25.11.2015 08:44
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Forschung
Verbrachung wegen Bevölkerungsrückgang
Der Bevölkerungsrückgang in ländlichen Regionen beeinflusst nach Ansicht von Wissenschaftlern in unterschiedlichem Ausmass die dortige Landnutzung. Das ist das Ergebnis eines Workshops, den die Fachhochschule Bingen Anfang November durchgeführt hat.

Die Demografie ist nach den Worten der Binger Forscherin Prof. Elke Hietel zwar nur einer von vielen Faktoren, beeinflusst jedoch lokal das Ausmass von Extensivierung und Verbrachung. Dünn besiedelte ländliche Räume in ungünstiger Lage seien vom Bevölkerungsrückgang und der Alterung am stärksten betroffen, erläuterte sie.

Soziökonomische Faktoren wirken verstärkend

Indikatoren für den Landnutzungswandel seien vor allem die Höhenlage, die Hangneigung und die Bodenart. Verstärkend wirkten soziökonomische Faktoren. So werde die Verbrachung vor allem dort festgestellt, wo viele Nebenerwerbsbetriebe, viele Berufspendler und ungünstige geologische Faktoren zusammenträfen, sagte die Landschaftsökologin. Managementkonzepte für eine nachhaltige Sicherung der Funktionen von Kulturlandschaften liessen sich mit Hilfe von Indikatoren erarbeiten, die das Risiko für einen hohen Nutzungswandel in Regionen identifizierten.

Indes betonte Jens Hoffmann von der Hochschule Neubrandenburg mit Verweis auf Literaturstudien, dass ein Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsentwicklung und der Veränderung der Landnutzung nicht feststellbar sei. Vielmehr übernähmen verbleibende Betriebe freie landwirtschaftliche Flächen. In Regionen mit rückläufigen Bevölkerungszahlen seien vielfach agrar- und energiepolitische Massnahmen die Treiber der Landnutzung. Ein völliger Verzicht auf die Flächeninanspruchnahme und Infrastruktureinrichtungen sei nicht feststellbar, so Hoffmann. Somit entstünden auch keine Optionen auf einen grossflächigeren Naturschutz.

Kommunen mit grossen Entwicklungspotentialen

Andrea Lagemann vom Mainzer Ministerium für Landesplanung hob hervor, dass einige Landkreise im ländlichen Raum weiterhin Bevölkerungsverluste verzeichneten, während die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz insgesamt leicht ansteige. Derweil errechne das Raummonitoring im Rahmen der Regionalplanung in dem Bundesland grosse Entwicklungspotentiale im Innenbereich der Kommunen. Das bedeute für die Kommunalpolitik ein Umdenken hin zu einer ganzheitlichen und verantwortungsvollen Flächenplanung.

Stefan Fina vom Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Universität Stuttgart regte an, Hemmnisse zur Aktivierung der Innenpotentiale zu lockern. Beispiele seien hohe Anforderungen im Brand- und Denkmalschutz und beim Stellplatzangebot. „Bauordnungsrechtliche Erleichterungen eröffnen hier bessere Möglichkeiten zur Innenentwicklung“, sagte Fina.

Nach Ansicht von Rolo Fütterer von der Hochschule Kaiserslautern ziehen die Menschen in die Stadt, weil sie sich dort versorgt fühlen. Im Zuge dieser Entwicklung erwartet er langfristig einen rückläufigen Bedarf an ländlichen Siedlungsflächen. Ludger Nuphaus vom Institute for Environmental Studies and Applied Research (I.E.S.A.R) an der Fachhochschule Bingen regte an, den ökologischen Fussabdruck durch eine stärkere Innenentwicklung, die Mobilisierung des Flächenpotentials im Bestand und ein aktives Flächenmanagement nachhaltig zu senken.

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