2.08.2014 20:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Unwetter
Unwetter - Bafu will gefährdete Bevölkerung umsiedeln
Umsiedlungen wie jüngst in Weggis LU sind eine Möglichkeit, die Bevölkerung in der Schweiz vor Naturgefahren zu schützen. Dies sagte der Abteilungsleiter Gefahrenprävention im Bundesamt für Umwelt (BAFU), Hans Peter Willi, am Samstag.

Der erste Schritt sei, gefährdete Gebäude mit baulichen Massnahmen zu schützen, sagte Willi in der «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio SRF. Sei dies nicht möglich oder zu teuer, sei die Aussiedlung eine Alternative.

Als gelungenes Beispiel bezeichnete Willi ein Umsiedlungsprojekt im italienischen Aostatal. Dort übernehme die öffentliche Hand bis zu 80 Prozent der Kosten - der Hausbesitzer entscheide dann selber, ob er unter diesen Rahmenbedingungen mitmachen wolle. Von einer Umsiedlung betroffen waren kürzlich die Bewohner von fünf Wohnhäusern in Weggis LU. Sie mussten die Gebäude bis Ende Juli aufgeben, weil diese akut von einem Steinschlag bedroht waren. Einige der Bewohner legten gegen den Entscheid der Gemeinde Beschwerde ein.

12 bis 20 Milliarden Franken

Welche Gebäude in der Schweiz besonders von Hochwasser, Erdrutschen oder Felsstürzen gefährdet sind, zeigen die kantonalen Gefahrenkarten. Im Mai hatte das BAFU mitgeteilt, dass die Kartierung der Naturgefahren in Schweizer Siedlungsgebieten zu über 90 Prozent abgeschlossen sei. Diese Kartierung ist gemäss Willi eine «wichtige Grundlage».

Die Gefahrenkarte des Kantons Bern zeigt etwa, dass dort rund 2000 Personen in roten Zonen leben - gemäss Willi sind diese Personen einer erheblichen Gefahr ausgesetzt. Das Problem sei aber nicht nur die Gefährdung des Lebens, sondern auch die Entwertung des Bodens: Land in einer roten Zone sei «kein Bauland mehr», sagte Willi.

Das Ziel müsse sein, dass diese Wertverluste sowie die durch Objektschutzmassnahmen entstehenden Kosten solidarisch getragen würden. Wenn aber jemand «trotz finanzieller Anreize» nichts für den Schutz seines Hauses unternehme, müsse er folgerichtig höhere Versicherungskosten tragen.

Laut Willi schätzt der Bund die bis 2030 nötigen Investitionen für Hochwasserschutzmassnahmen auf 12 bis 20 Milliarden Franken. Vor diesem Hintergrund seien die Sparprogramme in den Kantonen besorgniserregend.

Keine Entspannung in Schangnau

Welche Gefahr vom Hochwasser ausgehen kann, haben die Bewohner von zahlreichen Gemeinden in den vergangenen Tagen am eigenen Leib erfahren - und für einige ist eine Entspannung immer noch nicht in Sicht. Das Unwettergebiet von Schangnau und Bumbach im Kanton Bern wurde am frühen Samstagmorgen erneut von einem heftigen Gewitter heimgesucht. Wieder trat der Bumbach über die Ufer, setzte Keller unter Wasser und beschädigte Strassen. Bereits abgeschlossene Aufräumarbeiten von den früheren Unwettern wurden wieder weitgehend zunichte gemacht.
Vorübergehend wurde auch für die Emme Hochwasseralarm ausgelöst.

Inzwischen habe sich die Lage beruhigt, sagte Ueli Gfeller, Gemeindepräsident von Schangnau, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die für Sofortmassnahmen aufgebotene Feuerwehr habe die Situation im Griff. Sorgen bereiteten Gfeller aber die Wetterprognosen, die für die nächsten Tage weitere Gewitter vorhersagen.

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