20.01.2015 14:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
Quecksilber: Runder Tisch sucht nach Lösungen
Visp und drei benachbarte Gemeinden sollen bei der Aufarbeitung der Quecksilberproblematik im Oberwallis stärker von der Lonza und dem Kanton miteinbezogen werden. Alle Parteien signalisierten Interesse, auch für schwach verschmutzte Grundstücke, die nicht saniert werden müssen, eine Lösung zu finden.

Vertreter der Gemeinden Visp, Raron, Baltschieder und Niedergesteln haben sich mit einer Delegation des Verwaltungsrates der Lonza und dem Walliser Staatsrat zu einem runden Tisch getroffen. Ziel des Treffens war es, die betroffenen Gemeinden aus erster Hand über den Stand der Untersuchungen und die geplanten Massnahmen zu informieren, wie die Walliser Staatskanzlei am Dienstag mitteilte.

Neuer Wert ab März

Der Bundesrat setzte per 1. März 2015 einen neuen Sanierungswert für mit Quecksilber kontaminierte Standorte bei Familien- und Hausgärten, Spielplätze und Anlagen fest, auf denen regelmässig Kinder spielen. Der Grenzwert in der Altlasten-Verordnung wurde von heute 5 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Erdreich auf 2 mg/Kilo gesenkt.

Zwei Studien im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) haben ergeben, dass die Gesundheit von spielenden Kindern bereits bei 2 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Boden gefährdet werden könnte.

Konzentrationen bis zu 75 Milligramm

Hintergrund des gesenkten Sanierungswertes sind grossflächige Belastungen von Böden mit Quecksilber im Oberwallis. Im Raum Visp wurden in einem Wohngebiet Konzentrationen des hochgiftigen Schwermetalls von bis zu 75 Milligramm pro Kilo Erdreich gefunden. Die grossflächige Verschmutzung des Gebietes war 2010 bei Baurabeiten entdeckt worden. Der Basler Chemiekonzern Lonza verwendete in seinem Werk in Visp während Jahrzehnten Quecksilber zur Herstellung von Acetaldehyd, Vinylchlorid und Chlorgas.

Beim jüngsten Treffen mit den Gemeinden waren laut Staatskanzlei die Böden im Siedlungsgebiet mit einer Belastung zwischen 0,5 und 2 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Boden ein wichtiges Thema. Diese Böden sind auch mit dem herabgesetzten Sanierungswertes laut Gesetz zwar belastet, aber nicht sanierungsbedürftig. Auch wenn hier aktuell noch keine konkreten Ansätze vorlägen, seien alle involvierten Parteien bestrebt, eine Lösung zu erarbeiten, heisst es.

IG: «Druck zahlt sich aus»

Die IG Quecksilber bezeichnete es als erfreulich, dass Lonza, Kanton und Gemeinden eine Lösung für die in Wohngebieten liegenden Terrains unterhalb des Sanierungsgrenzwertes suchten. Der in den letzten Monaten aufgebaute Druck zahle sich langsam aber sicher aus, schrieb die IG Quecksilber, die rund 70 Eigentümer vertritt, am Dienstag.

Selbstverständlich, aber positiv ist für die IG zudem, dass das Chemiewerk, der Staat und die Gemeinden in der Aufarbeitung der Quecksilberproblematik künftig enger zusammenarbeiten. Bedauerlich sei hingegen, dass die Eigentümer und deren Vertreter im Gegensatz zu den Gemeinden nach wie vor nicht im Kernteam vertreten seien.

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