14.08.2013 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Revidiertes Waldgesetz: Anderes Vorgehen gewünscht
Der Wald soll vor Klimawandel und Schädlingen geschützt und besser genutzt werden: Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Änderungen des Waldgesetzes werden von Kantonen und der Waldwirtschaft zwar grundsätzlich unterstützt, sie wünschen sich aber ein anderes Vorgehen.

Der Bundesrat will den Schweizer Wald auf den Klimawandel vorbereiten. Dies ist eines der Hauptziele bei den Neuerungen im Bundesgesetz über den Wald, für welches das Vernehmlassungsverfahren am Mittwoch zu Ende ging. 

Rolle als Energieträger stärken

Der Bund will künftig jährlich rund 20 Millionen Franken mehr für Massnahmen ausgeben, welche den Wald stärken - das zusätzliche Geld soll namentlich für Jungwald eingesetzt werden. Für den Baumbestand ausserhalb des Schutzwaldes gibt es neu Fördermittel. 

Die restlichen Gesetzesänderungen enthalten unter anderem Massnahmen, um Schädlinge zu bekämpfen und die Artenvielfalt im Wald zu erhöhen. Die Eigentümer sollen mehr Spielraum haben, ihren Wald zu bewirtschaften - dadurch soll insbesondere die Rolle von Holz als Energieträger gestärkt werden. 

Es ist der zweite Versuch innert fünf Jahren, das Waldgesetz zu ändern. 2008 verwarf das Parlament das revidierte Waldgesetz. Die meisten umstrittenen Aspekte der alten Vorlage sind im neuen Entwurf aber nicht enthalten. Im 2012 hat das Parlament das Gesetz gelockert und zum Beispiel mehr Flexibilität bei Rodungen zugelassen. 

Zuerst Prioritäten definieren 

Die kantonalen Forstdirektorenkonferenz (FoDK) vermisst bei der neuen Vorlage klare Prioritäten, wie der Sekretär Otmar Wüest der Nachrichtenagentur sda sagte. «Bei der Überarbeitung des Gesetzes sind zu viele Elemente berücksichtigt worden. Die wichtigsten Punkte müssen gemeinsam definiert werden.» Die FoDK möchte darum die Vernehmlassung bis am 2. September verlängern. 

Die Kantone kritisieren, dass sie mehr Mittel für den Wald aufbringen müssen, wenn der Bund seine Ausgaben erhöht. Für das zusätzliche finanzielle Engagement fehlen den Kantonen laut Wüst das Geld. Der Bund übernimmt nur rund 40 Prozent der Kosten für die Waldpflege - zurzeit 60 Millionen Franken. Den Rest bezahlen die Besitzer und die Kantone, wie Wüst erklärte. 

Mehr Spielraum für Besitzer 

Wie die Kantone möchten auch die Waldbesitzer anders als der Bundesrat vorgehen. Sie schlagen vor, das Gesetz in zwei Schritten zu revidieren. Zuerst sollten jene Änderungen gemacht werden, die wichtig oder unbestritten sind. 

Priorität hat für den Dachverband der Eigentümer, Waldwirtschaft Schweiz (WVS), dass die Waldbesitzer mehr wirtschaftlichen Spielraum erhalten. «Fast die Hälfte der Eigentümer macht Verluste wegen der teuren Bewirtschaftung im Berggebiet und wegen des Effekt des starken Frankens im Exportgeschäft», sagte WVS-Direktor Markus Brunner. 

Ein ähnliches Anliegen hat Lignum: Die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft fordert, dass insbesondere die Infrastruktur für die Waldbewirtschaftung gefördert wird. 

Bauernverband fordert stärkeren Fokus auf Nutzung

Für den Schweizerischen Bauernverband (SBV), dessen Mitglieder viel Wald besitzen, werden mit den Änderungen die richtigen Ziele verfolgt. Er wünscht sich aber einen stärkeren Fokus auf die Nutzung des Waldes. Es brauche zusätzliche Massnahmen, um die Erschliessung zu fördern. 

Die Naturschutzorganisation Pro Natura vermisst bei den Passagen zur Schädlingsbekämpfung eine klare Unterscheidung zwischen exotischen und einheimischen Arten. Exotische Schädlinge müssten konsequenter bekämpft werden. Pro Natura befürchtet zudem, dass vermehrt fremde Baumsorten angepflanzt werden, um den Wald auf den Klimawandel vorzubereiten. «Wenn versucht wird, das Problem auf diesem Weg zu lösen, wird nur ein neues Problem geschaffen», sagte Marcus Ulber, Projektleiter Naturschutzpolitik.

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