23.01.2014 10:24
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
Quecksilber-Verschmutzung: Regierung und Lonza spannen zusammen
Im Falle der von Quecksilber verschmutzten Wohnzone bei Visp spannen die Walliser Regierung und das Chemieunternehmen Lonza zusammen. Ein Komitee soll geeignete Lösungen erarbeiten. Der Konzern verpflichtet sich, die Sanierung der stark belasteten Parzellen im Siedlungsgebiet Turgi vorzufinanzieren.

Zusätzlich wird Lonza die notwendigen Massnahmen vorfinanzieren, um belastete Parzellen zu identifizieren und deren Umwelteinwirkungen auszuwerten. Dieser Entscheid komme aber keinem Schuldeingeständnis von Lonza gleich, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag. Die Frage der Verantwortlichkeit werde derzeit vom Walliser Umweltdepartement untersucht.

3,1 Tonnen Quecksilber

Grundsätzlich gelte das Verursacherprinzip, heisst es auf der offiziellen Webseite des Kantons Wallis. «In erster Linie trägt die Kosten für die Untersuchung, Überwachung und Sanierung belasteter Standorte, wer die Massnahmen durch sein Verhalten verursacht hat.» Sollten mehrere Verursacher beteiligt sein, werden die Kosten entsprechend durch das Umweltdepartement verteilt.

Das Departement hatte vor zwei Wochen die Bevölkerung über das Ausmass der Umweltvergiftung informiert. Insgesamt sollen zwischen 1930 und Mitte der 1970-er Jahre 3,1 Tonnen Quecksilber über industrielle Abwässer der Lonza in den Grossgrundkanal gelangt sein. Dies hat jedoch den Bestimmungen dieser Zeit entsprochen, wie Raoul Bayard, Leiter des Lonza-Standorts Visp, erklärte.

Weitere Voruntersuchung im Gange

Ein neugegründetes Koordinationskomitee soll nun dazu beitragen, dass effiziente Lösungen gefunden werden. Es setzt sich aus den beiden Walliser Regierungsräten Jacques Melly und Jean-Michel Cina sowie zwei Verwaltungsräten von Lonza zusammen. Dem Komitee fällt die Aufgabe zu, thematische Gruppen zu leiten, bei denen Vertreter des Kantons und von Lonza beigezogen werden.

Die Lösungen müssten auf die Gesundheit der Bevölkerung sowie auf die Anforderungen der Altlastenverordnung eingehen, heisst es weiter. Bis die stark belasteten Parzellen saniert sind, dürfen private Gärten und Kinderspielplätze nicht mehr genutzt werden.
Die erhöhten Werte wurden 2010 und 2011 bei Vorbereitungsarbeiten für eine Autobahnbaustelle bemerkt. Der Kanton ordnete darauf weitere Analysen an. Diese zeigten, dass im Siedlungsgebiet Turgi in 10 von 36 analysierten Parzellen mehr als fünf Milligramm pro Kilogramm Quecksilber gefunden wurde.

Auch Landwirtschaftszone betroffen

Während die Quecksilberbelastung im Grossgrundkanal sowie in den angrenzenden Gebieten erwartungsgemäss hoch sei, seien die untersuchten Landwirtschaftsparzellen weniger stark belastet als befürchtet, teilten die Walliser Behörden mit.

Aber auch von diesen Parzellen wiesen einige eine starke Quecksilberbelastung auf. Die betroffenen Parzellen dürfen ebenfalls nicht mehr genutzt werden. Auf den weniger stark vergifteten Parzellen soll nach Weisung des Kantons kein Vieh mehr grasen.

Zurzeit ist eine zweite Voruntersuchung im Gange, die 43 weitere Analysen umfasst. Für alle Parzellen, die einen tieferen Verschmutzungsgrad als fünf Milligramm pro Kilogramm Quecksilber aufweisen, sollen anhand einer Risikoanalyse notwendige Massnahmen getroffen werden.

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