29.07.2014 08:26
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Tierschutz
Vorschläge zum Tierschutz ernten Kritik
Ein Hund verhält sich übermässig aggressiv, wenn er einen Menschen oder ein Tier verfolgt und dabei knurrt oder wütend bellt: Wegen solchen Passagen stossen die drei neuen Verordnungen zum Tierschutz in der Anhörung auf Kritik. Die meisten Organisationen fordern Änderungen oder weisen sie zurück.

«Realitätsfremd, unnötig und nicht vollziehbar», lautet das Urteil des Schweizerischen Bauernverbands (SBV) zu den neuen Bestimmungen, die bis am Montag in der Anhörung sind. «Wer beurteilt, ob das Bellen freundlich oder wütend war?», schreibt der SBV zu der erwähnten Passage über aggressive Hunde.

SBV erzürnt

Die Bauernvertreter fordern zudem, dass sämtliche Nutzhunde - etwa Hofhunde - von der neuen Verordnung über die Haltung von Hunden und Heimtieren ausgenommen werden. Für den Verband der Hundezüchter, die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG), sind die Formulierungen zu aggressiven Hunden «äusserst problematisch». Beispielsweise seien insbesondere jene Hunde besonders gefährlich, die lautlos hetzten.

Der Artikel in der Verordnung dient dazu, zu klären, welche Hunde an die kantonalen Behörden gemeldet werden müssen. Aus Sicht der SKG ist der Artikel deshalb fehlplatziert, da die Verordnung die Haltung und den Umgang mit Hunden regeln solle.

Kritik auch an Zuchtvorschriften

Der SBV und die SKG lehnen auch die neue Verordnung über den Tierschutz beim Züchten von Tieren ab. Sie enthält Massnahmen, damit keine Tiere mit problematischen Eigenschaften mehr gezüchtet werden - beispielsweise Katze ohne Tasthaaren. Aus Sicht des Bauernverbands sollte die landwirtschaftliche Nutztierhaltung nicht von der neuen Verordnung erfasst werden - für die Bauern gälten bereits Vorschriften im Landwirtschaftsgesetz.

SBV und SKG weisen auch darauf hin, dass viele Tiere aus dem Ausland eingeführt werden und deshalb die neuen Bestimmungen umgangen werden könnten. Wenn es in der Schweiz keine Heimtiere aus problematischen Züchtungen mehr geben soll, müsse das Gesetz auch den Import solcher Tiere verbieten, fordern die SKG und die Westschweizer Vereinigung von Züchtern von Rassehunden (ARECR).

Tierschutz möchte auch Möpse verbieten

Der Schweizer Tierschutz (STS) ist mit der neuen Verordnung zur Tierzucht mehrheitlich zufrieden. Er möchte aber noch zusätzliche Zuchtformen verbieten: Zum Beispiel solle die neue Verbotsliste auch die Hunderasse Möpse enthalten. Die neue Verordnung sei zudem nur ein erster Schritt: Ob sie greife, hänge von der Umsetzung durch die Züchter sowie den Kontrollen der Behörden ab, heisst es in der Stellungnahme des STS.Bestimmungen sollen überarbeitet werden

Kritisch zu den drei neuen Verordnungen - die dritte regelt die Haltung von Wildtieren - äussert sich auch die Schweizerische Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST). Die Entwürfe gingen in die richtige Richtung, seien aber teilweise unklar oder nicht verständlich formuliert. Die GST fordert der Bund auf, die Verordnungen zu prüfen und zu überarbeiten. Es brauche klare und mit verhältnismässigem Aufwand vollziehbare Bestimmungen.

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