8.09.2014 12:08
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Raumplanung
Ställe sollen in Industriezone
Tiermast ohne eigene Futterbasis muss nach Einschätzung der Stiftung für Landschaftsschutz Schweiz SL und von Vision Landwirtschaft auf Industriezonen beschränkt werden. In der Landwirtschaftszone aber habe sie keinen Platz, sagten Vertreter der beiden Organisationen an einer Medienorientierung am Montag in Rottenschwil AG.

Seit Jahrzehnten würden Stallbauten im Landwirtschaftsgebiet bewilligt und zudem oft mit staatlichen Mitteln subventioniert, selbst wenn dafür die Futterbasis auf dem betreffenden Landwirtschaftsbetrieb fehle.

Raumplanerisch Folgen

Inzwischen seien es mehr als eine Million Tonnen Futtermittel, die jedes Jahr eingeführt werden müsse. Zur Fütterung ihrer überhöhten Tierbestände «bewirtschafte» die Schweizer Landwirtschaft im Ausland, vor allem in Südamerika, mittlerweile Ackerflächen, die gleich gross seien wie die Ackerfläche der Schweiz.

Diese Entwicklung zeige aber auch raumplanerisch problematische Folgen: Ein Grossteil dieser Ställe werde in die freie Landschaft und auf Fruchtfolgeflächen gebaut. Flächen, die dann für die eigentliche landwirtschaftliche Produktion nicht mehr zur Verfügung stünden.

Folgen sind Umweltprobleme

Die Folgen überhöhter Tierbestände im Inland seien Vielfältige Umweltprobleme: Belüftete Seen, Gülletransporte durch die halbe Schweiz, und Ammoniakemissionen, die europaweit zu den höchsten zählten und die bei empfindlichen Ökosystemen wie Wäldern oder Mooren irreversible Schäden hinterliessen.

Obwohl die Problematik dieser Entwicklung von dem meisten kantonalen Behörden erkannt werde, fehle ihnen die Handhabe, Bewilligungen von Gesuchen zu verweigern. Die derzeitige Gesetzgebung behandle Tierproduktion als landwirtschaftliche Produktion, auch wenn dafür keine ausreichende betriebliche Futterbasis bestehe.

Somit profitiere die bodenunabhängige und damit nicht-landwirtschaftliche Tierproduktion von all den vielen Förderungen durch die öffentliche Hand, als ob sie eine landwirtliche Primärproduktion sei. Beispiele seien Investitionskredite, Starthilfen oder Direktzahlungen für bestimmte Tierhaltungsformen.

Korrektur im Raumplanungsgesetz nötig

Im Zuge der Revision des Raumplanungsgesetzes sei eine Anpassung unumgänglich, um diese Entwicklung zu stoppen: Tierproduktion ohne eigene Futterbasis soll zwar nicht verboten werden, aber eingeschränkt auf diejenigen Zonen, die für eine solche Produktion raumplanerisch ausgeschieden worden sind, nämlich Industrie- und Gewerbezonen.

Von einer solchen Lösung profitiere auch die bäuerliche Landwirtschaft. Ihr bleibe mehr Kulturland erhalten, und die preisdrückende Konkurrenz durch eine importbasierte, nicht mehr eigentlich landwirtschaftliche Milch- und Fleischproduktion werde zumindest nicht mehr weiter gefördert.

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