21.09.2015 09:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Wahlen
Sogar SP gegen EU-Agrarfreihandel
Zum ersten Mal wurden von der Wahlhilfe smartvote.ch die Kandidaten auch vertieft bezüglich ihrer agrarpolitischen Ausrichtung befragt. Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den politischen Parteien.

In Zusammenarbeit mit der Schweizerische Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor (Sals Schweiz) hat die Wahlhilfe Smartvote in Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen vom 18. Oktober zum ersten Mal vertieft die Kandidaten zu zwei agrarpolitischen Themengruppen befragt.

Insgesamt haben 595 Kandidaten aus allen Parteien und der ganzen Schweiz mitgemacht. Befragt wurden sie zum einen zur Thematik der Agrarmarktliberalisierung, die naturgemäss im Fokus der freihandelskritischen Sals steht. Zum anderen wurden die Kandidierenden gefragt, wie sie zu den vier anstehenden Volksinitiativen zur Agrarpolitik stehen.

FDP und GLP alleine

Die Auswertung der aggregierten Resultate nach Parteizugehörigkeit zeigt ein deutliches Bild: Die Kandidierenden von EDU, SVP, EVP, Grüne, BDP, CVP und sogar auch eine Mehrheit der SP (59,5%) sind mehrheitlich gegen ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU. Einzig die Kandidaten von FDP und GLP sind mehrheitlich für den Agrarfreihandel (Grafik 1). Insgesamt sind 70,3% aller Kandidaten agrarfreihandelskritisch, während 29,7% eher pro Agrarfreihandel sind.

Das gleiche Bild zeigt sich bei den weiteren Fragen, die zur Liberalisierung der Agrarmärkte gestellt wurden. Die Frage «Sind Grenzschutzmassnahmen wie zum Beispiel Zölle und Importkontingente gerechtfertigt, um die Ernährungssicherheit der Schweiz zu gewährleisten?» bejahten 73,8% aller 595 Teilnehmenden. Nur die Kandidierenden von FDP und GLP sagten mehrheitlich Nein. 

76,3% für SBV-Initiative

Auch bei der Initiative für Ernährungssicherheit des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) ist das Bild ähnlich. Wieder sind einzig die Kandidaten von FDP (nur 43,3% dafür) und GLP (37% dafür) ablehnend, während sonst alle Parteien von links bis rechts eine recht grosse Zustimmung signalisieren. Insgesamt sind 76,3% sicher oder eher für die Initiative. Bei der Fair-Food-Initiative der Grünen, der Initiative «Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln» der Juso sowie der Initiative «für Ernährungssouveränität» von Uniterre spielt hingegen der klassische Links-rechts-Graben.

Die Kandidierenden von SVP, FDP und GLP sind geschlossen gegen alle drei Initiativprojekte. Bei der CVP ist einzig für die Fair-Food-Initiative eine ganz knappe Zustimmung (50,9%) festzustellen. Und bei den Kandidaten der BDP ist einzig für die Initiative der Uniterre eine Zustimmung auszumachen (64,4%). SP, Grüne und EVP bejahen diese drei Initiativen deutlich.

Smartvote

Smartvote ist eine Online-Wahlhilfe, die basierend auf einem Fragebogen zu politischen Themen die politischen Werte der Wähler mit denjenigen von Parteien und Kandidierenden vergleicht. Wähler erhalten eine Wahlempfehlung für die Kandidierenden bzw. Parteien, die ihnen politisch am nächsten stehen. Smartvote besteht seit 2003. Die Website wird entwickelt und betrieben vom nicht gewinnorientierten Verein Politools. sam

Wegen der fast geschlossenen Zustimmung der Kandidaten von der linken Seite findet sich über das gesamte Kandidatenfeld für sämtliche Initiativen eine Mehrheit.

Hier gehts zu den Ergebnissen der Umfrage mit allen Kandidaten.

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