9.07.2014 15:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
St. Gallen
SG: Landwirt will neues Wohnhaus vor Bundesgericht erstreiten
Seit Jahren will eine Bauernfamilie in Jonschwil SG ein neues Wohnhaus in der Landwirtschaftszone bauen. Der WWF bekämpft das Projekt. Der Fall ist am Bundesgericht hängig. Der St. Galler Bauernverband und die Familie luden am Mittwoch zu einer Medienkonferenz.

Der jahrelange Kampf der Familie Ammann für ein neues Wohnhaus in der Landwirtschaftszone sei exemplarisch und zeige auf, wie innovative Schweizer Bauern durch das dichte Regelwerk behindert würden, sagte Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV) und St. Galler CVP-Nationalrat, am Mittwoch vor den Medien.

Betrieb 450 Meter von Wohnhaus entfernt

Pro Jahr werden im Zuchtbetrieb bis zu 60 Kälber geboren. Das brauche eine engmaschige Betreuung im Freilaufstall, auch nachts, sagte der betroffene Bauer Karl Ammann. «Die jetzige Situation mit dem 450 Meter entfernten Wohnhaus ist unerträglich. Deshalb haben wir den Fall ans Bundesgericht weitergezogen.»

Zwar habe er in der Abkalbungs-Box eine Videokamera installiert, diese falle jedoch immer wieder aus. Wenn eine der 54 Milchkühen brünstig sei, werde diese sehr unruhig und müsse im Freilaufstall angebunden werden damit es nicht zu Unfällen komme. Auch die Behandlung mit homöopathischen Medikamenten, welche oft das Antibiotikum ersetzen, benötige eine permanente Überwachung und Betreuung der Kühe.

Lange Vorgeschichte

Die Vorgeschichte ist lang, wie der WWF Appenzell/St. Gallen die Medien im Vorfeld der Medienorientierung des Bauernverbandes informiert hatte. Die sechsköpfige Familie Ammann bewirtschaftet einen 25 Hektaren grossen Landwirtschaftsbetrieb in Schwarzenbach bei Jonschwil.

2008 erhielten Karl und Silvia Ammann eine Bewilligung für den Bau eines neuen Laufstalls in der Landwirtschaftszone. Laut dem jüngsten Gerichtsurteil, des St. Galler Verwaltungsgerichts vom März 2014, wiesen die Behörden die Familie bereits damals darauf hin, dass ein Baugesuch für ein Wohnhaus beim Stall nicht bewilligt würde. Trotzdem reichten die Bauern ein Jahr später ein Baugesuch für ein Betriebsleiterhaus neben dem Laufstall ein. Nach anfänglicher Ablehnung bewilligte der Gemeinderat von Jonschwil das Baugesuch im Jahr 2012 schliesslich doch.

Bauland verkauft

Der WWF Appenzell/St. Gallen nützte sein Verbandsbeschwerderecht und machte Einsprache. Die Familie hätte ihr Wohnhaus in Sicht- und Hörweite des Laufstalls bauen können, sagte Dieter Bürgi, Projektleiter Raumplanung beim WWF, nach der Medienorientierung des Bauernverbandes. Stattdessen habe die Bauernfamilie sämtliche 16 Einfamilienhausparzellen des ihr gehörenden und in der Zwischenzeit umgezonten Baulandes verkauft.

Das St. Galler Baudepartement und das Verwaltungsgericht schützten die Einsprache des WWF und argumentierten, das neue Wohnhaus wäre nicht zonenkonform. Die Bauernfamilie habe von Anfang an gewusst, dass sie keine Baubewilligung für ein Wohnhaus neben dem neuen Laufstall bekomme.

Warten auf Bundesgerichtsurteil

Das öffentliche Interesse an der Trennung von Bau- und Nichtbaugebiet sei grösser als das Interesse der Bauernfamilie. Ein Wohnhaus neben dem Stall sei aus betrieblicher Sicht nicht nötig. Das bestehende Wohnhaus sei lediglich 450 Meter vom Stall entfernt. Laut der Rechtsprechung könne die Distanz bis zu 500 Metern betragen.

Der Schweizer Bauernverband findet diese Praxis stossend. Es gehe ums Tierwohl. Es brauche eine permanente Überwachung, deshalb müssten Bauer und Bäuerin neben dem Stall wohnen. «Kein Haustierhalter würde seinen Hund 500 Meter von seiner Wohnung entfernt unterbringen», sagte Markus Ritter.

Das Urteil des Bundesgericht sei Ende Jahr zu erwarten, sagte Karl Ammann, der seinen Hof in einigen Jahren an seinen Sohn übergeben wird.

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