25.11.2016 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Kommentar
Selber kochen immer noch am besten!
Daniel Salzmann, stellvertretender Chefredaktor der Zeitung «Schweizer Bauer», äussert sich in einem Kommentar zu den Ausnahmen bei der Swissness-Vorlage.

In gut einem Monat tritt die Swissness-Vorlage in Kraft. Nun hat also Bundesrat Johann Schneider-Ammann ganze 58 Ausnahmen bewilligt. Diese 58 Rohstoffe müssen in die Berechnung der 80%-Gewichtsregel nicht einbezogen werden. Das ist eine Verwässerung der Vorlage, die gerne als streng bezeichnet wird. Auch wenn das grosse Ganze der Swissness-Vorlage aus Sicht der Landwirtschaft nach wie vor positiv zu werten ist. Absolut störende Beispiele sollten mit den jetzigen Regelungen keine auftreten.

Zur Erinnerung: Die Lebensmittelindustrie lobbyierte ja einst für Regelungen, die das Schweizer Kreuz auch auf einem Fondue aus importiertem Käse und importiertem Weisswein ermöglicht hätte. Das geht nun nicht. Da hat das Parlament zum Glück die Notbremse gezogen. Aber beim Fertigfondue darf der Wein aus dem Ausland stammen, nur der Käse muss schweizerisch sein fürs Schweizer Kreuz.

Für den Fonduegenuss gilt nun also erst recht: Selbst mischen lohnt sich! Ob mit Gruyère AOP, Vacherin fribourgeois AOP, Appenzeller, Tilsiter oder anderen Spezialitätenkäsen – diese am Stück einzukaufen, frisch zu raffeln und anschliessend mit Schweizer Chasselas oder Riesling-Sylvaner anzurühren – fein wird es auf jeden Fall! So wird der hervorragende Schweizer Käse nicht mit ausländischem Billigwein, der für gut 50 Rp. pro Liter eingekauft wird, abgewertet.

Und in diesem Kontext kann man gleich weiterfahren. Hier ein paar Beispiele für bewilligte Ausnahmen:

- Glacierpulver Pflanzenfett: für die Verwendung in Feingebäck
- Kartoffelstärke: für die Verwendung in Feingebäck und zur Herstellung von Brotaufstrichen
- Käsepulver: für die Verwendung als Füllung bei Gebäcken und als Geschmacksgeber
- Natrium-Kaseinat-Pulver: für die Verwendung in Pulverprodukten und in Butterzopfmischungen.
- Himbeerpüreekonzentrat: für die Verwendung in Bäckereimarmeladen, Glasur-Gels, Dessert-Saucen.

All diese importierten Zusatzstoffe, die nun dank Schneider-Ammann quasi den Schweizer Pass erhalten, sind Zeugnis hochstehender Lebensmittelingenieurskunst. Die Zutaten mögen aus fachlicher Sicht in jedem Produkt ihren Sinn und ihre Berechtigung haben. 

Und doch: Man bräuchte sie alle nicht, wenn man selbst Kuchen bäckt und selbst aus frischen Zutaten kocht. So braucht es für den Butterzopf kein Natrium-Kaseinat-Pulver! Und kein Käsepulver fürs Gebäck! Auch Himbeermarmelade kann man selbst herstellen. Wer Zimtsterne in der Migros einkauft, kauft damit auch Natriummetabisulfit als Konservierungsstoff und Hühnereiweisspulver aus Bodenhaltung. Wer die Zimtsterne selbst bäckt, braucht keine Konservierungsstoffe und kann dafür frische Eier aus der Schweiz (vielleicht direkt beim Bauern eingekauft mit Mehrpreis für Freilandhaltung) verwenden.

Gerade in der bevorstehenden Advents- und Weihnachtszeit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern viel Freude am Selber-Backen und Selber-Kochen. Wer sich noch inspirieren lassen will: Food-Bloggerin Therese Krähenbühl und ihr Bruder Samuel Krähenbühl präsentieren am Samstag, 3. Dezember, im Schweizer Bauer, ein paar tolle Weihnachtsguetzli, die wegen der Verwendung von Schweizer Butter ganz besonders schmackhaft sind! 

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