gemalt werden. Ich bin überzeugt, dass wir trotz allem nicht gleich lange Spiesse hätten. Auch wenn das viele behaupten. Das würde sich besonders bei den kompensatorischen Zahlungen an die EU zeigen. Zudem wären wir wie heute weiterhin von der Budgetlaune in Bern abhängig. Ich bin froh, dass wir nicht in der EU dabei sind.

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