28.08.2014 15:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Freihandel
Schweizer Schoggi für Panama und Costa Rica
Während die Wirtschaft in den lateinamerikanischen Schwergewichten Brasilien und Argentinien schwächelt, boomt sie in Mexiko, Chile, Kolumbien, Peru, Panama und Costa Rica. Die Schweiz will davon dank Freihandelsabkommen profitieren.

Den Freihandelsvertrag mit den zentralamerikanischen Ländern Panama und Costa Rica, der am Freitag in Kraft tritt, hat die Schweiz zusammen mit den EFTA-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein ausgehandelt. Insbesondere das Kanalland Panama ist aus Schweizer Sicht wichtig.

Eintrittsticket zur Zollunion Pazifik-Allianz

«Panama funktioniert als Logistik-Hub für die Verteilung der Güter von Mexiko im Norden bis Chile im Süden», erklärt Chris Watts, Leiter der Region Amerika bei der Aussenhandelsorganisation Switzerland Global Enterprise (S-GE, ehemals Osec) zur Nachrichtenagentur sda. Der Kleinstaat verfügt in der Hafenstadt Colón auf der karibischen Seite des Panamakanals über die grösste Freihandelszone in ganz Amerika.

Die Produkte in den Containern, die aus der Schweiz für den Warenumschlag nach Colón gelangen, erscheinen in der Handelsstatistik von Panama. Konkrete Zahlen, wie viele Güter danach im Land verbleiben, gibt es nicht. «Es ist davon auszugehen, dass ein Grossteil weiter transportiert wird», sagt Watts.

Wichtige Absatzmärkte sind Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile. Mit ihnen hat die Schweiz Freihandelsabkommen abgeschlossen. Die Länder haben sich zudem 2012 zur Zollunion Pazifik-Allianz zusammengeschlossen. Panama und Costa Rica wollen bald beitreten. «Panama kann der Schweizer Wirtschaft als Eintrittsticket in diese Freihandelszone dienen», sagt Watts. Schon jetzt weisen die Staaten Wachstumsraten von 4 bis 8 Prozent auf.

Maschinenindustrie profitiert

Auch abgesehen von der wirtschaftlichen Bedeutung von Colón am Panamakanal begrüsst Watts das Freihandelsabkommen. Nach Ablauf der Übergangsfristen in zehn Jahren könnten Schweizer Firmen bis zu 5 Mio. Fr. jährlich an Zöllen sparen, sagt Watts. Dies entspricht etwas weniger als 1 Prozent des gesamten Handelsvolumens zwischen der Schweiz und den beiden Ländern.

Die Wirtschaftsbranchen profitieren dabei unterschiedlich. Die Pharmaindustrie, welche mehr als die Hälfte der gesamten Schweizer Exporte nach Zentralamerika stellt, kommt nur geringfügig in den Genuss vom Abkommen, da ausser in der Veterinärmedizin, keine Zölle auf Medikamente erhoben werden, wie aus einem S-GE-Bericht hervorgeht. Anders sieht es bei den Maschinen, Instrumenten und Elektronikgütern aus. Hier erwartet S-GE Zolleinsparungen von bis zu 3 Mio. Franken. Weiter profitieren demnach auch die Uhrenindustrie und Edelmetallverarbeiter.

Billigere Bananen und Kaffee

Bei den Lebensmitteln und Landwirtschaftsprodukten gibt es hingegen nur vereinzelte Zollreduktionen. So gesteht Panama der Schweiz ein Kontingent für Käse zu. Auch Schokolade, Bonbons, Bündnerfleisch, Zigaretten, Weine und Tierfutter sollen laut S-GE zollfrei gehandelt werden.

Auch die Schweizer Konsumenten profitieren vom Abkommen, wie Didier Chambovey, Leiter Welthandel vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage sagte. Insbesondere Bananen und Kaffee aus den zentralamerikanischen Staaten würden ab Freitag zollfrei gehandelt.

Das Abkommen gehe aber über den Warenhandel hinaus, sagt Chambovey, da auch Dienstleistungen und das öffentliche Beschaffungswesen darin eingeschlossen seien. «Von der Rechtssicherheit profitieren insbesondere Banken und Versicherungen.» Logistikfirmen könnten zudem von staatlichen Aufträgen im Zusammenhang mit dem Ausbau des Panama-Kanals profitieren.

Menschenrechte «ungenügend»

Als weiterer Punkt sind Menschenrechte und Umweltaspekte im Vertrag enthalten. «Die Bestimmungen des Abkommens sind rechtlich bindend», sagte Chambovey. Differenzen würden in sogenannten gemischten Ausschüssen behandelt, welche mit Vertretern der betroffenen Staaten bestückt seien. Genau hier setzt aber die Kritik von Menschenrechtsorganisationen an. Zwar sei es löblich, dass die Menschenrechte im Abkommen erwähnt seien, sagte Thomas Braunschweig von der Erklärung von Bern (EvB) auf Anfrage. Denn dies sei etwa beim Freihandelsabkommen mit China nicht der Fall.

Dennoch seien etwa die Rechte der Arbeiter ungenügend geschützt, da die gemischten Ausschüsse keine Sanktionen aussprechen könnten. «Es ist nicht schlüssig, warum Verstösse gegen technische Paragraphen sanktioniert werden können, die Verletzungen der Menschenrechte aber ungestraft bleiben», sagt Braunschweig.

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