Samstag, 23. Januar 2021
14.09.2013 06:11
Verkäsungszulage

Verkäsungszulage – 33 Käser erhalten mehr als 1 Mio. Fr.

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Von: Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl

Die Zulagen für verkäste und silofreie Milch sollen den Rohstoffpreis im liberalisierten Käsemarkt hoch halten. Sie werden nicht an die Bauern, sondern an die Käsereien ausbezahlt. Zum ersten Mal ist klar, wer wie viel erhält.

Die Zulage für verkäste Milch beträgt 15 Rp./kg Milch und wird vom Bund den Milchverarbeitern für Milch ausgerichtet, welche zu Käse verarbeitet wird. Für die ohne Silagefütterung produzierte Käsereimilch richtet der Bund zusätzlich eine Zulage von 3 Rp./kg aus.  Auf juristischen Druck der Zeitschrift «Beobachter» hin hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Freitag die Liste der Milchverarbeiter im Internet publiziert, die in den Jahren 2006 bis 2012 Zulagen von mindestens 1 Million Franken erhalten haben.

Laut «Beobachter» vom 23. August verlangte das BLW für die Aushändigung der kompletten Liste der Zulagenempfänger 275’000 Franken. Die Zeitschrift gelangte in der Folge an den Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür. Dieser sei zum Schluss gekommen, dass das BLW die Liste aller Milchverarbeitungsbetriebe aushändigen müsse, die monatlich mehr als 100’000 Franken Verkäsungszulage beziehen.

Emmi als grösster Käser

Das BLW hat pro Milchverwerter Verkäsungszulage und Siloverzichtszulage getrennt aufgeführt. Aus dem Betrag der Verkäsungszulage lässt sich errechnen, wie viel Milch eine Käserei verkäst hat. Emmi ist nicht nur die grösste Molkerei in der Schweiz, sondern auch die  grösste Käserei. Im Jahr 2012 erhielt Emmi 43’156’917 Fr. Verkäsungszulage und verkäste folglich 287’712’779 kg oder 287’713 Tonnen Milch. Das entspricht knapp 9% der gesamten Schweizer Jahresmilchmenge von rund 3,4 Mio. Tonnen.

Emmi produziert unter anderem grosse Mengen Mozzarella sowie Luzerner Rahmkäse. Die Züger Frischkäse AG als zweitgrösste Bezügerin ist ebenfalls stark im Mozzarella-Markt. Nach der Molkerei Cremo auf Rang drei folgt auf dem vierten Rang bereits die  Käserei Imlig Oberriet AG, die im vergangenen Jahr über 47 Mio. kg Milch verkäst hat. Sie ist eine von zahlreichen grossen Ostschweizer Käsereien. 

58% an kleine Käsereien

Das gesamte Bundesbudget fürs Jahr 2012 betrug für Verkäsungs- und Siloverzichtszulage 298 Mio. Franken. Die 33 Verarbeitungsbetriebe in der Tabelle, welche über 1 Million Franken bekamen, haben zusammen rund 127 Millionen Franken oder 42% für beide Zulagen zusammen bezogen. 171 Millionen oder 58% gingen also an kleinere Käsereien, welche weniger als 1 Million Franken Zulagen pro Jahr erhalten.

Sollte zum Bauern gehen

Laut Milchpreisstützungsverordnung sind die Milchverwerter verpflichtet, die beiden Zulagen «innert Monatsfrist den Produzenten und Produzentinnen, von denen sie die zu Käse verarbeitete Milch gekauft haben, weiterzugeben». Gleichzeitig müssen diese die Buchhaltung so gestalten, dass ersichtlich ist, welche Beiträge sie für die Zulagen erhalten und ausbezahlt haben.

Die Verkäsungszulage gilt als Kompensation für den Käsefreihandel mit der EU (siehe Kasten). Laut einer Studie der Hochschule für Landwirtschaft (HAFL) zur Öffnung der weissen Linie stützt sie aber nicht nur die Preise für Käsereimilch, sondern indirekt auch die Molkereimilchpreise.

Neu Mindestfettgehalt

Die Verkäsungszulage kam in den letzten Jahren unter Beschuss, weil sie auch für Magerkäse ausbezahlt wurde. Mit der abgerahmten Butter wurde zusätzlich ein Geschäft gemacht. Mit der AP 2017 wird neu ein Mindestfettgehalt von 150g Fett pro Kilo Trockenmasse eingeführt, um diesem Missbrauch einen Riegel zu schieben.

Verkäsungszulage

Die Verkäsungszulage sowie die Zulage für silofreie Käsereimilch wurden im Rahmen der Agrarpolitik 2002 als Kernelement der neuen Milchmarktordnung eingeführt. Man wollte den Rohstoff Milch  so weit verbilligen, dass Schweizer Käse ohne Beihilfe in die EU exportiert werden konnte. Seit dem Wegfall sämtlicher Zölle auf EU-Käse 2007 sorgen vor allem noch diese Zulagen für einen höheren Milchpreis für verkäste Milch als in den Nachbarländern. Mit der AP 2017 bleibt die Höhe der Verkäsungszulage von 15 Rp./kg bzw. der Siloverzichtszulage von 3 Rp./kg im Landwirtschaftsgesetz festgeschrieben. sam

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