16.01.2019 11:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/blu
Umfrage
Umfrage: Höhere Siloverzichtszulage
Der Bundesrat möchte die Siloverzichtszulage erhöhen, dafür die Verkäsungszulage senken. Damit will die Landesregierung die Qualitätsstrategie stärken und Fehlanreize korrigieren. Der Vorschlag ist aber umstritten. Stehen Sie hinter dem Vorschlag des Bundesrates? Oder ist dieser unnötig? Mitdiskutieren und abstimmen

Die Agrarpolitik 22+ ist derzeit in der Vernehmlassung. Der Bundesrat schlägt unter anderem auch Änderungen bei der Milchproduktion vor. 

Fehlanreize reduzieren

In der Schweiz werden pro Jahr rund 3.4 Milliarden Kilo Milch eingeliefert. Davon stammen 1.1 Milliarden Kilo Milch von Kühen, die ohne Silage gefüttert wurden. Aus dieser Milch entstehen die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Käse wie Le Gruyère AOP, Emmentaler APO, Appenzeller oder auch der Tête de Moine. Silofreie Milch findet sich mittlerweile aber als Konsummilch oder Butter in den Regalen des Detailhandels wieder, unter anderem als «Heumilch» bei Coop.  

Die Landesregierung will künftig die Produktion von silofreier Milch stärken. Dazu schlägt sich bei der Agrarpolitik 2022+, die derzeit in der Vernehmlassung ist, Änderungen vor. Die Zulage für silofreie Milch soll von 3 auf 6 Rappen je Kilo erhöht werden und die direkt den Milchproduzenten ausbezahlt werden. Die Verkäsungszulage soll dafür von 15 auf 13 Rappen gekürzt werden.

Stärken stärken

«Damit wird der Anreiz zur Produktion von silofreier Milch, welche die Grundlage für die wertschöpfungsstarken aus Rohmilch hergestellten Käsespezialitäten bildet, erhöht. Im Gegenzug soll die Verkäsungszulage, die zu Fehlanreizen zur Produktion von billigem Viertelfettkäse für den Export führt, entsprechend reduziert werden», begründet der Bundesrat seinen Vorschlag. Die Ausrichtung auf die Qualitätsstrategie soll verstärkt werden.

An der Agridea-Tagung in Zürich ging der Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft, Adrian Aebi, auf das Thema ein: «Wir wollen die Stärken stärken. Wenn bei Viertelfettkäse das abgerahmte Milchfett noch im geschützten Inlandmarkt abgesetzt wird, ist das nicht illegal, aber sicher nicht im Sinn der Erfinder der Verkäsungszulage».

SMP lehnen Vorschlag ab

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) vermögen dem Vorschlag des Bundesrates wenig abzugewinnen. Eine Reduktion der Verkäsungszulage komme einer direkten, flächendeckenden Senkung des Molkereimilchpreises in der ganzen Schweiz gleich. Eine Verminderung der Verkäsungszulage um 2 Rappen bedeute eine Milchpreissenkung um 2 Rappen und eine Senkung der Wertschöpfung auf dem Inlandmarkt um 70 Mio. Franken, führt der Dachverband der Schweizer Milchproduzenten aus.

Art. 39 Zulage für Fütterung ohne Silage (Vorschlag)

1 Für Milch, die aus einer Ganzjahresproduktion ohne Silagefütterung stammt, kann
der Bund eine Zulage an die Produzenten und Produzentinnen ausrichten.
2 Die Zulage beträgt 6 Rappen. Der Bundesrat legt die Voraussetzungen für die Ausrichtung
der Zulage fest.
3 Der Bundesrat kann die Höhe der Zulage unter Berücksichtigung der Mengenentwicklung
anpassen.

Wenig Freude haben die SMP, dass die Siloverzichtszulage auch für nicht verkäste Milch ausbezahlt werden soll. Das gebe sehr marktfremde und kontraproduktive Anreize. Silofreie Milch könnte in den Molkereikanälen Silomilch verdrängen. Einer Erhöhung der Siloverzichtszulage stimmen die SMP zu, sofern es dafür zusätzliches Geld gibt.

In der Schweiz werden jährlich rund 3.4 Millionen Tonnen Milch eingeliefert. Der Hauptteil der vermarkteten Milch wird zu Käse verarbeitet (42 %), gefolgt von Butter (16 %), Konsummilch (11 %) und Dauermilchwaren wie Mager- und Vollmilchpulver (10 %). In der Schweiz gibt es noch knapp 20'000 Milchproduzenten. Die Milchwirtschaft ist der wichtigste Sektor der Schweizer Landwirtschaft mit einem Anteil von rund 20 % an der Erzeugung des gesamten landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs.

Käser "gespalten"

Der Schweizer Bauernverband hat noch keine abschliessende Stellung bezogen. Die Produzenten von silofreier Milch kämpfen im SBV für die Änderung, die ihnen entgegenkäme. Ihnen wird entgegengehalten, dass ihre Milchpreise heute schon höher lägen.

Bei den Käsern löst der Vorschlag des Bundesrates unterschiedliche Reaktionen aus. Wie die Zeitschrift Alimenta im November berichtete, begrüssen gewerblichen Käsereien, die mit silofreier Milch produzieren, die Aufwertung. Verarbeiter von nicht-silofreier Milch hingegen lehnen das Ansinnen kategorisch ab. «Die Produkte aus silofreier Milch sollten den Mehrpreis am Markt erzielen und nicht mit höheren Stützungen», sagte der Ostschweizer Käseproduzen Andreas Hinterberger gegenüber Alimenta. Peter Strähl befürchtet, dass beim Export Produkte aus nicht-silofreier Milch benachteiligt würden.

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