8.01.2020 16:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sal
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Schleppschlauch: Ja zu Pflicht?
Ab 2022 sollen die Landwirte die Gülle nur noch mit dem Schleppschlauch ausbringen. Mit einem Obligatorium sollen die Ammoniakemissionen sinken, so der Bundesrat. Mehrere bäuerliche Nationalräte hinterfragen die Pflicht. Befürworten Sie ein Obligatorium? Oder geht dies zu weit? Abstimmen und mitdiskutieren

Beim «Bschütte» sollen ab dem 1. Januar 2022 neue Vorschriften in Kraft treten. Das Ausbringen der Gülle mit dem Schleppschlauch soll obligatorisch werden, wo es topografisch möglich ist. 

90 Prozent aus Landwirtschaft

«Obwohl die landwirtschaftlichen Ammoniakemissionen zwischen 1990 und 2015 um 18 Prozent verringert werden konnten – in erster Linie aufgrund der Verringerung des Tierbestandes zwischen 1990 und 2000 – besteht nach wie vor eine Ziellücke und die Umsetzung konkreter technischer Minderungsmassnahmen ist von grosser Bedeutung», heisst es im Bericht zur Änderung der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) von März 2019. Der Bundesrat will die LRV anpassen und der nimmt die Ammoniakemissionen ins Visier.

«Da über 90 Prozent der schweizweiten Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft stammen, sind Reduktionsmassnahmen in diesem Sektor unabdingbar», heisst es im Bericht weiter. Der Bundesrat sieht zwei Stossrichtungen bei der Reduktion vor. Einerseits beim Ausbringen der Gülle, andererseits bei der Abdeckung von Jauchegruben. In der Verordnung soll deshalb festgehalten werden, dass Gülle nur noch mit Schleppschlauchverteilern und nicht mehr mit Pralltellern ausgebracht werden darf.

Bundesrat erhofft signifikanten Rückgang

Ausnahmen soll es nur noch wenige geben. «Diese Anforderungen müssen nicht eingehalten werden, wenn die Verfahren aus technischen oder betrieblichen Gründen, insbesondere aufgrund der Topografie, nicht anwendbar sind», soll es künftig in der Verordnung heissen. Prallteller wären in diesen Fällen noch erlaubt.

Mit der Verschärfung der Verordnung erhofft sich der Bundesrat einen signifikanten Rückgang der Ammoniakemissionen. Viele Bauern würden die beiden «bewährten» Massnahmen bereits anwenden, teilte der Bundesrat im März 2019 mit.

Politische Vorstösse gegen Pflicht

Bei den Bauern stösst die Pflicht auf wenig Gegenliebe. Die Nationalräte Marcel Dettling (SVP/SZ), Martin Haab (SVP/ZH) und Andreas Gafner (EDU/BE) hinterfragen das Obligatorium für den Schleppschlauch und haben im Dezember 2019 entsprechende Vorstösse lanciert.

Marcel Dettling hält in seiner Interpellation fest, dass das Obligatorium neben möglichen Vorteilen betreffend Ammoniakemissionen vor allem auch grosse negative Begleiterscheinungen hätte. Er denkt an den höheren Bodendruck sowie an eine Erhöhung des CO2-Ausstosses, weil Güllefässer mit Schleppschlauch in der Regel schwerer seien als solche ohne. 

Nachweis der Reduktion fehlt

Solche Fässer seien auch breiter, was auf den Strassen gefährlicher sei. Und Güllebänder könnten zu Futterverschmutzungen und Fehlgärungen bei der Silage führen. Dettling will vom Bundesrat wissen, ob Untersuchungen durchgeführt wurden und wie Ergebnisse lauten.

Martin Haab verweist in seiner Interpellation auf die theoretische Annahme, dass mit dem Schleppschlauch die Ammoniakemissionen beim Ausbringen der Gülle um bis zu 35% reduziert werden. Bei Ammoniakprojekten, die zwischen 2008 und 2018 in 21 Kantonen durchgeführt worden seien, fehle dieser Nachweis bei den angeordneten Messungen, hält der Nationalrat fest. Haab will vom Bundesrat wissen, auf welche wissenschaftlichen Grundlagen er sich stützt.

Erhöhter Bodendruck

Andreas Gafner reichte eine Interpellation zum Thema Schleppschlauch ein. Er will vom Bundesrat wissen, ob die Wirksamkeit des Schleppschlauches mit «fundierten» Zahlen belegt werden kann. «Zwischen Praxis und Theorie gibt es eine Diskrepanz», schreibt er. 

Ein Obligatorium stelle viele Betriebsleiter erneut vor neue Investitionen. Zwar können eine Schleppschlauchpflicht mit Lohnunternehmen überbetrieblich gelöst werden. Natürlich ist es möglich dies auch überbetrieblich zu lösen, Die schweren Maschinen würden aber den Bodendruck erhöhen und somit die Bodenverdichtung fördern. 

Kommentare eher kritisch

Ein Obligatorium ist bei den Leserinnen und Leser von schweizerbauer.ch umstritten. «Der Schleppschlauch funktioniert nur mit separierter oder gehäckselter, stark verdünnter Gülle. Andernfalls wird das Futter zu stark mit Güllemädli verschmutzt. Die Ausbringung mit Schleppschlauch wird viel mehr Energie benötigen und den CO2- Ausstoss massiv erhöhen», schreibt «Bauer79» in einem Kommentar.

«Als junger Landwirt appelliere ich an euch, dass wir endlich als Einheit auftreten und uns dagegen stellen. Mehr Kosten, mehr Bodendruck, mehr CO2, nur ein minim geringerer Vorteil», kommentiert Landwirt von Lindenberg.

«Offenbar berücksichtigt der Bundesrat nur Studien, welche sein Ziel stützen. Die Studie, wonach die Ausbringung mit Schleppschlauch keinen signifikanten Mehrertrag bringt, wird nicht berücksichtigt. Kein Mehrertrag bedeutet, dass den Pflanzen nicht mehr Stickstoff in Ammoniumform zur Verfügung steht. Das wiederum lässt den Schluss zu, dass Ammoniak nicht im Boden geblieben, sondern verdampft ist. Die Schleppschlauchausbringung kann Ammoniakverluste senken, aber nur bei guten Wetterbedingungen», hält sepplis Vater fest. 

Zufrieden mit dem Schleppschlauch ist hingegen «ar-bauer»: «Ich habe seit 20 Jahren einen Schleppschlauch und bin damit sehr zufrieden, Meine nichtbäuerlichen Nachbarn schätzen ihn auch. Zum Güllemädli: Schaut doch, dass die Gülle verrottet ist, sie wirkt so auch besser. Wenn es trotzdem Mädli gibt, nicht so scharf mähen, Erntemaschinen höher stellen Bei trockenem Wetter mit Prallteller bleiben Strohreste am Gras auch kleben, nur die Mädli sieht halt man besser», schreibt er. 

Wie denken Sie über ein Obligatorium? Unterstützen Sie eine Schleppschlauchpflicht? Oder würde ein solche Vorschrift nur Nachteile mit sich bringen? Abstimmen und mitdiskutieren

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