2.11.2016 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Freihandel
Schweiz und Mexiko wollen Freihandel stärken
Die Schweiz und Mexiko verhandeln über eine Erneuerung ihres Freihandelsabkommens. Wie bedeutend der gegenseitige Austausch ist, unterstreicht der Staatsbesuch von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann am kommenden Donnerstag und Freitag.

Bereits im vergangenen Jahr unterzeichneten Aussenminister Didier Burkhalter und sein mexikanischer Amtskollege José Antonio Meade Kuribreña eine Gemeinsame Erklärung. Neben einer stärkeren Zusammenarbeit in der UNO, bei Menschenrechtsthemen und bei Entwicklungsprojekten sieht die Erklärung eine Aktualisierung des in die Jahre gekommenen EFTA-Freihandelsabkommens vor.

Schneider-Ammann sondiert


Beim Besuch von Bundespräsident Schneider-Ammann mit einer Wirtschaftsdelegation in Mexiko-Stadt geht es um die Umsetzung dieser Vereinbarung. Entsprechende Verhandlungen sind bereits angelaufen. Der Marktzugang für Schweizer Waren, Dienstleistungen und Investitionen soll weiter erleichtert sowie das öffentliche Auftragswesen erweitert werden.

Für die Schweiz ist nicht zuletzt wegen der Frankenstärke und ihrer Nichtmitgliedschaft in der EU die weitere Öffnung der Exportmärkte von zentraler Bedeutung.

Stärkere bilaterale Zusammenarbeit


Auch auf bilateraler Ebene sollen die Beziehungen mit Mexiko ausgebaut werden. So wird der Bundespräsident am Donnerstag gemeinsam mit Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villareal an der Gründungszeremonie der schweizerisch-mexikanischen Industrie -und Handelskammer teilnehmen.

Zudem wird Schneider-Ammann mit dem mexikanischen Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer die Schweizer Allianz für Berufsbildung lancieren. Die Zusammenarbeit soll helfen, das System der Berufslehre in Mexiko zu etablieren sowie den Bildungstransfer zwischen den beiden Ländern zu stärken. Am Freitag schliesslich steht für den Bundespräsidenten der Empfang mit militärischen Ehren und ein anschliessendes Gespräch bei Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto auf dem Programm.

Kaffee, Honig und Bier

Mexiko ist nach Brasilien der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz in Lateinamerika. Im vergangenen Jahr wurden Produkte im Wert von 1,4 Milliarden Franken nach Mexiko exportiert. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Waren mit hohem Mehrwert, wie pharmazeutische und chemische Produkte, Vitamine und Diagnostika, Maschinen, Apparate und Elektronik sowie Uhren und Präzisionsinstrumente.

Doch auch das Importvolumen aus Mexiko ist mit 1,1 Milliarden Franken beträchtlich. Die Schweiz führt vor allem chemische Produkte, Autos, landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Kaffee, Honig und Bier und in geringerem Masse Maschinen aus Mexiko ein. Die Schweiz ist für Mexiko zudem der achtgrösste Investor im Land. Die Direktinvestitionen wiesen per Ende 2014 einen Bestand von 7,6 Milliarden Franken auf.

Allein der Nahrungsmittelmulti Nestlé will in der Periode von 2014 bis 2018 insgesamt eine Milliarde Dollar in neue Fabriken investieren. Anfang Oktober erst eröffnete Nestlé in Mexiko eine neue Produktionsstätte für die Herstellung von Babynahrung. Insgesamt beschäftigen Schweizer Unternehmen in Mexiko über 30'000 Angestellte.

Freihandelsabkommen als Katalysator


Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben eine lange Tradition. Bereits 1827 eröffnete die Schweiz ein Honorarkonsulat in Mexiko-Stadt. Ein erster Austausch setzte Mitte des 19. Jahrhunderts ein, er war hauptsächlich wirtschaftlicher Natur. Offizielle diplomatische Beziehungen bestehen seit Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren.

So richtig Fahrt aufgenommen hat der Handel zwischen der Schweiz und Mexiko aber erst im neuen Jahrtausend. 2001 unterzeichnete die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) - zu der neben Norwegen, Island und Liechtenstein auch die Schweiz gehört - ein Abkommen mit Mexiko. Die Vereinbarung hatte Pioniercharakter, war es doch das erste Freihandelsabkommen, das die EFTA mit einem Land ausserhalb Europas und des Mittelmeerraums schloss.

Die Vereinbarung eröffnete der Schweizer Wirtschaft einen vergleichbaren Zugang zum mexikanischen Markt wie ihn zuvor bereits die EU, die USA und Kanada hatten. Nach einer schrittweisen Reduktion der Zölle ist der Handel mit Industriewaren, Produkten der chemischen Industrie sowie Pharmazeutika seit 2007 zollfrei. Eingeschlossen in die Zollbefreiung sind auch Dienstleistungen, wovon insbesondere die Schweizer Banken und Versicherungen profitieren.

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