3.04.2019 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/sda
Umfrage
Umfrage: Sommerzeit abschaffen?
In der Nacht auf Sonntag wurden die Uhren in der Schweiz um eine Stunde vorgestellt. Nun gilt die Sommerzeit. Die EU diskutiert über die Abschaffung dieser Zeitumstellung. Wie sehen Sie das, liebe Leserin, lieber Leser? Machen Sie mit bei unserer Umfrage.

Seit 1981 gilt in der Schweiz von Ende März bis Ende Oktober die sogenannte Sommerzeit. Dafür wird die Uhr im März um eine Stunde vorgestellt, im Oktober wieder eine Stunde zurück. Der Bundesrat setzte sich damals über ein Votum des Schweizer Volkes hinweg. Dieses hatte 1978 die Einführung der Sommerzeit an der Urne deutlich verworfen. Weil die umliegenden Länder aber die Sommerzeit einführten, befürchtete der Bundesrat grosse wirtschaftliche Nachteile, wenn die Schweiz zur «Zeitinsel» wird.

Grosser Aufwand

Die Zeitumstellung ist aber seit jeher umstritten. Die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann reichte 2010 eine Motion für die Abschaffung der Sommerzeit ein. Laut der Begründung des Vorstosses werden die einstigen Energiesparziele nicht erreicht, sondern es sei sogar das Gegenteil der Fall. Die Zeitumstellung verursache einen grossen zeitlichen und administrativen Aufwand, unzählige Geräte mit Zeitanzeige müssten umgestellt oder entsprechend programmiert, dabei entstünden auch immer wieder Probleme, z. B. im Schichtbetrieb bei Firmen.

Gesundheitliches Risiko

Estermann verwies auf Ärzte und Wissenschafter, laut denen die Sommerzeit nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich sei. «Unsere innere Uhr kann sich nämlich nicht umstellen, sie ist auf das Sonnenlicht ausgerichtet», hielt sie fest. Belegt seien durch Studien ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, Probleme für insulinpflichtige Diabetiker, chronischer Schlafmangel und Müdigkeit ebenso wie negative Auswirkungen auf die schulischen Leistungen von Jugendlichen.

Bundesrat verteidigte 2010 die Sommerzeit

Der Bundesrat aber stellte sich gegen die Motion von Estermann. Die Schweiz dürfe auf keinen Fall zur «Zeitinsel» werden, es gäbe erhebliche Nachteile, insbesondere im Geschäftsverkehr (z. B. reduzierte Erreichbarkeiten, Einschränkungen bei Post- und Kurierdienstleistungen) , im Transportwesen (Koordination der Fahrpläne), in Tourismus und Kommunikation (z. B. regelmässige Missverständnisse bei Terminen). Der Nationalrat folgte dem Bundesrat und lehnte die Motion ab.

EU-Umfrage zeigte viele Gegner

Mittlerweile hat sich die Situation verändert. Die EU-Kommission hatte im vergangenen Sommer einen Vorschlag für das Ende der Zeitumstellung vorgelegt. Sie reagierte damit auch auf den Druck vieler Bürger. Bei einer EU-weiten Umfrage mit enormer Beteiligung hatten sich 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für ein Ende des Hin und Her ausgesprochen. Allein rund 3 Millionen der Befragten kamen aus Deutschland.

EU-Parlament will ein Ende der Umstellung

Letzte Woche nun hat das EU-Parlament hat das Ende der Zeitumstellung jetzt einen entscheidenden Schritt näher rücken lassen. Das EU-Parlament plädiert für eine Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2021. Auf diese Position einigten sich die Abgeordneten am Dienstag vergangener Woche in Strassburg. Bevor die abschliessende Entscheidung kommen kann, müssen sich erst die EU-Verkehrsminister auf eine gemeinsame Linie einigen. Anschliessend müssen sie mit Unterhändlern des EU-Parlaments einen Kompromiss finden. Damit wird nicht vor Herbst 2019 gerechnet.

Staaten sind frei mit Entscheidung

Letztlich soll nach dem Willen des Europaparlaments jeder Mitgliedstaat selbst entscheiden können, ob er in zwei Jahren eine dauerhafte Winter- oder Sommerzeit einführen will. Für diejenigen Staaten, die sich für die Winterzeit entscheiden, stünde die letzte Zeitumstellung demnach im Oktober 2021 an.

Schweiz beobachtet die Entwicklung

Die Schweiz verfolge die Entwicklung in den Nachbarländern, schrieb das Eidgenössische Institut für Metrologie (Metas) am Dienstag. Sie werde sorgfältig prüfen, ob eine allfällige Anpassung der Zeitregelung sinnvoll und im Interesse der Schweiz sei. Bis auf weiteres gelte die bestehende Zeitregelung. Wenn auch die Schweiz sich für ein Ende der Zeitumstellung entscheiden würde, müsste sie sich zwischen ewiger Winterzeit und ewiger Sommerzeit entscheiden.

Das bedeutet ewige Winterzeit

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, was ewige Winterzeit bedeuten würde. schweizerbauer.ch hat auf der Basis der Homepage www.sunrise-and-sunset.com für Luzern, das ungefähr in der Mitte der West-Ost-Ausdehnung der Schweiz liegt, die Auswirkungen nachgeschlagen. Würde die Sommerzeit abgeschafft und stattdessen auch im Sommer die Winterzeit weitergeführt, würde das bedeuten, dass im Sommer, am 21. Juni 2019, die Sonne statt wie heute um 05:32 Uhr schon um 04:32 aufginge. Unter ginge sie dann aber auch früher, statt um 21.24 Uhr bereits um 20.24 Uhr. Statt etwa um 22 Uhr wäre es dann bereits etwa um 21 Uhr dunkel – die Abende neben dem Grill und im Biergarten würden also wohl kürzer.

Das bedeutet ewige Sommerzeit

Auch die ewige Sommerzeit hätte ihre Auswirkungen. Im Sommer wäre alles wie bekannt. Im Winter aber ginge die Sonne in den Monaten November bis Januar nie vor 8 Uhr auf. Am kürzesten Tag des Jahres, am 21. Dezember, ginge die Sonne in Luzern sogar erst um 09.10 Uhr auf. Unter ginge sie dann nicht wie heute um 16.39, sondern erst um 17.39 Uhr. Es wird also deutlich, dass auch das Ende der Zeitumstellung gegenüber den Gewohnheiten von heute eine Umstellung bedeuten würde.  

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