15.01.2019 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Bern
SVLT-Präsident will in Ständerat
Der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz gibt möglicherweise den Rücktritt vom Rücktritt: Seine Partei hat am Montagabend die Amtszeitbeschränkung gelockert, damit der Sigriswiler zur Wiederwahl antreten kann - wenn er denn will. Für den Ständerat wurde Werner Salzman, Präsident des Schweizerischen Verbands für Landtechnik (SVLT), nominiert.

Amstutz selber bat die SVP-Delegierten, ihm ein paar Tage Bedenkzeit zu geben. Er habe sich nun auf seine Pensionierung vorbereitet und die neue Ausgangslage bei der Partei stelle diese Pläne gehörig auf den Kopf.

Kontorverse Diskussion

Alt Nationalrat Hansruedi Wandfluh warb für die Anpassung der Statuten, um Amstutz den Weg zu ebnen. Bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst werde der Kanton Bern einen Nationalratssitz weniger haben. Wenn die SVP ihren neunten Sitz verteidigen wolle, brauche sie eine Kandidatur mit grossem Stimmenpotenzial. Amstutz sei ein politisches Ausnahmetalent und habe dieses grosse Potenzial, betonte Wandfluh. Er beantragte, dass in Einzelfällen die Partei mit einer Zweidrittelsmehrheit die Aufhebung der Amtszeitbeschränkung erwirken könne.

Die Delegierten diskutierten den Vorschlag kontrovers: Man habe die Amtszeitbeschränkung seinerzeit eingeführt, um keine Sesselkleber zu haben und den Jungen die Möglichkeit zum Aufrücken zu geben, sagte ein Delegierter. Ein anderer gab zu bedenken, dass man seit langem wisse, dass Adrian Amstutz aufhöre. Die Partei habe es nicht geschafft, eine Alternative aufzubauen. «Wenn wir es jetzt nicht konnten, dann werden wir es auch in vier Jahren nicht können», schloss der Delegierte.

Standing Ovation für Amstutz


Albert Rösti, Präsident der SVP Schweiz, warb für eine Statutenänderung. Amstutz sei ein Zugpferd und kein Sesselkleber. Der Sigriswiler habe immer gesagt, er höre auf. Falls er darauf zurückkomme, wäre dies einzig und allein ein Dienst an seiner Partei.

Amstutz trat während der Debatte in den Ausstand und verliess den Saal. Als er nach dem Entscheid zurückkehrte, empfingen ihnen die Delegierten mit einer Standing Ovation. Der Oberländer dankte für das Vertrauen, bat aber um Bedenkzeit. Er müsse die neue Situation zuerst mit der Familie besprechen. Innert Wochenfrist will er sich entscheiden, ob er für eine zusätzliche Amtszeit zur Verfügung steht. Für Amstutz hält die SVP nun eine Linie auf der Nationalratsliste frei. Eine zweite noch freie Linie besetzte sie am Montag mit Nadja Günthor, der Frau des ehemaligen Schweizer Kugelstössers.

Parteipräsident für den Ständerat

In den Ständeratswahlkampf steigt die Berner SVP mit Kantonalpräsident und Nationalrat Werner Salzmann. Die Delegierten nominierten ihn per Akklamation. Ziel der SVP ist, dass der Kanton Bern wieder mit einer ungeteilten bürgerlichen Standesstimme im «Stöckli» vertreten sei, führte Wandfluh aus. Die SVP verlor den Sitz im Ständerat im Jahr 2008, als Werner Luginbühl von der SVP zur BDP wechselte.

Werner Salzmann ist ausgebildeter Landwirt und Absolvent der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen. Der 56-Jährige wurde 2007 zum Chefexperten Landwirtschaft beim Kanton Bern befördert und präsidiert seit demselben Jahr die Arbeitsgruppe Landwirtschaft Schweiz. Steuerkonferenz SSK. Von 1995 bis 2007 amtete Salzmann als landwirtschaftlicher Steuerexperte beim Kanton Bern. Salzmann präsidiert seit 2015 auch den Schweizerischen Verband für Landtechnik (SVLT). Der Ingenieur-Agronom FH wurde 2015 in den Nationalrat gewählt. Im Militär wurde Werner Salzmann 2006 zum Oberst der Schweizer Armee befördert.

Damit ist die Ausgangslage für die Ständeratswahlen geklärt. Wenn alle Parteien die von der Parteileitung vorgeschlagenen Personen nominieren, was nur noch Formsache ist, dann tritt Hans Stöckli (SP) zur Wiederwahl an. BDP-Ständerat Werner Luginbühl gab vergangene Woche seinen Verzicht auf eine Wiederwahl bekannt. Die BDP geht mit Regierungsrätin Beatrice Simon ins Rennen.

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