8.05.2014 16:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wirtschaft
Trotz fehlender Teuerung keine Deflationsdebatte
Seit einigen Jahren steigen die Preise in der Schweiz kaum. Die Inflation bewegt sich nahe am oder unter dem Nullpunkt. Dennoch ist von der wirtschaftlich schädlichen Deflation keine Rede, auch bei Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht. In der Eurozone ist das trotz höherer Inflation anders.

«Für die Schweiz sind damit auf absehbare Zeit keine Inflationsrisiken erkennbar», heisst es in der geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB von Ende März. Vom Gegenteil, der Deflation, ist in dem Bericht keine Rede, obwohl die Inflationsprognose erneut gesenkt wurde.

Zwar hält die SNB auch deshalb am Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken fest, um die Gefahr einer Deflation zu verhindern. Eine Aufwertung des Frankens würde diese Gefahr mit sich bringen, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan Ende April in einem Referat. Dennoch scheint die Sorge vor dem wirtschaftlich gefährlichen Preiszerfall bei der SNB nicht im Vordergrund zu stehen.

Anschaffungen werden hinausgezögert

Von einer Deflation wird gesprochen, wenn die Preise für Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum fallen. Dies kann dazu führen, dass Konsumenten weitere Preissenkungen erwarten und deshalb Anschaffungen hinauszögern. Für die Wirtschaft kann das verheerend sein: Die Nachfrage sinkt, wodurch wiederum die Arbeitslosigkeit steigt.

Gleichzeitig ist auch eine hohe Inflation schädlich. Nicht immer steigen die Löhne gleich schnell wie die Preise, was dazu führt, dass sich die Leute weniger leisten können. Ausserdem verlieren die Ersparnisse durch einen Anstieg der Preise an Wert. Das Hauptziel der SNB ist deshalb die Gewährleistung von Preisstabilität. Als stabil bezeichnet die Nationalbank die Preise, wenn die Teuerung zwischen null und zwei Prozent liegt.

Im April sind die Konsumentenpreise gegenüber dem März um 0,1 Prozent gestiegen, wie das Bundesamt für Statistik am Donnerstag mitteilte. Verglichen mit April letzten Jahres beträgt die Teuerung 0,0 Prozent. Gemessen am Zielband der Nationalbank liegt die Teuerung derzeit also bei der unteren Warnschwelle.

Trotz höherer Teuerung: Deflationsdebatte in Eurozone

In der Eurozone ist die Teuerung höher als in der Schweiz. Im April lag die Jahresteuerung bei 0,7 Prozent. Dennoch läuft hier im Gegensatz zur Schweiz eine Debatte über eine drohende Deflation. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte die Eurozone kürzlich vor einer Deflationsspirale.

Diese Gefahr sieht Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) zwar nicht, was die Debatte aber nicht verstummen liess. Draghi betonte mehrfach, rasch einzugreifen, sollte tatsächlich eine Deflation drohen.

Unterschiedliche Zielvorgaben

Dass in der Eurozone eine Deflationsdebatte läuft, nicht aber in der Schweiz, liegt zum einen an den unterschiedlichen Zielvorgaben. Während die SNB die Preisstabilität bei einer Teuerung zwischen null und zwei Prozent gewährleistet sieht, strebt die EZB eine Inflation von knapp unter zwei Prozent an.

Zum anderen ist die unterschiedliche konjunkturelle Situation entscheidend. In der Schweiz läuft die Wirtschaft gut. Die Arbeitslosigkeit ist tief, weshalb die Forderung nach einer weiteren Lockerung der Geldpolitik nicht laut wird. In der Eurozone ist dies anders. Dort ist die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern nach wie vor hoch, der konjunkturelle Aufschwung noch zögerlich. Eine Erhöhung der Geldmenge könnte hier die Nachfrage ankurbeln.

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