20.02.2018 18:04
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sal
Agrargipfel
Stimmen nach dem Gipfel
Am Dienstag hat in Bern der «Mercosur»-Agrargipfel stattgefunden. Auch etliche Vertreter aus landwirtschaftlichen Verbänden haben an den Gesprächen teilgenommen. schweizerbauer.ch hat Stimmen eingefangen.

Nach dem Gipfel verkündete der Bundesrat vor den Medien: «Insgesamt kann man zusammenfassen, dass auch in landwirtschaftlichen Kreisen Klarheit herrscht, dass wir nicht in Protektionismus verharren dürfen, sondern dass wir eine offensive, vorwärtsgerichtete Politik machen müssen.»

Wie beurteilten das die landwirtschaftlichen Verbände, die am Gipfel teilgenommen haben, die Ergebnisse?

Bio Suisse: Nachhaltigkeit wichtig

«Die Gesamtschau und ein Freihandelsabkommen mit dem Mercosur sind für uns kein einfaches Thema. Wir finden diesen Gipfel eine gute Form, um mit verschiedenen Verbandsvertretern zu diskutieren und deren Einschätzung zu hören», sagte Daniel Bärtschi, Geschäftsführer von Bio Suisse, gegenüber schweizerbauer.ch.

Es sei wichtig, dass bei den Verhandlungen die Nachhaltigkeit eine grosse Rolle spiele. «Es dürfen nicht einfach Produkte ins Land gelassen werden, welche gewisse Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen», macht er deutlich. Bio Suisse sei nicht auf Freihandelsabkommen angewiesen, weil die Biobauern nicht nach Südamerika exportieren müssten. «Wir sind überzeugt, dass sich diese Preise für Bioprodukte relativ unabhängig von den Preisen für konventionell hergestellte Produkte bildet», erklärt Bärtschi.

Auch zur Absage des Bauernverbandes äusserte sich Bärtschi. Die Landwirtschaft dürfe nicht die Opferrolle einnehmen, sondern müssen den Dialog suchen. «Es ist wichtig, dass man miteinander spricht», betonte er. Insgesamt beurteilt Bärtschi die Absichten von Johann Schneider-Ammann als gut. «Der Agrarminister setzt sich für die Arbeitsplätze in der Schweiz ein. Die Landwirtschaft ist auf den Goodwill der restlichen Gesellschaft und Wirtschaft angewiesen ist, um ihre Anliegen durchzubringen», mahnt er.

Fleisch: Massive Folgen

«Die Mercosur-Staaten sind Weltmächte in der Fleischproduktion. Sie arbeiten in Strukturen, die in der Schweiz nicht denkbar sind», sagte Markus Zemp, Präsident der Branchenorganisation Fleisch, vor den Medien. Und er machte deutlich: «Mit unseren Produkten haben wir auf dem südamerikanischen Markt keine Exportchance.» Er hielt fest, dass bei einem Abkommen mit den Mercosur-Staaten mehr und vor allem günstigeres Fleisch in die Schweiz komme – vor allem Rindfleisch und Poulet. Die Folgen für die Schweiz sind gemäss Zemp drastisch. Jene Mengen, die in die Schweiz importiert würden, würden bei den einheimischen Produzenten wegbrechen.

«Die Folgen wären eine sinkende einheimische Produktion und tiefere Produzentenpreise.» Die ganze Branche, von Landwirt bis Verarbeiter, käme unter Druck. «Wir erwarten vom Bundesrat möglichst wenig Konzessionen gegenüber den Mercosur-Staaten», so Zemp. Die Fleischbranche sei nach der Milch die zweitwichtigste Branche des Agrarsektors. Sie habe aber auch Hausaufgaben bei der stärkeren Differenzierung, beispielsweise beim Tierwohl.

Milch: Chancen und Gefahren

Hanspeter Kern, Präsident der Milchproduzenten (SMP), betonte, er habe teilgenommen, um an vertrauliche Informationen zu gelangen. Tatsache sei, dass bezüglich Südamerika beim Export von Käse gewisse Chancen bestünden. «Doch es gibt auch Gefahren im Fleischbereich. Die Milchbauern produzieren 50 Prozent des roten Fleisches. Weitere Gefahren gibt es im Getreidesektor sowie bei den Früchten», so Kern zu schweizerbauer.ch. Das ganze Interview sehen Sie im Video  

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