16.12.2014 06:41
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Pflanzenschutz
Sprühflug-Verbot: Widerstand formiert sich
Winzer sollen ihre Reben künftig nicht mehr aus der Luft mit Pflanzenschutzmitteln besprühen dürfen. Der Bund will solche Sprühflüge grundsätzlich verbieten. Die Kantone sollen zwar Ausnahmen zulassen dürfen - doch die Winzer fürchten, die Änderung führe zu einem absoluten Verbot.

Helikopter werden seit den 1970er Jahren eingesetzt, um Pflanzen zu behandeln, wie der Schweizerische Weinbauernverband (SWBV) in seiner Stellungnahme zur Anhörung schreibt. Probleme habe es nie gegeben. Der Verband lehnt die vorgeschlagenen Änderungen der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung daher ab.

Ausnahmebewilligung möglich

Mit der Revision will der Bund die Schweizer Bestimmungen zu Chemikalien dem internationalen Recht anpassen. Das Umweltdepartement (UVEK) hält im erläuternden Bericht zudem fest, dass das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten oder Düngern aus der Luft zu einer höheren Abdrift führe als das Ausbringen vom Boden aus.

Der Bund will die Sprühflüge deshalb grundsätzlich verbieten. Die Kantonen sollen Ausnahmebewilligungen erteilen dürfen - allerdings nur unter gewissen Bedingungen, etwa wenn das Ausbringen der Mittel vom Boden aus nicht praktikabel ist.

Sieben Kantone betroffen

Nur in sieben Kantonen werden Pflanzenschutzmittel, Biozide oder Dünger aus der Luft ausgebracht. Am meisten gebraucht wird diese Technik in der Waadt und im Wallis. Genutzt wird sie in kleinerem Ausmass auch in den Kantonen Genf, Neuenburg, Freiburg, Tessin und Bern. Der Weinbauernverband fürchtet, dass die Technik in diesen Kantonen, in denen sie momentan nur selten zum Einsatz kommt, wegen der neuen Regelung ganz verschwinden könnte.

Auch aus dem stark betroffenen Kanton Waadt gibt es Widerstand gegen die Revision. Die neuen Vorschriften seien nicht sehr klar und machten es komplizierter, die Ausnahmen zu gewähren, sagte der Direktor des Umweltdepartements des Kantons Waadt, Sylvain Rodriguez, auf Anfrage.

Die Revision sei ein Versuch, die Technik generell zu verbieten, vermutet auch Rodriguez. Dabei mache sie es möglich, effizient gegen schädliche Pilze vorzugehen, ohne dass die Anwender den Mitteln ausgesetzt seien. Zudem sei es «eine Aufgabe mehr», die vom Bund an die Kantone delegiert werde, kritisiert Rodriguez. Heute werden die Sprühflüge vom Bundesamt für Zivilluftfahrt bewilligt.

1800 Hektar aus Luft behandelt

Die Westschweizer Vereinigung für die Behandlungen von Pflanzenkulturen aus der Luft (ARTTAVA) sowie Air-Glaciers lehne die entsprechende Revision der Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung ab, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht. Die Sprühflüge hätten sich in der Schweiz in den vergangenen 40 Jahren bewährt.

Laut ARTTAVA werden in der Schweiz rund 1'800 Hektaren Rebflächen aus der Luft behandelt. Erlaubt ist dabei nur der Einsatz von Fungiziden, nicht aber von Insektiziden. Aufgrund der Topographie der Schweizer Rebberge sei mechanisierter Pflanzenschutz nicht immer möglich und es verbleibe nur die Möglichkeit, die Behandlungen von Hand auszuführen, heisst es weiter.

Ohne den Einsatz von Helikopter-Sprühflügen würden grosse Teile der Weinberge in Steil- und Terrassenlagen mangels Personal aufgegeben.

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