4.11.2015 14:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Tierwohl (8/8)
Tierwohl: Es gibt noch Potenzial
Tierschutz soll als Differenzierungsmerkmal dienen. Dies ist zumindest der Plan der Europäischen Union. Und auch die Schweiz hat noch reichlich Potenzial, in Sachen Tierwohl mehr Mittel einzusetzen. Die Politik müsste Akzente setzen.

In der EU sucht man derzeit fieberhaft nach Differenzierungsmerkmalen, für den Fall, dass das Freihandelsabkommen TTIP in Kraft treten sollte. Ein Tierschutzlabel für besonders tiergerecht erzeugte Produkte könnte möglicherweise neue Marktchancen eröffnen und die erwarteten Nachteile des Abkommens vielleicht ausgleichen.

Schwierige Durchsetzung

Allerdings konnten sich die Experten aus Landwirtschaft, Industrie und Lebensmittelhandel bislang noch nicht für ein solches Label begeistern. Sie fürchten, dass die Marktnachfrage nicht sehr gross, und die Möglichkeiten der Produktdifferenzierung eher klein sind. Es scheint deshalb derzeit eher unwahrscheinlich, dass die EU in näherer Zukunft ein solches Label entwickeln wird.

Die grösste Schwierigkeit und Auseinandersetzung im internationalen Handel liegt bei der Durchsetzung von umwelt- und tierschutzbezogenen Produktstandards. In diesem Zusammenhang kommt den Direktzahlungen eine besondere Bedeutung zu. Innerhalb der WTO darf jedes Land Massnahmen ergreifen, damit die Ziele der Multifunktionalität erfüllt werden können. Diese Green Box-Massnahmen unterliegen keinen Abbauverpflichtungen.

Schweiz: Noch viel Potenzial

In der Schweizer Direktzahlungsverordnung findet man allerdings nur wenige Massnahmen zum Tierwohl, die in diese Green Box passen. Während es Dutzende von Vorschriften zur Förderung der Biodiversität und Hunderte von Vorschriften zur Landschaftsqualität gibt, gibt es lediglich zwei staatliche Programme die spezifisch auf die Förderung vom Tierwohl ausgerichtet sind: Das ist die besonders tierfreundliche Stallhaltung (BTS) und der regelmässige Auslauf im Freien (RAUS).

Dass die Ökobeiträge mit 300 Mio. Franken (2013) höher liegen als die Tierwohlbeiträge mit 235 Mio. zeigt den Stellenwert des Tierwohls in der Agrarpolitik. Der Verfassungsgrundsatz, dass der Bund „mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen fördert, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind“ wird zumindest was den letzten Punkt angeht, wenig überzeugend umgesetzt.  Hier gäbe es noch viel Potential – genau deshalb, weil die Konsumenten eben nur begrenzt bereit sind an der Ladentheke fürs Tierwohl zu bezahlen. 

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