22.11.2018 14:20
Quelle: schweizerbauer.ch - ber, mgt
Agrarpolitik
SBV verabschiedet Resolution zur Agrarpolitik 22+
An der heutigen Jahresversammlung haben die Delegierten des Schweizer Bauernverbands eine Resolution zur Agrarpolitik 22+ verabschiedet. Darin fordern sie unter anderem mehr Stabilität bei den Rahmenbedingungen, die Umsetzung des neuen Artikels 104a zur Ernährungssicherheit und weniger Administration. Zu den weiteren Themen zählte der Umgang mit der Trinkwasserinitiative und der Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. Zudem wurden die Siegerinnen und Sieger in den landwirtschaftlichen Berufen der SwissSkills 2018 geehrt.

An der 86. Delegiertenversammlung (DV) des Schweizer Bauernverbands (SBV) in Bern stand die letzte Woche vom Bundesrat veröffentlichte Botschaft zur Agrarpolitik ab 2022 im Zentrum. Aus Sicht des Dachverbands bringe die erneute Gesetzesreform zu wenig Mehrwert, um die damit verbundenen langen Diskussionen in Parlament und Öffentlichkeit sowie die internen Verteilkämpfe zu rechtfertigten, schreibt der Schweizer Bauernverband in einem Communiqué.

Die nötigen Änderungen liessen sich auch auf Verordnungsebene umsetzen. Besonders störend empfindet der SBV, dass der erteilte Volksauftrag nach der klaren Annahme des Artikels 104a zur Ernährungssicherheit immer noch nicht beim Bundesrat angekommen ist. Ebenso stösst er sich an den wiederum grossen Änderungen im Direktzahlungssystem und dem Fehlen einer administrativen Vereinfachung. Die fehlende Stabilität der Rahmenbedingungen würden unnötig unternehmerische Ressourcen auf den Betrieben binden.

Bauern sind bereit

Die an der Versammlung geäusserten Voten zeigten: «Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern sind bereit, ihr Engagement in den Bereichen der Lebensmittelversorgung, des Tierwohls und der Erhaltung der Ressourcen entsprechend den Erwartungen der Bevölkerung und des Verfassungsauftrags weiterzuführen» heisst es weiter.

Anpassungen würden unterstützt, wo diese nötig seien aber auch einfache, verständliche und effektive agrarpolitische Massnahmen. Die nun in die Vernehmlassung befindliche Botschaft erfülle diese Ziele der Bauernfamilien nicht. Die Versammlung verabschiedete deshalb eine Resolution mit den entsprechenden Forderungen.

Grosse Sorgen wegen Trinkwasser-Initiative

Den Delegierten bereitete die dieses Jahr eingereichte Initiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung grosse Sorgen. Die mit dem Titel suggerierten Ziele liessen sich durch die reine Ausrichtung auf die Landwirtschaft und die praxisfremden Forderungen nicht erreichen, so die Überzeugung der Betroffenen.

Problematisch sei einerseits das Verbot jeglicher Pflanzenschutzmittel, das sogar natürliche und im Biolandbau zugelassene Mittel umfasst. Andererseits sei die Forderung, Nutztiere ausschliesslich betriebseigenes Futter erhalten zu müssen, nicht durchdacht. Eine Zusammenarbeit zwischen den Betrieben wäre nicht mehr möglich und Schweine oder Geflügel könnten nur noch in Ackerbaugebieten gehalten werden.

Ebenfalls auf den Pflanzenschutz zielt die zweite dieses Jahr eingereichte Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. Der SBV und seine Mitgliedorganisationen planen die Bevölkerung besser zu informieren, Hintergründe darzulegen und aufzuzeigen, wie sie die nötigen Verbesserungen auf anderen Wegen angehen.

Positive Themen

Die Delegiertenversammlung widmete sich nicht nur negativen Themen, sondern ehrte auch die Podestplatz-Gewinnerinnen und Gewinner in den landwirtschaftlichen Berufen an den SwissSkills 2018: Landwirt/-in, Winzer/-in, Gemüsegärtner/-in, Weintechnologen/-innen und Pferdefachleute.

Johannes Meyer, der frisch gekürte Schweizer Meister bei den Landwirten, blickte an der Versammlung auf den Wettkampf zurück und äusserte seine Wünsche für die Zukunft.

Beiträge für 2019 gutgeheissen

Weiter informierten sich die Delegierten weiter über den Stand Umsetzung bei der Neuregelung der produktbezogenen Beiträge an den SBV und hiessen die Beiträge für 2019 gut. Nach kurzer Diskussion wurde auch eine Präzisierung der Statuten genehmigt: Der Rücktritt nach Erreichen des 65. Altersjahrs muss neu auf Ende der ordentlichen Amtszeit erfolgten. Wiederum gab es verschiedene Wechsel in den Gremien.

Andreas Baumann (UR), Markus Lüscher (BE), Thomas Rickenbacher (ZG), Nicolas Pape (JU), Markus Gerber (ASR), Reto Grünenfelder (ASR), Jürg Iseli (SMP), Daniel Vetterli (SMP), Steve Mottiez (SMP), Edith Nüssli (Gallosuisse) und Hans Kohler (SAV) sind neu Mitglieder der Landwirtschaftskammer. Die übrigen Traktanden der Versammlung verliefen ohne besondere Vorkommnisse: Die Delegierten genehmigten das letztjährige Protokoll, den Jahresbericht 2017 und das Tätigkeitsprogramm 2019. Die nächste DV des SBV findet am 21. November 2019 wiederum in Bern statt.

Medienpreis 2018

Zum zehnten Mal vergab der Schweizer Bauernverband an seiner DV einen Medienpreis und zeichnete damit eine überzeugende, mediale Auseinandersetzung mit dem Thema Landwirtschaft aus. Der Preis wurde zum ersten Mail nicht nur für die Deutsch- und Westschweiz, sondern auch für das Tessin ausgerichtet. Der Medienpreis im Wert von je 2000 Franken wurde von der Agrisano gesponsert. Agrisano ist eine Tochter des SBV im Versicherungsbereich.

Wildheuer-Film gewinnt

Der Preis für die Deutschschweiz geht an Beat Bieri vom Schweizer Fernsehen SRF für den Film „Der Wildheuer – Senkrecht über dem Urnersee“ der am 1. März 2018 im Rahmen der DOK-Serie zu sehen war. Beat Bieri begleitete dabei die Bergbauernfamilie Gisler auf dem Urner Oberaxen über mehrere Jahre.

Im Sommer 2016 kommt es zur Tragödie. „Axiger Sepp“ stürzt beim Wildheuen in die Tiefe und verunglückt tödlich. Bieri entscheidet sich dafür, mit Einverständnis der Familie sein Film-Projekt fortzufahren. Der Film wird zu einer Erinnerung an Sepp Gisler und zeigt wie dessen Tochter Julia Gisler den Hof übernimmt.

Nach 50 Alpsommern

Der Preis für die Westschweiz gewann Philippe Huwiler von Radio Fribourg für seinen Beitrag „Dernière désalpe de Gérard Morard, 73 ans“, der am 26. Oktober 2017 ausgestrahlt worden war. Es begleitet in dieser Reportage den 73-Jährigen Gérard Morard, der nach einem halben Jahrhundert den letzten Sommer in den Greyerzer Alpen verbracht hat.

Erster Preis fürs Tessin

Den erstmaligen Preis für das Tessin konnte Valeria Bruni für ihren Filmbeitrag „Agricoltura e transumanza“ abholen. Dieser wurde im Rahmen der Serie Superalbum am 3. Februar 2018 auf RSI gezeigt. Er widmete sich der Tessiner Landwirtschaft, ihren Veränderungen im Verlaufe der Zeit und den aktuellen Herausforderungen.

 

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