13.07.2018 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Verdingkinder:Gesuche rasch abbauen
Die Behandlung der Gesuche um einen Solidaritätsbeitrag von ehemaligen Verdingkindern und anderen Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen sollte rascher voran kommen. Mit diesem Anliegen haben sich Persönlichkeiten aus der Westschweiz in einem Brief an Bundespräsident Alain Berset gewandt.

«Es ist eine Art doppeltes Leid für diese Menschen», bedauerte die Genfer Nationalrätin Lisa Mazzone (Grüne) am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Lausanne. Zum Schmerz, den diese Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen erlitten hätten, kämen nun noch administrative Schwerfälligkeit und Schikanen hinzu.

Weniger Gesuche als erwartet

«Viele von ihnen sind krank oder betagt, und einige von ihnen riskieren, nie etwas von dem versprochenen Geld zu sehen», sagte der ehemalige Waadtländer Ständerat und Mitinitiant der Wiedergutmachungs-Initiative, Luc Recordon (Grüne). Zwei Jahre oder mehr auf die Behandlung ihres Gesuchs zu warten, sei in einigen Fällen unmöglich.

Recordon fügte hinzu, dass die Zahl der Gesuche mit rund 9000 deutlich tiefer sei als die ursprünglich erwarteten 12'000 bis 15'000. Vor diesem Hintergrund sei die Langsamkeit und der Formalismus bei der Behandlung der Gesuche umso unverständlicher.

Bis 1981


Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren in der Schweiz bis 1981 angeordnet worden. Zehntausende von Kindern und Jugendlichen wurden an Bauernhöfe verdingt oder in Heimen platziert, viele wurden misshandelt oder missbraucht. Als eine Art Wiedergutmachung stellte der Bund insgesamt 300 Millionen Franken zur Verfügung.

Bis zum Ende der Gesuchsfrist am 31. März 2018 stellten gesamtschweizerisch 9018 ehemalige Verdingkinder und andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen ein Gesuch für einen einmaligen Solidaritätsbeitrag von 25'000 Franken. Mit den ersten Auszahlungen konnte gemäss Bundesrat früher als geplant begonnen werden.

Bis Anfang Juni behandelte das Bundesamt für Justiz 1400 Gesuche von schwerkranken und hochbetagten Personen prioritär. Weitere 2500 Gesuche sollen bis Mitte 2019 behandelt werden. Ziel ist es, sämtliche Dossiers bis Ende März 2021 abzuschliessen.

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