6.06.2019 13:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/blu
Viehschau
Viehschauen: Industrie macht Druck
Der Nationalrat hat sich am Mittwoch gegen ein Zitzenverklebe-Verbot an Viehschauen ausgesprochen. Doch die Milchverarbeiter halten den Druck auf die Aussteller hoch. Nur wer seine Kühe rechtzeitig melkt, darf die Milch von Schauen noch abliefern.

Gegenüber der SRF-Sendung «Espresso» gab Lorenz Hirt, Geschäftsführer der Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie (VMI), bekannt, dass der VMI-Vorstand kürzlich eine Empfehlung an die Mitglieder verabschiedet habe.

Demnach solle Milch von Viehschauen von der Industrie nur noch übernommen werden, wenn gewisse Regeln eingehalten seien. Die Zwischenmelkzeit dürfe nicht mehr als 14 Stunden betragen. So komme es nämlich gar nicht so weit, dass die Zitzen bei sämtlichen Kühen verklebt werden müssen, ergänzte Hirt. Zudem behalten sich die Mitglieder vor, sich aus dem Sponsoring der Viehschauen zurückzuziehen, wenn die Regeln nicht eingehalten würden. 

Über ein Kollodium-Verbot haben die Mitglieder auch diskutiert. Es wurde aber als Symptombekämpfung angesehen. «Wir wollten das Problem an der Wurzel packen», sagt Hirz zu «Espresso». Die Milchverarbeiter meinen es mit ihrer Empfehlung ernst. «Sämtliche Unternehmen der Branche wurden einbezogen. Es geht nicht um Goodwill, es ist ein Commitment», macht Lorenz Hirt deutlich.

Ein Verbot dieser Praktik hat der Nationalrat am Mittwoch abgelehnt - entgegen der Meinung des Bundesrats. Dieser empfahl die Annahme einer Motion von Irène Kälin (Grüne/AG). Mit 91 zu 76 Stimmen bei 11 Enthaltungen stellte sich eine Mitte-Rechts-Mehrheit dagegen. Damit ist der Vorstoss erledigt.

Laut der Motionärin handelt ein Grossteil der Bauern zwar korrekt. Es gebe aber immer «extremistische Züchter», welche die Zitzen der Tiere verschlössen. «Dafür wurde früher sogar Sekundenkleber eingesetzt.» Auch wenn dies inzwischen verboten sei, würden die Zitzen manchmal immer noch verschlossen, damit sich die ungemolkenen Euter prall präsentierten, ohne dass die Milch auslaufe. 

Zahlreiche landwirtschaftlich tätige Nationalräte widersprachen vehement: Die Branche habe längst Lösungen gefunden, um die Probleme zu lösen. Dazu gehörten zahlreiche Kontrollen, an denen auch der Bund beteiligt sei.


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